Geht E-Commerce Logistik auch ohne Karton und Verpackungsmüll?

Max im Gespräch mit Dr. Josef Haid, Gründer und CEO Pick8ship AG, Zürich

Mehrweg Logistik oder Circular Economy sind die Themen denen sich Dr. Josef Haid mit seiner vor knapp 2 Jahren gegründeten Firma angenommen hat.

Einfach gesagt, geht es darum ob und wie sich die noch üblichen Kartonage Verpackungen und der mit ihnen verbundene Müll in Zukunft vermeiden lässt. Ein wichtiges und angesichts wachsender Anstrengungen der Regierungen neue Regularien in Sachen Verpackungsmüll zu erlassen auch richtungsweisendes Unterfangen.

Dabei geht es nicht nur um die Mehrweg Verpackungen, Smart Box genannt, sondern um das gesamte System. 40 – 60 Handlingsschritte hat Pick8ship in der Analyse heute üblicher Versandsystematiken festmachen können. Ist es nötig täglich bis zu 10 Millionen Pakete in Deutschland 5 – 10 mal von Hand zu stapeln? Gibt es kein besseres System Pakete in einen Lieferwagen zu laden? Diese und weitere Fragen will Dr. Josef Haid mit dem von ihm und seinem Team von Pick8ship entwickelten Kreislaufsystem nachhaltig beantworten.

Im Gespräch mit Max erläutert Dr. Haid die Beweggründe, erklärt die Struktur und die potentiellen Vorteile des Systems und gibt Einblick in den momentanen Stand und weitere Entwicklungsziele. 

Viel Freude beim Hören.

 

Transskript

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MAX: (Musik)

Willkommen zu Max und die Supply Chain Helden, deinem Unternehmerpodcast zum Thema Einkauf und Logistik im digitalen Wandel. Interviews und Erkenntnisse von und mit Profis aus dem Bereich Supply-Chain-Management. Ganz ohne Beratermission. Ich bin Max Meister und Familienunternehmer in dritter Generation.

Willkommen, zu „Max und die Supply Chain Helden“. Heute habe ich Dr. Josef Haid zu Gast. Er ist Gründer und Geschäftsführer von der Firma Pick8ship. Bei der Firma geht es da drum, mit einem Mehrwegbehältersystem die Paketlogistik zu vereinfachen und zu verbessern. Und ich finde, das ist ein tolles Beispiel, auf welche Ansätze man kommt, wenn man nicht nur immer versucht, das Bestehende zu optimieren, sondern einfach mal sagt: Mensch, jetzt denken wir mal das ganze System neu. Und ich glaube, das hat durchaus Potential. Mich würde es freuen, weil es für kleinere und mittlere Betriebe auch die Chance gibt, auf der letzten Meile in Zukunft zu punkten und weil es einfach sehr nachhaltig ist und auch ein paar Vorteile für die Logistik hat. Also ich glaube, die Folge ist durchaus interessant. Es ist nicht ganz einfach, das zu beschreiben, aber wir versuchen, wie immer, alles im Zweifelsfall doppelt und dreifach zu erklären. Und ich freue mich, wie immer, über Feedback und viel Spaß!

MAX: Ich sitze heute bei der Firma Pick8ship und vor mir sitzt der Dr. Josef Haid. Und aufmerksam geworden bin ich auf die Firma aufgrund von einem Vortrag auf der K5. Ich glaube, das war auch eine der Ersten, die du so gemacht hast. Bevor ich jetzt zu viel erzähle, sag vielleicht ein bisschen was zu dir, zu deiner Position und dann wollen wir gleich für deine Rolle in der Firma und die Firma einsteigen.

Dr. Josef Haid: Vielen Dank, Max, dass du nach Zürich gekommen bist. Ja, mein Name ist Josef Haid. Ich bin Gründer und der CEO der Pick8ship Technology AG, bin Unternehmer aus Zürich und bin jetzt seit eineinhalb Jahren ganz begeistert an dem Thema dran und möchte die Paketlogistik verändern.

MAX: Okay. Wir versuchen nachher mal, die Technik ein bisschen genauer zu beschreiben. Kannst du mal das Grundprinzip von eurer Alternative zur klassischen Paketlogistik erklären?

Dr. Josef Haid: Das Grundprinzip ist eigentlich, dass wir den Karton ersetzen durch eine in der Höhe flexible Mehrwegbox, die mit Auflageschienen versehen ist und damit nicht mehr gestapelt wird, sondern in den Transportwagen eingeschoben wird. Ähnlich, wie man das von dem Tablettwagen in der Cafeteria kennt.

MAX: Okay. Das heißt aber, dass dieser Wagen mit vielen Behältern in irgendeiner Form zum Abnehmer muss und dann in irgendeiner Form auch wieder zurück. (Dr. Josef Haid: Korrekt.) Das heißt, ihr arbeitet in einem Mehrwegsystem, das heißt, bleiben nur die Behälter beim Kunden und die Wägen sind Transportmechanismus? Oder wie soll das funktionieren? Wie soll das ausschauen?

Dr. Josef Haid: Das kommt auf den Anwendungsfall drauf an, also wir haben gerade vorher auch über B2B-Anwendungen gesprochen, also geschlossene Systeme. Da ist eigentlich der Transportbehälter immer in dem Transportwagen und wird zum Kunden gebracht und die leeren werden auf dem Rückweg wieder mitgenommen. In den B2C-Anwendungen, also wenn ein Paketdienstleister zum Beispiel involviert ist, ist eigentlich ein ähnlicher Prozess, dass die, die Sendungen werden eigentlich im Transportwagen transportiert, so wie das ja mit Paketen auch passiert. Der Unterschied ist nur, dass eben jede einzelne Sendung einzeln entnehmbar ist, weil sie auf einer Auflageschiene im Wagen eingeschoben ist.

MAX: Okay, also umgangssprachlich zusammengefasst liegt nicht alles auf einem Haufen und man muss rumsortieren und suchen, sondern man kann zielsicher genau die eine Sendung herausgreifen aus einem, sage ich jetzt mal, Lieferwagen beispielsweise und kann die zustellen. (Dr. Josef Haid: Korrekt.) Okay. Das Ganze ist noch immer relativ abstrakt. Jetzt machen wir es vielleicht am besten so, du hast es wahrscheinlich schon öfter erklärt, wie es funktioniert. Beschreibe doch mal, wie aus eurer Sicht heute die Logistik funktioniert und wie sie dann funktionieren könnte, wenn ihr euer System in den Markt gebracht habt.

Dr. Josef Haid: Ja. Die heutige Paketlogistik ist eigentlich dadurch gekennzeichnet, dass man sehr viele Handlingschritte hat, also, wenn man anschaut, wie ein Produkt von einem Hersteller zu mir nach Hause kommt, wir haben das mal genau analysiert und aufgeschrieben, dann hat man eigentlich 40 Handlingschritte, wie wir das nennen. Das heißt eigentlich, dass ein Produkt zum Beispiel bei einem Hersteller das erste Mal eigentlich verpackt wird, das heißt, es wird in der Regel in einen Karton gepackt, in ein Regal eingelagert oder auf eine Palette gestapelt und eingelagert. Dann wird es zum Kunden transportiert und dabei kommt es in ein Fulfillment Center, wird dort ausgeladen, meistens noch mal händisch umgeladen in Mehrwegbehälter, wird dort dann eingelagert und wenn der Josef dann das Teil bestellt hat, dann wird es aus dem Lager rausgeholt, wird gepickt, meistens auch wieder in einem Mehrwegbehälter, wird dann konsolidiert und nachher in der Packstation in ein Paket geladen.

MAX: Das sind aber, selbst in dem Fall wäre das der Hersteller, dann der Transport zu einem Zwischenhändler beispielsweise oder ein Fulfillment Center und dann der Transport wirklich zum Endbenutzer oder zum Endkunden, in dem Fall der Josef.

Dr. Josef Haid: Korrekt, den habe ich jetzt noch gar nicht beschrieben, sondern ich habe eigentlich jetzt aufgehört in dem Moment, wo im Fulfillment Center verpackt wurde. Jetzt beginnt eigentlich der Prozess, dass es ja in der Regel nicht direkt ausgefahren wird, sondern dann einem Postdienstleister übergeben oder Paketdienstleister, geht dann erst mal in ein Sortierzentrum, wird dann auf die Strecke gebracht, noch mal ein-, zweimal sortiert und dann am Ende im Zielgebiet von Hand in einen Wagen verladen, die typischen Sprinter Vans, wie wir sie kennen, und dann bei mir zu Hause praktisch vom Paketdienst von Hand wieder gesucht im Auto und mir übergeben.

MAX: Okay. Wenn du da bist.

Dr. Josef Haid: Wenn ich da bin. Also insgesamt sind es ungefähr 40 Handlingschritte. Wenn Zwischenhändler noch dazwischen sind, könnten es auch durchaus 40 bis 60 Schritte sein. Eigentlich erstaunlich, dass das für so wenig Geld, was man heute bezahlt, für die Versendung von so einem Paket, vor allem als Großversender, dass jemand in der Lage ist, diese ganze Operation eigentlich durchzuführen.

MAX: Ja, also wenn man es sich mal anhört oder wirklich versucht, bildlich vorzustellen, sind das wirklich viele Schritte. Ich kenne ja eigentlich eher den Bereich wirklich, wenn von uns Ware das Haus verlässt und dann zum Endkunden geht. Aber man muss das Ganze natürlich wirklich ab Herstellung eigentlich betrachten. Wie ist jetzt euer Konzept, oder wie könnte das ausschauen im besten Falle und dann vielleicht würde ich gerne noch ein Szenario diskutieren. Wie könnte mit Pick8ship dieser komplizierte Prozess in Zukunft ausschauen?

Dr. Josef Haid: Also grundsätzlich ist das Pick8ship-System ja modular aufgebaut. Da kommen wir, glaube ich, auch gleich noch dazu, die einzelnen Module zu erklären. Aber es ist nicht so, dass es irgendwie einen kompletten Systemwechsel zu Beginn braucht, sondern man kann eigentlich in bestimmten Stufen damit anfangen und einsteigen. Also eine Möglichkeit ist zum Beispiel in der Citylogistik zu starten, also wenn die, ich sage jetzt mal, ein dicht genuges Liefergebiet ist und man auch ein genug großes Volumen hat, dass es sich lohnt nicht nur mit einem Paket und einem Fahrrad loszufahren, dann kann man eben, hat man eine eigene Sortierfähigkeit auf der letzten Meile ohne eine große Sortieranlage zu bauen, weil typischerweise Sortierzentren brauchen einfach eine gewisse Größe und eine große Installation, um eigentlich zum Beispiel auf 30, 40 Schütten sortieren zu können, also verschiedene Liefergebiete. Mit Pick8ship kann man das wesentlich einfacher machen, weil man im Zweifel eigentlich den Wagen, den man sozusagen sortieren will, im einfachsten Fall durch eine Gasse durchschiebt, wo die Destinationswägen rechts und links stehen und man kann eigentlich dort dann direkt von Hand umsortieren oder man setzt dann den Robo-Sort ein, der das automatisiert macht. Man braucht eben keine große verkettete Anlage dafür.

MAX: Okay, also den Vorteil verstehe ich. Gehen wir mal, wie du gerade gesagt hast, auf die einzelnen Module ein. Aus welchen Teilen besteht denn das System?

Dr. Josef Haid: Also der Kern ist der Ladungsträger. Wir nennen es die Smartbox. Das ist eigentlich ein fester Boden mit Auflageschienen und ein flexibles Oberteil, der in der Höhe variabel ist, und die Boxen haben, die große Box hat jetzt in unserem aktuellen Stand ungefähr 400 x 600 Außenmaß und dann gibt es Unterteilungen, also eine halbe Box oder eine Drittelbox.

MAX: Ah, okay, das heißt, die Grundfläche wird halbiert oder gedrittelt. (Dr. Josef Haid: Korrekt.) Und in welchen Bereichen ist die Höhe einstellbar?

Dr. Josef Haid: Die ist von vier bis 20, kann aber auch 40 Zentimeter sein.

MAX: Okay. Und das heißt, um es noch mal vielleicht auf uns zu beziehen, das heißt, der Kommissionierer kommissioniert einzelne Artikel und legt sie nicht mehr in einen Karton, der dann mit Füllmaterial belegt wird, sondern er legt sie direkt in eine, so eine Smartbox. Okay. (Dr. Josef Haid:Korrekt) Was passiert dann mit der Smartbox?

Dr. Josef Haid: Die Smartbox wird dann entweder mit einem Deckel verschlossen oder sie bleibt offen, je nach Anwendungsfall, und wird direkt in den Transportwagen geschoben. Und der Transportwagen hat alle vier Zentimeter eine Auflageschiene und je nachdem wie hoch meine Box ist, kann ich die einschieben und die nächste einfach im nächsten freien Fach oben drüber.

MAX: Okay, das heißt, ich habe optimale Volumennutzung und mache eigentlich in der Kommissionierung ein Multiorderpicking, mache mehrere gleichzeitig. Die müssen noch nicht zusammengefasst sein nach irgendwelchen Auslieferregionen. Sondern das ist ein ganz normaler Prozess, wie es in der klassischen Kommissionierung ist. Und dann haben wir den Transportwagen irgendwann gefüllt. Wie viele Kisten passen da im besten Fall rein von den niedrigen?

Dr. Josef Haid: Wir rechnen so mit, je nach Größe vom Wagen, irgendwo zwischen 30 und 60 Sendungsboxen, die pro Wagen Platz haben.

MAX: Und was passiert dann mit dem vollgefüllten Transportwagen dann?

Dr. Josef Haid: Der Transportwagen wird dann entweder in die Sortierung geführt, wenn man jetzt noch die Sortierung machen möchte, und das würde dann im Prinzip so ablaufen, dass man den gepickten Wagen nimmt, der Sortierroboter nimmt den auf und fährt dann eben durch eine Reihe von leeren oder halb gefüllten Wägen, die dann entweder Postleitzahlengebiete sind, einzelne Kunden. Das kann man eigentlich dynamisch definieren über die Software, welches Zielgebiet das ist und wie groß das ist, und kann dann die einzelnen Sendungen dort einschieben.

MAX: Okay. Und am Ende entweder ist das sortiert oder am Anfang schon richtig bereitgestellt oder zusammengesammelt, hat man, sage ich mal, vier, fünf solcher Wägen und die werden dann optimaler Weise in einen Lkw oder in einen in Österreich einen Sprinter oder Lieferwagen einsortiert?

Dr. Josef Haid: Korrekt. Es kann aber auch ein Lastenrad sein, wo wir einen großen Fokus auch drauf legen. Und der Vorteil ist, dass ich eben nicht einzelne Pakete laden muss, sondern den ganzen Wagen reinschieben kann oder, wie gesagt, einfahren kann und ich auch dann im Fahrzeug oder im Lastenrad jedes einzelne ohne umstapeln wieder entnehmen kann, für die Lieferung.

MAX: Also, jeder, der in München mal zugeschaut hat, was die Zusteller alles machen müssen, kann sich sofort vorstellen, dass das auch ein zeitlicher Vorteil ist. Das Handling von so einem Transportwagen, der dürfte ja relativ schwer sein, das soll aber schon noch so sein, dass das alles von Menschenhand ohne zusätzliche Hilfsmittel gemacht werden kann?

Dr. Josef Haid: Ja, das ist eigentlich vergleichbar mit den heutigen Gitterwagen, die ja eingesetzt werden. Das ist eigentlich die gleiche Technik, sind auch die ähnlichen Maße. Unsere Trolleys sind in der Regel eine Halbpalettengröße. Also es sind zweier, es sind zweimal 400 (MAX: 600 mal 800.) Genau, zweimal 400 x 600, korrekt.

MAX: Okay, das heißt, das Lastenfahrrad, um das einfachere Beispiel zu nehmen, fährt dann in das Zielgebiet. Und wie geht es dann konkret weiter?

Dr. Josef Haid: Im Zielgebiet hat der Fahrer eigentlich dann über eine Software gesteuert eigentlich seine Ablieferpunkte, wo er Ware hinbringt und hat damit auch die Unterstützung, welche Box er zu entnehmen hat. Also idealerweise durch ein Pick-by-Light-System, was ihn dann eigentlich die nächste Box anzeigt, die er entnehmen muss und dann ausliefert. Und bei der Auslieferung ist vielleicht noch wichtig, dass es einfach die zwei Möglichkeiten gibt, entweder übergibt er die Box mit der Ware oder der Kunde, also ich würde zum Beispiel die Box nicht unbedingt haben wollen, sondern würde die Produkte direkt entnehmen und würde ihm vor allen eine Rücksendung gerne wieder mitgeben, weil das heute der mühsamste Prozess ist, dass sich das eigentlich immer extra jemand bestellen muss oder auf die Post oder Paketstation oder Paketshop gehen muss, um diese Rücksendung aufzugeben oder auch Neusendung. Und die kann er in dem Fall direkt in der Box wieder mit zurücknehmen.

MAX: Also, auch das kann ich mir gut vorstellen, dass das ein großer Vorteil ist. Bevor wir zu dem Thema Software kommen, würden mich allgemein noch mal neben der sozusagen Einsparung von bis zu 40 Handlingschritten in der Supply Chain, würde mich interessieren, was sind denn konkrete Vorteile von eurem System? Und von der Art, wie die Produkte zum Kunden transportiert werden?

Dr. Josef Haid: Also ich glaube, dass das erste und wichtige ist einfach, dass der gesamte Prozess extrem vereinfacht und auch beschleunigt wird. Zum Zweiten, dass wir den ganzen Verpackungsmüll massiv reduzieren oder ganz einsparen können, was unter anderem daran liegt, dass wir die Mehrwegbox haben, aber auch dass eben die Boxen nicht rumgeworfen oder unsanft behandelt werden in der Sortieranlage, weil die eigentlich immer eingeschoben sind in den Wagen und nur von Wagen zu Wagen praktisch bewegt werden in der Horizontalen. Und damit brauche ich viel weniger Verpackungsmaterial.

MAX: Das heißt, und Füllmaterial, weil die Kräfte, die auf das Paket einwirken einfach nicht vorhanden sind, sondern es wird einfach ein ganzer Wagen transportiert, die Geschwindigkeiten sind niedriger. Also das ist mit Sicherheit nachvollziehbar. Und habt Ihr auch sozusagen noch Services drum herum euch überlegt? Also wie beispielsweise Zustellung, wenn niemand zu Hause ist oder irgendwie Sammelzustellungen oder ähnliches?

Dr. Josef Haid: Ja, also wir denken, dass das auch an Bedeutung stark zunehmen wird, weil eben das Problem ist, dass die Kunden ja in den seltensten Fällen zu Hause wirklich anzutreffen sind. Und man weiß es aus eigener Erfahrung, dass dieses Handling auch der sehr flexiblen Lieferfenster da eigentlich sehr nutzlos ist, weil, was ich gestern ausgemacht habe, sieht morgen sowieso wieder anders aus. Weil der Tagesablauf ja nicht so fix ist. Und deshalb sind die Multi-, sondern die Multi-Drop-Lösungen sehr wichtig und dazu eignen sich natürlich die Wägen extrem, weil zum Beispiel für ein Bürogebäude oder für eine Firma oder für einen Paketshop ich natürlich einen ganzen Wagen direkt abliefern kann und damit nicht einzelne Pakete eintragen muss.

MAX: Also, das kann ich mir auch gut vorstellen, weil sozusagen einfach, wenn ich abends nach Hause komme und da steht ein ganzer Wagen und ich nehme aus Fach drei und vier die Ware raus und im Zweifelsfall würde sie am nächsten Tag einfach wieder ausgetauscht. Ich glaube, dass heutzutage schon solche Massen zugestellt werden sozusagen direkt an den Kunden, dass es durchaus sinnvoll ist und dass der Bedarf dann mit Sicherheit steigt. Welche Rolle spielt der Softwarebereich? Du hast vorhin kurz Pick-by-Light und Routenoptimierung gesagt. Was ist da insgesamt geplant?

Dr. Josef Haid: Also grundsätzlich ist die Software natürlich zentral für die Steuerung a) der Verwaltung von den Mehrwegbehältern und auch der Steuerung vom Packprozess und vom Sortierprozess und das ist genau der Bereich, wo wir starten, dass wir eigentlich die einzelnen Softwareelemente, die wir brauchen, a) zum Füllen und Verwalten von Behältern und Wagen, ist eigentlich der erste Schritt, an dem wir jetzt arbeiten. Und der zweite Schritt ist der Sortierroboter, also für den Sortierprozess. Und in den anderen Bereichen, wenn es an Lieferungen geht, werden wir relativ stark mit bestehenden Angeboten oder Softwarepaketen auch zusammenarbeiten beziehungsweise uns in der Regel sowie auch im Lagerbereich oder von der Inboundlogistik natürlich abstimmen, was der jeweilige Kunde dann im Betrieb hat. Aber die Hauptidee ist eigentlich, dadurch dass wir einen standardisierten Ladungsträger haben, der Mehrweg ist und auch eindeutig identifizierbar ist über einen Chip, dass ich damit auch den Prozess eigentlich ganz anders steuern kann, als ich es heute kann, da ich ja zudem sozusagen keinen Stapel habe, wo nicht klar ist, wo ein Paket liegt, sondern ich habe direkt eine Box, die in einer identifizierten Auflageschiene ist, kann ich sie immer direkt zuordnen und auch im Handling genau steuern und auch wieder genau entnehmen.

MAX: Also, als ich das erste Mal von diesem System gehört habe, war mein erster Gedanke: Oh Gott, heute schicken wir Pakete rum, in Zukunft sollen wir ganze Regale rumschicken. Aber eigentlich muss man es tatsächlich andersrum sehen und sagen: Dadurch, dass ich eben keine Stapelarbeiten mehr habe und wirklich nur einzelne Boxen entnehme und zielgenau zustellen kann, habe ich doch einen Vorteil. Also, das war mir, als ich das erste Mal das gesehen habe, nicht ganz klar. Also ich kann mir das tatsächlich gut vorstellen. Jetzt ist es so aus meiner Sicht, ich bräuchte eine relativ hohe Masse an Sendungen oder eine hohe Durchdringung in einem speziellen Postleitzahlenbereich, wenn ich wirklich an den Endkunden denke. Das wird jetzt vielleicht nicht gerade der erste Schritt sein bei der Firmenentwicklung. Jetzt würde mich interessieren: Was für Szenarien habt ihr denn so, ja, mittelfristig auch geplant, um zu sehen, wo kann sich das besonders gut durchsetzen?

Dr. Josef Haid: Ja, also grundsätzlich ist noch wichtig, ich möchte noch mal drauf eingehen, dass es eigentlich nicht ein Systemwechsel in einem Schritt sein muss. Also selbst auch zum Beispiel ein Postdienstleister kann problemlos in den aktuellen Fahrzeugen ein oder zwei Pick8ship-Wägen, genauso wie er Kartons mitnimmt, mitnehmen. Wenn er natürlich Sortierfähigkeit haben will, dann muss er eine gewisse Menge zumindest, dass es für einen kleinen Sortierroboter reicht, wenn er das nicht von Hand am Anfang sortieren will. Also man kann das durchaus sehr schrittweise eigentlich aufbauen. Du fragst mich nach sozusagen den Anwendungsfällen oder Szenarien, die uns interessieren. Und grundsätzlich ist eigentlich, interessiert uns alles das, wo nicht eine komplette Palette eigentlich geliefert wird. Also überall, wo wir kleinere Mengen, also Paket oder eine gewisse Anzahl von Paketen irgendwo hinbringen wollen. Also wo es nicht um Bulk Shipment sozusagen geht, sondern einfach einzel Shipments, das ist der Bereich, der uns interessiert. Und wir sehen nicht nur den, sozusagen die Paketlogistik, sondern wir sehen auch Nachfüllprozesse im traditionellen Handel. Ich gucke zum Beispiel sehr intensiv den Lebensmittelbereich an, wo Supermärkte, der ganze Nachschub heute auch sehr manuell abläuft. Und in der Regel viel Ineffizienzen im Prozess drinstecken. Da können wir spannende Dinge tun, vor allem auch in der Kombination zwischen Nachschub von dem traditionellen Laden und ECommerce-Geschäft. Das ist und wir sehen ja stark auch eine Regionalisierung vom Fulfillment. Das ist ein spannendes Anwendungsfeld für uns, also Lebensmittelhandel ist ein großes Thema, Fashion ist ein spannender Bereich. Wir haben Sportschuhe und Sportbekleidung angeschaut, extrem spannend, weil dort viel Karton mit einem Schuhkarton plus einem Transportkarton immer im Einsatz ist. Hier können wir ganz spannende Dinge tun. Wir sind dort auch im Lebensmittel und auch bei den Schuhen in dem Bereich, wo wir eigentlich in die Inboundlogistik schon reingehen, also dass Hersteller eigentlich bereits Ware im Pick8ship-System anliefern und damit eigentlich der ganze Lagerprozess massiv vereinfacht wird und sich einfach automatisieren lässt. Dann haben wir eigentlich alle Kategorien, die kleinverpackt und nicht zu schwer sind, sind eigentlich spannende Sachen für uns. Also das können Apothekenartikel, oder es können Beauty sein, Drogerieartikel, eigentlich die verschiedensten Artikel, die klein genug sind und sozusagen bei uns reinpassen.

MAX: Ich habe jetzt gerade an den Pharmahandel gedacht, weil da ist es ja wirklich so, haben ja heute eigentlich auch schon Mehrwegsysteme und relativ kontinuierliche Zustellzyklen, da könnte ich mir das gut vorstellen, dass man da auch sozusagen Tourenplanung optimiert und dann die Zeiten reduziert, die der Zusteller vor Ort eben benötigt.

Dr. Josef Haid: Ja, es ist, also gerade das ist ein ganz interessanter Bereich, weil dort werden Mehrwegboxen eingesetzt, aber es ist eben dort so, dass erstens die Boxen in der Regel halb voll sind, wenn überhaupt, dann sind sie immer übereinander gestapelt, das heißt, ein permanentes Umstapeln auch im Fahrzeug und wenn ich mir denke, als Apotheker oder auch als Drogerie, Parfümerie, Entschuldigung, wenn ich dann so einen Stapel mit Paketen oder so einer Mehrwegbox bekomme, bis ich die im Laden dann umhergefahren, umsortiert, ausgepackt habe, ist alles ein mühsamer Prozess, da wäre eigentlich so ein Pick8ship-Wagen mit schön sortierten einzeln herausnehmbaren Fächern beziehungsweise Sendungsboxen extrem spannend auch zum Einsortieren nachher.

MAX: Das heißt, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe das System, ich bin eine Apotheke, ich bekomme von sozusagen dem Lieferanten ein so einen ganzen Wagen zugestellt, davon wäre ein Teil, vielleicht dispositive Ware, die ich sowieso brauche, die könnte ich dann auch meiner Logistik wieder zuführen und der andere Bereich, der auf Kundenbestellungen beispielsweise wirklich nur speziell angefordert wurde, der bleibt gleich in dem Wagen drinnen und ich könnte sagen, wenn der Kunde kommt, dann kriegt der Josef genau das Produkt, das er braucht aus Behälter 18 im Wagen drei. Und dann würde ich mir eigentlich die ganze Wareneingangslogistik sparen.

Dr. Josef Haid: Absolut. So denkbar, ganz spannender Fall. Ja.

MAX: Okay. Also, da glaube ich, gibt es viele Geschäftsmodelle die man da durchdenken kann und viele Anwendungsfälle. Was mich jetzt noch so ein bisschen interessieren würde, ist: Wo steht ihr heute? Was sind so die nächsten Schritte? Und wo kann ich, wenn ich Glück habe, den ersten Wagen mir anschauen?

Dr. Josef Haid: Ja, also grundsätzlich haben wir, wir haben ja gestartet das Konzept zu entwickeln, haben Patente angemeldet eigentlich auf die verschiedenen Elemente von den Boxen, dem Sortierprozess und auch von, wir haben für den Transport auch noch für den Van sozusagen noch eine Lösung gemacht, dass man da nicht im Auto suchen muss. Kann man auch auf unserer Website auf dem Video anschauen. Es ist auch (MAX: Das verlinke ich gerne.), ist auch auf der K5-Presentation ist sogar noch erläutert, das Video noch ein bisschen erklärt. Und wir haben die ersten Prototypen Anfang Jahr getestet, das war sozusagen noch die Version 1.0, haben wir verschiedene Ladungstests gemacht und haben eigentlich festgestellt, dass die erwarteten Einsparungen, die wir haben, a) beim Packen, aber auch beim Sortieren, durchaus realistisch sind, sehr hoch waren. Wir schließen gerade die Prototypen für die Version 2.0 ab, die einfach schon ein bisschen weiter sind und vom ersten sozusagen Trolley in der Version, die wir dann bauen wollen, das ist ein Transportwagen. Und das wird jetzt der nächste Schritt, dass wir die testen und danach kommt der Sortierroboter. Da haben wir das Konzept eigentlich fertig, sind kurz davor eigentlich, den Prototypenbau zu starten.

MAX: Und habt ihr schon die ersten Anwendungsfälle, die sich angemeldet haben, wenn die Trolleys und die Ladungsmittel so weit funktionieren, dass sie es testen wollen? Oder wie ist da so der Stand?

Dr. Josef Haid: Also da ist der Stand, dass wir aus verschiedenen Ecken, also aus den verschiedenen Branchen eigentlich Anfragen haben und sehr konkrete Gespräche führen. Die einen sind schon weiter, die anderen noch ein bisschen in den Anfängen. Wir hoffen, dass wir da für den Herbst die ersten Pilote starten können und das sind dann in der Regel Ladungstests, wo wir eigentlich sozusagen den Product-Market Fit für den Kunden eigentlich machen, dass die Behälter in der Funktionalität passen und auch der Trolley und dann eigentlich immer mit kleinen, entweder mit einem Auslieferungsfall oder mit einem internen Lieferungsfall starten für den Test und dann eigentlich schrittweise ausbauen.

MAX: Wie siehst du die ganzen sozusagen Lebensmittelhändler, die heute online auch schon mit eigenen Auslieferungen testen, wenn ich jetzt an Picnic schaue und ähnliches. Sind das auch irgendwann potentielle Kunden? Oder wie siehst Du das?

Dr. Josef Haid: Ach, wir würden uns natürlich über alle freuen. Picnic ist sicher einer der, die Entwicklung hat ja bei Ocado gestartet, die sozusagen eine andere Art von Lebensmitteln-Fulfillment-Center gebaut haben. Dann hat Picnic eigentlich das Milchmannkonzept, die Lieferung eigentlich aufgenommen, dass sie nur ihre Route entlang beliefern, aufnehmen, eine ganz spannende Geschichte, um die, sozusagen, die letzte Meile Kosten in den Griff zu kriegen. Aber dort wird eben immer noch mit fixen Boxen gestapelt, sozusagen, gearbeitet. In neueren Versionen wird auch schon eingeschoben. Ist ein ganz spannendes Modell.  

MAX: Okay. Was mich jetzt noch interessieren würde, ist: Das Geschäftsmodell, also ihr, sozusagen, entwickelt ja heute eigentlich eine neue Art der Logistik innerhalb oder firmenübergreifend, man kann sich das auch vorstellen, dass das für die Intralogistik zum Teil genutzt wird, wenn das wirklich mal funktioniert. Wie ist das Geschäftsmodell später von euch? Also, woran wollt ihr verdienen? In welche Richtung soll das gehen?

Dr. Josef Haid: Also grundsätzlich verkaufen wir Hardware, das heißt, wir verkaufen unsere Boxenlösungen und die Trolleys dazu, den Sortierroboter und die weiteren Elemente, die für den Robovan nachher dazu kommen. Also eigentlich ein Hardwareverkauf. Und die zweite Säule, die dann nachher an Bedeutung gewinnt, ist die Software, für die, sozusagen, für das Betreiben der Komponenten.  

MAX: Okay. Und andere Services, wie beispielsweise einfach Instandhaltung oder auch Behälterreinigung und ähnliches, ist das auch angedacht?

Dr. Josef Haid: Das ist angedacht. Die Frage ist immer, ob das der jeweilige Onlinehändler oder der Fulfillment- oder Logistikprovider selber macht. Auf jeden Fall denken wir da dran, weil das auf jeden Fall wichtig wird und sind offen, welche Servicekomponenten von uns in Zukunft dann vielleicht angeboten werden. Wir denken natürlich auch auf Produktseitig neben den Boxen und Behältern auch daran, dass zum Beispiel für Mehrweglösungen einfach in diesem Zirkularmodell, an das wir denken, auch neue, sozusagen, Hardware- und auch Softwarelösungen nötig sind, auf die wir uns konzentrieren wollen.

MAX: Ja, also super spannendes Konzept und ich würde mich total freuen, wenn das klappt, weil auf der einen Seite unterstützt das die Nachhaltigkeit allgemein, ich sage jetzt mal, im, abstrakt gesagt, Versandhandel, aber auf der anderen Seite ermöglicht es vielleicht auch ganz neue Geschäftsmodelle. Also ich denke da natürlich drüber nach, wie kann man sich differenzieren, wenn man so was angebunden hat, dann kann man vielleicht Dienstleistungen anbieten, die sonst auch für eine kleinere Firma vielleicht gar nicht möglich wären. Und deswegen, finde ich, ist das auf jeden Fall tendenziell ein tolles Modell und würde mich wirklich freuen, wenn ihr da erfolgreich sein könnt.

Dr. Josef Haid: Ja, das ist auch das Ziel, also langfristig haben wir eben diese Kreislaufwirtschaft im Auge, weil für uns wichtig ist, dass eigentlich wir wegkommen vom aktuellen Modell, wo eigentlich jeder Kauf oder jede Nutzung immer, sozusagen, von der Lieferung bis zur Mülltonne ein sehr kurzer Weg eigentlich ist. Und wir wollen zu Mehrweglösungen kommen, weil wir glauben, dass es aus Umweltsicht auch von den regulatorischen Anforderungen in den Gesetzen ein Muss wird, aber auch weil es für Unternehmen spannend sein wird, viele Prozesskosten eigentlich einzusparen und durch die neuen Modelle ganz neue Lösungen zu finden, die auch wirtschaftlich interessant sind und für die Umwelt gut sind und sinnvoll sind.

MAX: Also, meiner Meinung nach, wäre das eigentlich schon ein ganz gutes Schlusswort, weil ich das auch zu 100 Prozent unterstütze. Eine letzte Frage hätte ich noch, und zwar hast du von regulatorischen Themen gesprochen. Darauf hofft man ja nicht, aber gibt es irgendwas, was du dir wünschen würdest, oder was euer Geschäftsmodell deutlich unterstützen würde? Oder es leichter machen würde?

Dr. Josef Haid: Also ich glaube, man wird um Regularien in Bezug auf den Verpackungsmüll nicht herumkommen. Das ist ja auch mit, der Prozess ist ja schon längst, läuft ja, also die EU hat bereits hier Maßnahmen ergriffen. Finnland hat zum Beispiel jetzt eine Verpackungssteuer wollen die jetzt einführen. Also es werden verschiedene Gesetze, aber auch Lenkungssteuern eingeführt werden, weil die Situation sonst wahrscheinlich nicht in den Griff zu bekommen ist. Und das wird uns natürlich helfen.

MAX: Okay. Also dann vielen Dank und wir drücken die Daumen, dass das gut funktioniert und dass ihr schnell vorankommt.

Dr. Josef Haid: Vielen Dank. Ich freue mich dann auf ein Follow-Up.

MAX: Ja, gerne, jeder Zeit.

Links:

Ludwig Meister

Pick8ship

K5 Video Pick8ship

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