Verpackungsautomatisierung in der Logistik: Weniger Material, mehr Stabilität

Max Meister im Gespräch mit Jörg Hahne, Sales Manager Autobox DACH bei Sealed Air.

Verpackungsautomatisierung in der Logistik kann Material sparen, Prozesse beschleunigen und die Qualität von Versandverpackungen verbessern. In dieser Folge von „Max und die Supply Chain Helden“ spricht Max Meister mit Jörg Hahne von Sealed Air über automatisierte Verpackungslinien und die Erfahrungen mit dem I-Pack-System.

Im Mittelpunkt stehen die Funktionsweise der Anlage, wirtschaftliche Faktoren, Wartung und Instandhaltung sowie die Frage, wie Verpackungsprozesse nachhaltiger und ergonomischer gestaltet werden können.


Verpackungsautomatisierung in der Logistik: So funktioniert I-Pack

Das I-Pack-System arbeitet nach dem Box-First-Prinzip. Ein Kartonaufsteller richtet den Versandkarton auf, anschließend wird dieser über die Fördertechnik zu den Kommissionierplätzen transportiert und mit den bestellten Artikeln befüllt. Ein Identifikationslabel sorgt dafür, dass Bestellung und Karton eindeutig miteinander verbunden bleiben.

Nach der Kommissionierung misst die Anlage die tatsächliche Füllhöhe. Der Karton wird gerillt, auf die passende Höhe heruntergefaltet und anschließend mit einem Deckel verschlossen. Anders als bei schneidenden Verfahren bleiben die Kartonecken erhalten. Das erhöht die Verwindungssteifigkeit und kann gleichzeitig dazu beitragen, die Produkte im Inneren zu fixieren.


Kartongrößen analysieren und konsolidieren

Ein Automatisierungsprojekt beginnt mit der Analyse der vorhandenen Kartonformate. Viele Unternehmen verwenden fünf, sieben oder sogar zehn unterschiedliche Größen. Im Rahmen einer Box-Size-Analysis wird geprüft, welche Formate wirklich notwendig sind und wie viele Sendungen sich mit wenigen standardisierten Grundflächen abdecken lassen.

Bei Ludwig Meister verarbeitet eine Kartongröße rund 80 Prozent der Bestellungen. Ein ergänzender Shopfloor-Test mit realen Sendungen kann zeigen, wie viel Volumen und Füllmaterial tatsächlich eingespart wird. Gleichzeitig lassen sich ungünstige Kartonhöhen erkennen, bevor die endgültige Entscheidung für die Anlage und die Formate fällt.


Wirtschaftlichkeit und Projektablauf

Eine typische Verpackungslinie aus Kartonaufsteller und I-Pack-Anlage liegt laut Jörg Hahne in einer Größenordnung von rund 350.000 Euro. Je nach Kartonformat erreicht die Anlage bis zu 15 Verpackungen pro Minute. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist jedoch nicht allein die Geschwindigkeit, sondern auch die Einsparung von Füllmaterial, eine gleichbleibende Qualität und die bessere Bewältigung saisonaler Spitzen.

Die Lieferzeit beträgt ungefähr 25 Wochen, die Installation folgt anschließend. Eine komplexe IT-Anbindung ist für den Grundbetrieb nicht zwingend notwendig. Sie wird vor allem dann relevant, wenn Unternehmen Leistungsdaten, Fehlermeldungen, Fotodokumentationen oder Informationen über die endgültige Kartonhöhe an einen Leitstand übertragen möchten.


Wartung und Prozessstabilität

Viele Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten können durch die eigene Betriebstechnik übernommen werden. Sealed Air unterstützt die Kunden unter anderem mit einer Hotline, vorbeugenden Wartungsverträgen, einem Vor-Ort-Service und Ersatzteilpaketen. Mit einem vollständigen Spare-Part-Kit sollen sich rund 95 Prozent der typischen Störungen direkt vor Ort beheben lassen.

Für einen zuverlässigen Betrieb sind dennoch Erfahrung und Aufmerksamkeit erforderlich. Temperaturen, Klebstoffeinstellungen und die Beschaffenheit der Wellpappe beeinflussen das Ergebnis. Gewellte oder verformte Kartonzuschnitte können Störungen verursachen. Regelmäßige Reinigung, vorbeugende Wartung und geschulte Mitarbeitende sind deshalb wichtige Voraussetzungen für eine hohe Anlagenverfügbarkeit.


Nachhaltigkeit, PPWR und Ergonomie

Die Verpackungsautomatisierung in der Logistik unterstützt zentrale Ziele der europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Durch die automatische Höhenreduzierung entstehen weniger Hohlräume, wodurch Füllmaterial und Versandvolumen sinken. Die stabile Falt- und Klebetechnik kann außerdem ermöglichen, dünnere Wellpappqualitäten einzusetzen, ohne den Produktschutz zu vernachlässigen.

Weiteres Automatisierungspotenzial sieht Max Meister beim Palettieren unterschiedlich hoher Pakete. Dabei geht es weniger um höhere Mengen als um die körperliche Entlastung der Mitarbeitenden. Robotergestützte Lösungen sind grundsätzlich möglich, allerdings erschweren unterschiedliche Kartonhöhen die Bildung stabiler Stapelbilder. Definierte Höhenstufen könnten hier künftig eine praktikable Lösung bieten.


Reinhören lohnt sich!

Die Episode zeigt, wie sich Verpackungsmaterial, Versandvolumen und manuelle Belastungen durch eine durchdachte Automatisierung reduzieren lassen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Technik, Kartonqualität, Wartung und Prozesswissen eng zusammenspielen müssen. Jetzt reinhören und erfahren, welche Faktoren bei der Einführung einer automatisierten Verpackungslinie wirklich entscheidend sind.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Verpackungsautomatisierung in der Logistik: Weniger Material, mehr Stabilität weiterlesen

Logistik als Machtfaktor: Wie China den globalen E-Commerce strategisch neu ordnet

Max Meister im Gespräch mit Prof. Dr. Christoph Tripp, Professor für Distributions- und Handelslogistik an der Technischen Hochschule Nürnberg.

China E-Commerce Strategie ist längst weit mehr als der Ausbau einzelner Online-Marktplätze. In dieser Episode von „Max und die Supply Chain Helden“ spricht Max Meister mit Prof. Dr. Christoph Tripp über die langfristige wirtschaftspolitische Strategie Chinas und darüber, weshalb Logistik heute zu einem entscheidenden geopolitischen Machtinstrument geworden ist.

Ausgangspunkt des Gesprächs ist ein neuer chinesischer E-Commerce-Leitfaden, der deutlich macht, dass China seine internationale Handelsstrategie konsequent weiterentwickelt. Gemeinsam ordnen Max Meister und Christoph Tripp ein, warum sich viele Entwicklungen der vergangenen Jahre erst im Zusammenhang mit einer über Jahrzehnte angelegten Gesamtstrategie vollständig verstehen lassen.


Die China E-Commerce Strategie: 25 Jahre langfristige Planung

Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass China seine E-Commerce- und Logistikentwicklung nicht in Wahlperioden, sondern über Jahrzehnte plant. Beginnend mit dem WTO-Beitritt im Jahr 2001 wurden zunächst Infrastruktur und Verkehrsnetze massiv ausgebaut. Anschließend entstanden Pilotregionen für den digitalen Handel, bevor Plattformen wie Alibaba, JD.com oder Pinduoduo gezielt gefördert wurden.

Heute befindet sich China in einer neuen Entwicklungsphase. Der Fokus liegt nicht mehr ausschließlich auf Wachstum über niedrige Preise, sondern auf internationalen Marken, qualitativ hochwertigen Produkten und einer globalen Expansion der eigenen Wertschöpfungsketten. Gerade diese langfristige Perspektive unterscheidet die chinesische Wirtschaftspolitik grundlegend von vielen europäischen Ansätzen.


Warum Logistik zum strategischen Wettbewerbsfaktor wird

Ein zentrales Thema der Episode ist die Rolle der Logistik innerhalb dieser Gesamtstrategie. Christoph Tripp beschreibt, wie China gezielt Lagerkapazitäten, Logistikstandorte und Distributionsnetzwerke in Europa und den USA aufbaut. Ziel ist es nicht allein, Produkte schneller auszuliefern, sondern die Kontrolle über Lieferfähigkeit, Bestände und Kundenzugang zu gewinnen.

Dabei diskutieren Max Meister und Christoph Tripp auch aktuelle Entwicklungen wie die Aktivitäten von JD.com in Europa, den möglichen Einstieg bei MediaMarkt & Saturn sowie Investitionen chinesischer Unternehmen in Logistikimmobilien und Speditionen. Deutlich wird, dass diese Einzelmaßnahmen Teil einer wesentlich größeren strategischen Ausrichtung sind.


Was Europa aus der China E-Commerce Strategie lernen kann

Neben der Analyse Chinas richtet sich der Blick immer wieder auf Europa. Beide Gesprächspartner hinterfragen kritisch, warum Europa häufig erst reagiert, wenn neue Marktstrukturen bereits entstanden sind. Besonders die Geschwindigkeit politischer Entscheidungen, die fehlende wirtschaftspolitische Gesamtstrategie sowie die zersplitterte Interessenvertretung innerhalb von Handel und Logistik werden offen diskutiert.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Unternehmen sich auf einen dauerhaft globalen Wettbewerb einstellen müssen. Konkurrenz entsteht heute nicht mehr ausschließlich innerhalb Deutschlands oder Europas, sondern zunehmend zwischen internationalen Plattformen, Herstellern und Logistiknetzwerken.


Warum der Blick auf die Gesamtstrategie entscheidend ist

Die Episode zeichnet bewusst kein Bedrohungsszenario, sondern liefert eine faktenbasierte Einordnung der aktuellen Entwicklungen. Christoph Tripp macht deutlich, dass China weder unterschätzt noch überschätzt werden sollte. Entscheidend sei vielmehr, die langfristigen Ziele, Investitionen und politischen Maßnahmen zu verstehen, um daraus eigene Strategien für Unternehmen und Wirtschaftspolitik abzuleiten.

Gerade für Entscheider aus Einkauf, Supply Chain Management, Handel und Logistik liefert das Gespräch zahlreiche Denkanstöße. Es zeigt, warum Logistik längst nicht mehr ausschließlich operative Disziplin ist, sondern zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor im internationalen Handel geworden ist.


Reinhören lohnt sich!

Die Episode zeigt, wie die China E-Commerce Strategie Industrie, Handel und Logistik zu einem langfristigen Gesamtkonzept verbindet – und welche Herausforderungen sich daraus für Europa und europäische Unternehmen ergeben. Wer die Dynamik hinter dieser Entwicklung besser verstehen möchte, sollte diese Folge von „Max und die Supply Chain Helden“ unbedingt anhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Logistik als Machtfaktor: Wie China den globalen E-Commerce strategisch neu ordnet weiterlesen

Wie Innovationen ihren Weg in die Logistik finden

Max Meister im Gespräch mit Sven Schürer.

Netzwerken in der Logistik ist weit mehr als der Austausch von Visitenkarten. In dieser Episode von „Max und die Supply Chain Helden“ spricht Max Meister mit Sven Schürer über ein Geschäftsmodell, das auf Vertrauen, Branchenkenntnis und einem außergewöhnlich starken Netzwerk basiert. Sven Schürer unterstützt internationale Technologieunternehmen beim Markteintritt im DACH-Raum, bringt innovative Lösungen mit potenziellen Kunden zusammen und investiert gleichzeitig in vielversprechende Logistik-Start-ups.

Dabei wird schnell deutlich: Sein eigentlicher Mehrwert liegt nicht im klassischen Vertrieb, sondern darin, die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt miteinander zu verbinden. Wer die Herausforderungen seiner Kunden versteht und passende Lösungen kennt, wird zum strategischen Sparringspartner für Unternehmen entlang der gesamten Supply Chain.


Vertrieb beginnt mit dem Verständnis des Kunden

Ein zentrales Thema der Episode ist moderner B2B-Vertrieb. Sven Schürer erklärt, warum erfolgreiche Vertriebsarbeit lange vor einem Angebot beginnt. Entscheidend sei, die konkreten Probleme einer Branche zu verstehen und genau zu wissen, welche Unternehmen tatsächlich von einer Lösung profitieren.

Gemeinsam diskutieren Max Meister und Sven Schürer, warum viele Start-ups ihre Zielgruppen zu breit definieren und stattdessen stärker auf Branchenfokus, Referenzkunden und langfristigen Beziehungsaufbau setzen sollten. Gerade im Bereich Logistikautomation und Intralogistik dauern Verkaufszyklen häufig zwölf bis achtzehn Monate. Umso wichtiger seien Geduld, kontinuierliche Präsenz und echtes Branchenverständnis.

Dabei wird auch deutlich, weshalb Branchenveranstaltungen häufig wertvoller sind als klassische Logistikmessen. Wer Brauereien gewinnen möchte, sollte auf Brauereikongressen präsent sein – nicht ausschließlich auf der LogiMAT.


Innovationen zwischen Robotik, KI und Computer Vision

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf aktuellen Innovationen innerhalb der Supply Chain. Sven Schürer gibt Einblicke in Unternehmen, die autonome mobile Roboter (AMRs), KI-gestützte Dokumentenverarbeitung, intelligente Ladeinfrastruktur für E-Lkw oder Computer-Vision-Lösungen entwickeln.

Besonders spannend ist die Diskussion darüber, wie Künstliche Intelligenz heute bereits unstrukturierte Informationen automatisch verarbeitet oder Retouren anhand von Kamerabildern klassifiziert. Gleichzeitig wird klar, dass sich viele dieser Technologien inzwischen von ersten Pilotprojekten hin zur industriellen Skalierung entwickeln.

Auch das Thema Humanoide wird angeschnitten. Beide Gesprächspartner sind überzeugt, dass humanoide Roboter die Logistik langfristig verändern werden – wenn auch schrittweise. Aufgrund der Dynamik des Themas kündigen sie bereits eine Podcastfolge zu einem späteren Zeitpunkt dazu an.


Netzwerken in der Logistik und erfolgreiche Start-up-Investments

Neben seiner Tätigkeit als Netzwerker investiert Sven Schürer aktiv in Logistik-Start-ups. Er beschreibt offen, welche Kriterien für ihn bei einer Beteiligung entscheidend sind.

Neben einem überzeugenden Product-Market-Fit spielen vor allem die Gründerpersönlichkeiten eine zentrale Rolle. Besonders wichtig sei ein stark aufgestellter Vertrieb. Gute Entwickler allein reichen nicht aus, wenn niemand die Lösung überzeugend am Markt platzieren kann. Ebenso betrachtet er den Investorenkreis, die strategische Unterstützung durch bestehende Gesellschafter sowie die Realitätsnähe des Geschäftsmodells.

Max Meister ergänzt die Diskussion um eigene Erfahrungen aus bisherigen Beteiligungen und spricht offen über Learnings aus weniger erfolgreichen Investments.


Inspiration aus der Praxis und Empfehlungen für die Logistik-Community

Abgerundet wird die Episode durch zahlreiche Empfehlungen für Unternehmen, die moderne Logistik erleben möchten. Gemeinsam sprechen Max Meister und Sven Schürer über beeindruckende Standorte wie Strauss, SEW, ZF oder große E-Commerce-Logistikzentren und erläutern, warum sich Besuche vor Ort häufig stärker lohnen als jede Präsentation.

Zum Abschluss teilen beide ihre persönlichen Empfehlungen für Veranstaltungen wie die BVL Supply Chain CX, die LogiMAT oder die Bosch Connected World und diskutieren, warum Netzwerke langfristig häufig wertvoller sind als einzelne Geschäftsabschlüsse.


Reinhören lohnt sich!

Diese Episode liefert praxisnahe Einblicke in modernes Netzwerken, erfolgreichen B2B-Vertrieb und die Zukunft der Supply Chain. Wer verstehen möchte, wie Innovationen ihren Weg in Unternehmen finden und welche Rolle persönliche Beziehungen dabei spielen, sollte unbedingt reinhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Wie Innovationen ihren Weg in die Logistik finden weiterlesen

Versorgungssicherheit im Einkauf: Wie Ludwig Meister Bestände intelligent plant

Max Meister im Gespräch mit Thomas Meir, Einkaufsleiter bei Ludwig Meister, und Florian Ostendarp, Head of Supply Chain bei Ludwig Meister.

Versorgungssicherheit im Einkauf ist heute weit mehr als die reine Beschaffung von Produkten. Unternehmen erwarten von ihren Lieferanten Verlässlichkeit, Transparenz und die Fähigkeit, auch in volatilen Märkten jederzeit lieferfähig zu bleiben. In dieser „This is how we do it“-Folge von „Max und die Supply Chain Helden“ spricht Max Meister mit Thomas Meir, Einkaufsleiter bei Ludwig Meister, und Florian Ostendarp, Head of Supply Chain bei Ludwig Meister, darüber, wie moderne Bestandsplanung funktioniert und welche Rolle Daten, Automatisierung und intelligente Prozesse dabei spielen.


Wie aus Daten präzise Bestandsentscheidungen werden

Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie ein technischer Händler mit mehreren Millionen Artikeln die optimale Lagerreichweite bestimmt. Florian Ostendarp erklärt, dass eine Vielzahl von Faktoren in die tägliche Prognose einfließt: historische Verbrauchsdaten, aktuelle Kundenaufträge, Rahmenverträge, Wiederbeschaffungszeiten, Preisstrukturen und Lieferanteninformationen.

Anstatt mit statischen Mindest- und Höchstbeständen zu arbeiten, setzt Ludwig Meister auf dynamische Reichweitenmodelle. Diese berechnen täglich den tatsächlichen Bedarf und passen die Bestandsplanung kontinuierlich an neue Entwicklungen an. Dadurch können sowohl Überbestände als auch Versorgungslücken reduziert werden.


Versorgungssicherheit im Einkauf durch automatisierte Prozesse

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die konsequente Automatisierung der Disposition. Thomas Meir erläutert, wie sogenannte Bestellprofile und Bestellvorschläge den Einkauf unterstützen. Hinter diesen Profilen verbergen sich zahlreiche Regeln und Parameter, die früher ausschließlich im Kopf erfahrener Disponenten vorhanden waren.

Verpackungseinheiten, Staffelpreise, Mindestbestellwerte, Lieferantenbesonderheiten oder sogar technische Einschränkungen einzelner Lieferanten werden heute systemseitig berücksichtigt. Das Ergebnis sind automatisiert erzeugte Bestellvorschläge, die einen Großteil des Einkaufsvolumens effizient steuern und gleichzeitig eine hohe Prozesssicherheit gewährleisten.

Besonders wichtig ist dabei der „doppelte Boden“ im System: Selbst wenn eine Bestellung versehentlich übersehen wird, sorgen zusätzliche Sicherheitsmechanismen dafür, dass Bedarfe erneut sichtbar gemacht werden und keine Versorgungslücken entstehen.


Transparenz als Schlüssel für eine bessere Customer Experience

Die Gesprächspartner machen deutlich, dass moderne Supply Chains nicht am Wareneingang enden. Ebenso entscheidend ist die Transparenz gegenüber Vertrieb und Kunden. Werden Liefertermine von Lieferanten verschoben oder geändert, werden diese Informationen automatisiert verarbeitet und direkt an die zuständigen Mitarbeitenden weitergegeben.

Dadurch können Kunden frühzeitig informiert werden, bevor aus einer Verzögerung ein echtes Problem entsteht. Für Max Meister ist genau diese Transparenz ein zentraler Bestandteil einer professionellen Customer Experience.


Die Zukunft: KI, Risikomanagement und resiliente Lieferketten

Zum Abschluss richtet sich der Blick nach vorne. Thomas Meir sieht insbesondere in den Bereichen KI-gestützte Prognosen und Risikomanagement großes Entwicklungspotenzial. Gleichzeitig betont Florian Ostendarp die Bedeutung von Resilienz und durchgängiger Transparenz entlang der gesamten Lieferkette – vom Lieferanten über den Einkauf bis hin zum Kunden.


Reinhören lohnt sich!

Die Episode zeigt eindrucksvoll, dass Versorgungssicherheit im Einkauf nicht durch höhere Lagerbestände entsteht, sondern durch intelligente Datenmodelle, automatisierte Prozesse und eine enge Verzahnung von Einkauf, Vertrieb und Supply Chain Management. Wer verstehen möchte, wie moderne Bestandsplanung in der Praxis funktioniert und warum Verlässlichkeit heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, sollte in diese Folge unbedingt reinhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Versorgungssicherheit im Einkauf: Wie Ludwig Meister Bestände intelligent plant weiterlesen

Open Source in der Logistik: Wie DACHSER Innovation greifbar macht

Max Meister im Gespräch mit Ingo Müller, Head of Prototyping und Testing im Corporate Research & Development bei DACHSER.

Max Meister spricht in dieser Folge von „Max und die Supply Chain Helden“ mit Ingo Müller, Department Head of Prototyping und Testing im Corporate Research & Development bei DACHSER. Im Mittelpunkt steht Open Source in der Logistik – und die Frage, wie neue Technologien wie KI, Agentic Coding, digitale Frachtbriefe und kamerabasierte Volumenmessung nicht nur diskutiert, sondern konkret erlebbar gemacht werden.


Innovation zum Anfassen: Prototyping bei DACHSER

DACHSER betreibt eine eigene Corporate Research-&-Development-Einheit – für eine Spedition alles andere als selbstverständlich. Ingo Müller erklärt, wie sein Team neue Technologien in Prototypen, Mock-ups und greifbare Anwendungen übersetzt. Ziel ist nicht, fertige Enterprise-Software zu bauen, sondern Entscheidungsgrundlagen zu schaffen: Was kann eine Technologie wirklich leisten? Wo liegt ihr praktischer Nutzen? Und lohnt sich eine weitere Investition?

Gerade in Zeiten von KI wird dieser Ansatz besonders relevant. Denn je komplexer Technologien werden, desto wichtiger ist es, sie nicht nur theoretisch zu bewerten, sondern in konkreten Anwendungsszenarien sichtbar zu machen. Für Unternehmen in Einkauf, Logistik und Supply Chain entsteht daraus ein klarer Mehrwert: Innovation wird verständlich, testbar und entscheidungsfähig.


Open Source in der Logistik als Hebel für Standards

Ein zentrales Thema der Folge ist Open Source in der Logistik. DACHSER engagiert sich als Gründungsmitglied in der Open Logistics Foundation, die Open-Source-Lösungen für die Logistik entwickelt und bereitstellt. Ingo Müller beschreibt, warum dieser Ansatz strategisch so wichtig ist: Viele Prozesse in der Logistik leiden unter fehlenden Standards, individuellen Schnittstellen und teuren Sonderlösungen.

Ein konkretes Beispiel ist der elektronische CMR, also der digitale internationale Frachtbrief. Die Open-Source-Lösung kann kostenfrei genutzt und selbst betrieben werden. Unternehmen müssen keine proprietäre Plattform einsetzen, sondern können auf eine offene Softwarebasis zurückgreifen. Dadurch sinken Einstiegshürden, Schnittstellen werden vereinfacht und ein gemeinsamer Standard kann sich schneller etablieren.

Für Max Meister ist genau das ein entscheidender Punkt: In der Supply Chain entstehen enorme Kosten durch Sonderlocken, individuelle Kundenanforderungen und uneinheitliche Datenmodelle. Open Source kann hier ein echter Effizienzhebel für die gesamte Wirtschaft werden.


KI, Agentic Coding und Vibe Coding in der Praxis

Auch künstliche Intelligenz spielt in der Episode eine zentrale Rolle. Ingo Müller unterscheidet zwischen Agentic Coding und Vibe Coding. Während Agentic Coding weiterhin im klassischen Softwareentwicklungsprozess verankert bleibt und Entwickler aktiv einbindet, beschreibt Vibe Coding einen Ansatz, bei dem Anwender nur noch das gewünschte Ergebnis formulieren, ohne in den Code einzugreifen.

Für ein Enterprise-Umfeld sieht Müller Vibe Coding aktuell nicht als produktionsreife Lösung. Für Prototyping, Ideenentwicklung und frühe Visualisierung hält er den Ansatz jedoch für äußerst wertvoll. Innerhalb weniger Tage lassen sich Anwendungen bauen, die zeigen, wie ein späteres Produkt aussehen und funktionieren könnte. Gerade für Fachbereiche kann das die Kommunikation mit IT und Entwicklung deutlich verbessern.


Kameratechnik, Packstücke und operative Entscheidungen

Ein weiteres spannendes Feld ist die automatische Erkennung von Packstückgrößen. DACHSER untersucht, wie sich mithilfe von Kameratechnik und KI Entscheidungen unterstützen lassen, die heute erfahrene Mitarbeitende auf dem Shopfloor treffen. Dabei geht es weniger darum, exakte Maße zu erfassen, sondern darum, menschliche Einschätzungen nachzubilden: Passt eine Palette noch auf den Lkw? Wie lässt sich eine Fläche sinnvoll beladen? Welche Erfahrungswerte fließen in solche Entscheidungen ein?

Dieser Ansatz zeigt, wie KI in der Logistik dort Mehrwert schaffen kann, wo Erfahrungswissen, Prozessdruck und Skalierung zusammenkommen. Besonders relevant wird das vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Wissensverlusts durch bevorstehende Verrentungen.


Wissen sichern, bevor es verloren geht

Zum Abschluss sprechen Max Meister und Ingo Müller über Mitarbeiterwissen. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass erfahrene Kolleginnen und Kollegen in den kommenden Jahren in Rente gehen. Ihr Wissen ist oft nicht dokumentiert, sondern steckt in Routinen, Ausnahmen und Erfahrungswerten.

Ingo Müller beschreibt einen Ansatz, bei dem vorhandene Dokumente, Richtlinien und Datenbanken mithilfe von KI analysiert werden, um Wissenslücken zu erkennen. Entscheidend ist dabei nicht nur, Mitarbeitende zu interviewen, sondern die richtigen Fragen zu finden. Denn häufig liegt das wichtigste Wissen genau dort, wo niemand bisher wusste, dass eine Frage gestellt werden müsste.


Reinhören lohnt sich!

Diese Folge macht deutlich, wie breit Innovation in der Logistik heute gedacht werden muss: von Open Source über KI-gestützte Softwareentwicklung bis hin zur Sicherung von Erfahrungswissen. Wer verstehen möchte, wie DACHSER neue Technologien testet, bewertet und in konkrete Logistikanwendungen übersetzt, sollte unbedingt in diese Episode reinhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Open Source in der Logistik: Wie DACHSER Innovation greifbar macht weiterlesen

Robotik in der Intralogistik: Wie Pikes die Produktionslogistik neu denkt

Max Meister im Gespräch mit Kevin Mahler, Mitgründer und Geschäftsführer der Pikes GmbH.

Robotik in der Intralogistik entwickelt sich rasant weiter – doch viele Lösungen scheitern im Mittelstand an hohen Investitionen, komplexer Infrastruktur oder langen Projektlaufzeiten. In dieser Episode von „Max und die Supply Chain Helden“ spricht Max Meister mit Kevin Mahler, Mitgründer und Geschäftsführer der Pikes GmbH, über einen völlig neuen Ansatz für autonome Produktionslogistik.

Im Mittelpunkt steht das System „Warehouse Anywhere“ – ein mobiler Roboter, der Behälter nicht nur transportieren, sondern auch stapeln, zwischenlagern und gezielt aus einem Stapel heraus manipulieren kann. Das Besondere: Die Lösung funktioniert ohne klassische Fördertechnik und ohne aufwendige Infrastrukturmaßnahmen. Statt Regalsysteme und feste Materialflüsse aufzubauen, nutzt das System einfach die freie Fläche in bestehenden Produktionshallen.


Robotik in der Intralogistik ohne Fördertechnik

Die Folge zeigt eindrucksvoll, warum klassische Intralogistiksysteme gerade für kleinere und mittelständische Produktionsunternehmen häufig zu komplex oder zu teuer sind. Kevin Mahler beschreibt, wie aus einem internen Automatisierungsprojekt bei VACOM die Idee entstand, Produktionslogistik radikal zu vereinfachen.

Ausgangspunkt war ein reales Problem: Mitarbeitende verbrachten täglich Stunden damit, Material und Werkzeuge zu suchen. Die ursprüngliche Lösung führte zu einem hochkomplexen Infrastrukturprojekt mit neuen Hallen, automatischen Kleinteilelagern und millionenschweren Investitionen. Genau daraus entstand die zentrale Frage: Geht das nicht einfacher?

Mit „Warehouse Anywhere“ verfolgt Pikes nun einen anderen Ansatz. Der Roboter kann standardisierte KLT-Behälter direkt vom Boden aufnehmen, Stapel bilden und einzelne Behälter gezielt an Produktionsarbeitsplätze oder Regale übergeben. Selbst die mittlere Kiste eines Stapels kann autonom entnommen werden. Dadurch entstehen flexible Lager- und Puffersysteme ohne starre Fördertechnik.


Flexible Produktionslogistik für den Mittelstand

Besonders spannend ist der Fokus auf Produktionsumgebungen mit hoher Variantenvielfalt. Robotik in der Intralogistik wird hier nicht als starres Warehouse-System verstanden, sondern als flexible Unterstützung für dynamische Fertigungsprozesse.

Kevin Mahler erklärt, dass sich die Lösung insbesondere an Unternehmen richtet, die bisher kaum Zugang zu Automatisierung hatten. Statt monatelanger Implementierungsprojekte soll der Einstieg innerhalb weniger Tage möglich sein. Ziel ist es, bereits nach 48 Stunden erste Materialtransporte produktiv abzubilden.

Auch softwareseitig setzt Pikes bewusst auf Flexibilität. Das System arbeitet mit einer eigenen Lagerlogik und kann freie Flächen dynamisch als Lagerbereiche definieren. Produktionsumgebungen lassen sich dadurch schnell anpassen, ohne physische Umbauten vornehmen zu müssen.

Im Gespräch wird deutlich, dass gerade diese Kombination aus mobiler Robotik, Softwaresteuerung und Infrastrukturfreiheit großes Potenzial für die Zukunft der Produktionslogistik bietet.


Zwischen Vision und Serienreife

Max Meister hinterfragt dabei bewusst kritisch die wirtschaftliche Seite solcher Systeme. Wie viele Roboter werden tatsächlich benötigt? Welche Leistungen sind realistisch? Und wie belastbar ist der Business Case im Alltag?

Genau diese Offenheit macht die Episode besonders spannend. Kevin Mahler spricht transparent über Entwicklungsstand, Pilotprojekte und die Herausforderungen auf dem Weg zur Serienreife. Die Roboter befinden sich aktuell im produktiven Testeinsatz und sollen bis Ende des Jahres marktreif sein.

Dabei wird klar: Robotik in der Intralogistik ist längst kein Zukunftsthema mehr. Die entscheidende Frage lautet heute vielmehr, wie flexibel, wirtschaftlich und schnell sich Automatisierung in bestehende Produktionsumgebungen integrieren lässt.


Reinhören lohnt sich!

Wer sich für autonome Intralogistik, Produktionsversorgung, mobile Robotik und flexible Lagerkonzepte interessiert, sollte diese Folge unbedingt hören.

Das Gespräch liefert ehrliche Einblicke in die Entwicklung neuer Logistiktechnologien – praxisnah, kritisch und mit klarem Fokus auf den Mittelstand.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Robotik in der Intralogistik: Wie Pikes die Produktionslogistik neu denkt weiterlesen

Zukunft der Logistik: Warum Szenarien, KI und Robotik über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden

Max Meister im Gespräch mit Timo Landener, Leiter Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit bei Körber Supply Chain GmbH.

Die Zukunft der Logistik steht im Mittelpunkt dieser Episode von „Max und die Supply Chain Helden“. Max Meister spricht mit Timo Landener, Leiter Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit bei Körber, über Zukunftsforschung als unternehmerisches Werkzeug – und warum sie weit mehr ist als das Lesen von Trendreports.

Timo Landener macht früh deutlich: Zukunft entsteht nicht durch das Konsumieren von Trends, sondern durch deren aktive Weiterentwicklung. Unternehmen müssen lernen, aus bestehenden Entwicklungen konkrete Szenarien abzuleiten und diese kritisch zu diskutieren. Genau hier beginnt strategische Arbeit – nicht bei der Prognose, sondern bei der bewussten Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften.


Szenarien statt Prognosen: Der neue Umgang mit Unsicherheit

Ein zentraler Gedanke des Gesprächs ist die Abkehr von linearem Denken. Zukunft ist nicht vorhersagbar, aber gestaltbar. Timo Landener beschreibt, wie Unternehmen aus Trends verschiedene Zukunftsbilder entwickeln, Wahrscheinlichkeiten zuweisen und daraus strategische Entscheidungen ableiten.

Diese Szenarien eröffnen sogenannte Handlungsräume. Sie ermöglichen es Unternehmen, bewusst zu entscheiden, ob sie in Technologien investieren, abwarten oder alternative Wege gehen. Besonders relevant: Diese Auseinandersetzung schafft etwas, das vielen Organisationen fehlt – Optimismus und Handlungssicherheit.


Disruption durch Robotik: Der wahre Gamechanger

Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist die Rolle humanoider Robotik in der Zukunft der Logistik. Während der öffentliche Diskurs stark auf spektakuläre Fähigkeiten fokussiert ist, differenziert Timo klar: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Gesamtsystem, sondern im Detail – konkret in der Greiftechnik.

Die sogenannte „Dexterity Gap“, also die fehlende Feinmotorik von Robotern, ist aktuell der limitierende Faktor. Wer dieses Problem löst, wird laut Timo zum Gamechanger der gesamten Branche. Gleichzeitig warnt er vor überhöhten Erwartungen: Die technologische Entwicklung ist real, aber langsamer als der Hype suggeriert.

Besonders spannend ist der Gedanke des kollektiven robotischen Lernens. Einmal erlernte Fähigkeiten können global skaliert werden – ein exponentieller Vorteil gegenüber menschlichem Lernen.


KI als Disruptor im Management

Neben der physischen Automatisierung diskutieren die beiden intensiv die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf wissensbasierte Arbeit. Die These: Während klassische operative Tätigkeiten stabil bleiben könnten, steht insbesondere das Middle Management vor massiven Veränderungen.

KI wird zunehmend in der Lage sein, komplexe Analysen, Innovationsvorschläge und Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Das verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Machtstrukturen in Unternehmen. Entscheidungen könnten künftig stärker daten- und modellbasiert getroffen werden – mit Auswirkungen auf Rollen, Verantwortung und Führung.


Reinhören lohnt sich!

Die Episode macht deutlich, dass die Zukunft der Logistik nicht durch einzelne Technologien entschieden wird, sondern durch die Fähigkeit von Unternehmen, systemisch zu denken, Unsicherheit auszuhalten und aktiv Handlungsräume zu nutzen.

Wer Trends nur beobachtet, wird reagieren müssen. Wer sie durchdenkt, kann gestalten.

Jetzt reinhören und verstehen, wie Zukunftsforschung, KI und Robotik konkrete strategische Vorteile in der Logistik schaffen können.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Zukunft der Logistik: Warum Szenarien, KI und Robotik über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden weiterlesen

Lieferkettenresilienz im B2B: Wie Digitalisierung, Daten und Erfahrung Krisen beherrschbar machen

Max Meister im Gespräch mit Nicole Ohlmann, Studentin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Die Lieferkettenresilienz im B2B steht im Mittelpunkt dieser besonderen Podcastfolge – diesmal mit vertauschten Rollen: Max Meister wird von Studentin Nicole Ohlmann interviewt. Ausgangspunkt ist ihre Masterarbeit über digitale Plattformen und deren Beitrag zur Resilienz von Supply Chains. Daraus entsteht ein tiefgehendes Gespräch über reale Herausforderungen, technologische Lösungen und die Grenzen von Automatisierung.

Max Meister, Co-CEO von Ludwig Meister, gibt dabei praxisnahe Einblicke in die Steuerung eines komplexen technischen Großhandels mit Millionen von Artikeln und tausenden Kunden. Besonders deutlich wird: Die Sicherstellung von Verfügbarkeit bei gleichzeitig wachsender Volatilität ist eine der zentralen Herausforderungen moderner Lieferketten.


Zwischen Automatisierung und Realität: Was in Krisen wirklich zählt

Ein zentrales Learning der Episode ist der Umgang mit globalen Disruptionen. Ob Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg oder geopolitische Spannungen – jede Krise wirkt anders auf die Supply Chain. Während Covid-19 massive und unvorhersehbare Lieferausfälle verursachte, waren andere Ereignisse eher preistreibend als versorgungsgefährdend.

Besonders spannend: Ludwig Meister setzt auf eine hochautomatisierte Bestandsplanung, die bereits frühzeitig Veränderungen erkennt – teilweise noch bevor diese im Markt sichtbar werden. Diese datengetriebene Steuerung erwies sich als klarer Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig wird aber auch klar: In akuten Krisensituationen bleibt manuelles Eingreifen, insbesondere in der Kommunikation mit Lieferanten und Kunden, unverzichtbar.


Digitale Integration als Fundament der Lieferkettenresilienz im B2B

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der digitalen Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Über EDI, APIs und Plattformen wie SAP, Ariba oder Coupa ist Ludwig Meister tief in die Systeme seiner Kunden und Lieferanten integriert. Ziel ist es, Prozesse zu automatisieren und skalierbar zu gestalten – ohne proportional steigenden Personalaufwand.

Doch trotz hoher Digitalisierung bleibt eine Herausforderung bestehen: mangelnde Standardisierung. Unterschiedliche Artikelbezeichnungen und fragmentierte Datenstrukturen führen zu erheblichem Aufwand in der täglichen Praxis. Hier sieht Max Meister großes Potenzial für zukünftige Innovationen.


Blick nach vorn: Daten, KI und Transparenz

Für die Zukunft sieht Max Meister vor allem drei Hebel zur weiteren Stärkung der Lieferkettenresilienz im B2B: bessere Transparenz entlang der Supply Chain, datenbasierte Risikoanalysen – zunehmend auch mit KI – sowie standardisierte Datenstrukturen. Ergänzt wird dies durch wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit und CO₂-Transparenz.


Reinhören lohnt sich!

Die Episode zeigt eindrucksvoll, dass technologische Systeme heute bereits einen enormen Beitrag leisten – aber erst in Kombination mit Erfahrung, Kommunikation und strategischem Denken ihre volle Wirkung entfalten.

Wer verstehen möchte, wie moderne Unternehmen ihre Lieferketten resilient gestalten und welche Rolle digitale Plattformen dabei spielen, sollte diese Episode unbedingt anhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Lieferkettenresilienz im B2B: Wie Digitalisierung, Daten und Erfahrung Krisen beherrschbar machen weiterlesen

Simulation in der Logistik: Warum KI ohne digitale Zwillinge nicht auskommt

Max Meister im Gespräch mit Prof. Dr. Stefan Galka, Professor an der Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg).

Simulation in der Logistik ist weit mehr als ein theoretisches Werkzeug – sie bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen in komplexen Supply-Chain-Systemen. In dieser Episode spricht Max Meister mit Prof. Dr. Stefan Galka über den aktuellen Stand von Simulation, digitalen Zwillingen und den realistischen Einsatz von KI in der Intralogistik.

Dabei wird schnell klar: Trotz wachsender KI-Fähigkeiten bleibt Simulation unverzichtbar. Gerade in dynamischen Logistiksystemen mit vielen Wechselwirkungen lassen sich Entscheidungen nicht allein analytisch oder durch KI-Modelle treffen. Simulation schafft hier Transparenz, indem sie reale Prozesse datenbasiert abbildet und Szenarien überprüfbar macht.


Digitale Zwillinge in der Simulation in der Logistik: Anspruch und Realität

Ein zentrales Thema ist der digitale Zwilling – ein Begriff, der häufig inflationär verwendet wird. Stefan Galka differenziert klar: Ein echter digitaler Zwilling ist ein lebendes Modell, das kontinuierlich mit realen Daten gespeist wird und aktiv in Entscheidungsprozesse eingreift.

Die Herausforderung liegt weniger im initialen Aufbau, sondern im dauerhaften Betrieb. Viele Modelle verschwinden nach einmaliger Nutzung „in der Schublade“. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst, wenn Simulationen kontinuierlich aktualisiert werden und jederzeit einsatzbereit sind.


Simulation in der Logistik und KI: Warum beide Technologien zusammengehören

Ein besonders spannender Aspekt der Folge ist das Zusammenspiel von Simulation und KI. Simulation in der Logistik wird hier zum Trainingsumfeld für sogenannte Reinforcement-Learning-Agenten. Diese lernen, Entscheidungen – etwa zur Auftragsverteilung oder Routenoptimierung – anhand von Feedback zu verbessern.

Ohne Simulation wäre dieses Training in der Praxis kaum möglich, da reale Systeme nicht schnell genug genügend Daten liefern. Gleichzeitig bleibt KI eine Blackbox, während Simulation nachvollziehbar bleibt. Genau hier ergänzen sich beide Ansätze ideal: Simulation liefert Transparenz und Validierung, KI Geschwindigkeit und Skalierbarkeit.


Daten sind entscheidend – aber nicht ausreichend

Ein weiterer wichtiger Punkt: Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Auch bei umfangreichen Tracking- und Prozessdaten bleibt die Modellierung komplex. Einflussfaktoren wie Mitarbeiterverhalten oder Materialeigenschaften müssen berücksichtigt werden, sonst bleiben Prognosen ungenau.

Das zeigt: Der Einsatz von Simulation und KI erfordert nicht nur Daten, sondern vor allem ein tiefes Prozessverständnis und klare Zieldefinitionen.


Praxisrelevanz: Wo Simulation echten Mehrwert liefert

Simulation entfaltet ihren größten Nutzen dort, wo Systeme komplex und schwer berechenbar sind – etwa bei der Dimensionierung von fahrerlosen Transportsystemen oder bei der Bewertung von Investitionsentscheidungen.

Ein klarer Take-away für Unternehmen: Simulation lohnt sich besonders dann, wenn Unsicherheit, Wechselwirkungen und hohe Investitionen zusammentreffen.


Exkurs: Seilbahnen als unterschätzte Transportlösung

Zum Abschluss wird es überraschend praxisnah: Stefan Galka gibt Einblicke in ein Forschungsprojekt zu urbanen Seilbahnen als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Auch hier spielt Simulation eine zentrale Rolle – etwa bei der Analyse von Kapazitäten, Wartezeiten und Netzstrukturen.

Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig Simulation eingesetzt werden kann – weit über klassische Lager- und Produktionssysteme hinaus.


Reinhören lohnt sich!

Simulation bleibt ein zentrales Werkzeug der Logistik – nicht trotz, sondern gerade wegen KI. Wer fundierte Entscheidungen treffen und neue Technologien sinnvoll einsetzen will, kommt an ihr nicht vorbei.

Jetzt reinhören und verstehen, wie Simulation und KI gemeinsam die Zukunft der Logistik gestalten.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Simulation in der Logistik: Warum KI ohne digitale Zwillinge nicht auskommt weiterlesen

Automatisierung in der Intralogistik: Wie cellumation den Materialfluss neu denkt

Max Meister im Gespräch mit Theresa Gröninger, Head of Business Development und Marketing bei cellumation.

Der celluveyor in der Intralogistik steht im Mittelpunkt dieser Podcastfolge von „Max und die Supply Chain Helden“. Max Meister spricht mit Theresa Gröninger, Head of Business Development und Marketing bei cellumation, über eine Technologie, die klassische Fördertechnik neu interpretiert. Im Gespräch wird schnell deutlich: Hinter dem auffälligen Messe-Motto „Bier ab 4“ auf der LogiMAT steckt weit mehr als nur Marketing – nämlich ein innovativer Ansatz zur Automatisierung komplexer Materialflussprozesse.

Der sogenannte celluveyor basiert auf einer modularen Oberfläche aus hexagonalen Roboterzellen. Jede dieser Zellen verfügt über omnidirektionale Räder, die Objekte in nahezu jede Richtung bewegen können. Im Gegensatz zur klassischen Fördertechnik, die meist linear aufgebaut ist, erlaubt dieses System Bewegungen in alle Richtungen. Dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten für Sortierung, Vereinzelung, Zusammenführung oder Ausrichtung von Produkten.


Vom linearen Förderband zum dynamischen Materialfluss

Theresa Gröninger beschreibt die klassische Fördertechnik anschaulich als „Super-Mario-Spiel“: Produkte bewegen sich meist nur vorwärts und benötigen zusätzliche Komponenten für Richtungswechsel. Der celluveyor in der Intralogistik verwandelt diesen linearen Ansatz dagegen in ein „FIFA-Spiel“, bei dem Objekte frei auf einer Fläche gesteuert werden können.

Ein entscheidender Vorteil liegt in der Flexibilität. Mehrere Ein- und Ausgänge können auf derselben Oberfläche realisiert werden. Zudem lassen sich Materialflüsse softwareseitig anpassen – sogar während des Betriebs. Dadurch eignet sich die Technologie besonders für Anwendungen mit hoher Komplexität, etwa bei Sortierprozessen, der Vereinzelung großer Mengen oder der Vorbereitung von Palettenlagen.


Kamera, Software und KI als nächste Evolutionsstufe

Besonders leistungsfähig wird der celluveyor durch die Integration von Kameratechnologie. Eine 3D-Time-of-Flight-Kamera erkennt Objekte anhand ihrer Konturen und übergibt diese Informationen an die Software. So können Bewegungen präzise gesteuert und auch asymmetrische oder schwer ausbalancierte Güter zuverlässig transportiert werden.

Das eröffnet zusätzliche Anwendungsfelder: von hochperformanter Paketvereinzelung mit bis zu 10.000 Einheiten pro Stunde bis hin zu komplexen Palettierprozessen. Gleichzeitig arbeitet cellumation daran, weitere Funktionen zu integrieren – etwa Volumenmessungen oder zusätzliche Datenservices direkt über das System.


Vom Startup zur globalen Automatisierungstechnologie

cellumation wurde 2017 gegründet und hat inzwischen über 300 Systeme weltweit im Einsatz. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Nach ersten Pilotprojekten bremste die Corona-Pandemie das junge Unternehmen zunächst aus. Gleichzeitig nutzte das Team diese Zeit, um Technologie und Produktionsprozesse weiter zu stabilisieren.

Heute expandiert cellumation international – unter anderem mit einer neuen Präsenz in den USA. Besonders spannend: In Märkten mit hohen Arbeitskosten und großer Automatisierungsbereitschaft entstehen derzeit neue Einsatzfelder für den celluveyor.


Reinhören lohnt sich!

Ein zentrales Learning aus der Wachstumsphase: Kunden müssen zunächst verstehen, welche Möglichkeiten eine neue Technologie eröffnet. Deshalb sieht sich cellumation nicht nur als Anbieter von Automatisierung, sondern auch als Vermittler neuer Materialflusskonzepte.

Die wichtigste Frage lautet dabei nicht: „Welche Technik brauchen wir?“ – sondern: „Welches Problem wollen wir lösen?“

Wer wissen möchte, wie innovative Fördertechnologien den Materialfluss flexibler, kompakter und effizienter machen können, sollte unbedingt in diese Episode von „Max und die Supply Chain Helden“ reinhören.

Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen für Wunschthemen immer gerne unter max@supplychainhelden.de

 

 

Automatisierung in der Intralogistik: Wie cellumation den Materialfluss neu denkt weiterlesen