Crossover Podcast #4 – Irgendwas mit Logistik

Max im Gespräch mit Thomas Lührs und Andreas Löwe, Podcast Hosts von Irgendwas mit Logistik

„Die Mission von „Irgendwas mit Logistik“ ist es, das Thema Intralogistik zu stärken und eine Plattform zu bieten, auf der ein gezielter Austausch zu allen Themen rund um innerbetriebliche Warenflüsse stattfinden kann.“

So die Herausgeber von „Irgendwas mit Logistik über die Idee hinter ihrem Podcast. Und in der hier geteilten Ausgabe stand Max Meister den beiden Moderatoren Andreas Löwe und Thomas Lührs Rede und Antwort.

Themen sind, wie nicht anders zu erwarten, der Aufbau und das Konzept hinter den Ludwig Meister Logistik Systemen, Schwerpunkt unser Auto Store System.

Wie setzt Ludwig Meister dieses System ein und wie kommt es, dass Ludwig Meister mittlerweile auch schon Zubehör für die Auto Store Technik entwickelt hat.

Wir wünschen Euch viel Freude beim Hören. Bei Rückfragen einfach Mail an max@supplychainhelden.de

 

Transskript

Transskript/Links 

MAX: Willkommen zu „Max und die Supply Chain Helden“, Deinem Unternehmerpodcast zum Thema “Einkauf und Logistik im digitalen Wandel”. Gedanken, Erfahrungen und vor allem Erkenntnisse aus dem Bereich Supply-Chain-Management, ganz ohne Beratermission. Einfach, verständlich, eben aus Unternehmersicht. Ich bin Max Meister und wünsche Euch viel Spaß.

Ja willkommen, heute gibt es eine neue Crossover Folge. Und zwar war ich beim Andreas Löwe und Thomas Lührs im Interview. Die beiden machen zusammen mit Jens Pommering einen Logistik Podcast. Der heißt „Irgendwas mit Logistik und die Folge ist für jeden interessant, der ein bisschen wissen will, wie funktioniert die Logistik bei uns genau und vor allem wie betreiben wir unser AutoStore und warum entwickeln wir mittlerweile auch Zubehör dafür. Ich glaube man kann einiges bei der Folge mitnehmen, zum einen über Ludwig Meister, zum anderen über die AutoStore Technik. Und gerade bei dem Thema brennen wir schon mit Leidenschaft, ich glaube da machen wir ein paar Sachen eigentlich ganz cool. Wenn Ihr da Rückfragen habt, einfach an max@supplychainhelden.de  schreiben. Und ich freu mich wie immer über Feedback. Also, viel Spaß! 

ANDREAS: Ja moin und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Irgendwas mit Logistik“. Auch heute geht es wieder um irgendwas mit Logistik. Ich habe heute den Tommy bei mir, hey Thomas.

THOMAS: Ja moin, hi.

ANDREAS: Und als „Irgendwas mit Logistik“-Gast haben wir heute Max, hallo Max.

MAX: Ja hi, Servus aus München.

ANDREAS: Ja, Servus aus München. In München sagt man Servus und in Hamburg sagt man Moin. Da sind wir schon bei den ersten Unterschieden zwischen uns. Aber bevor wir über Unterschiede sprechen, wäre es vielleicht ganz cool, wenn du einmal erklärst. wer ist eigentlich Max Meister?

MAX : Ja, also freut mich, dass ich da sein kann. Mein Name: Max Meister. Ich bin Geschäftsführer und Inhaber von der Firma Ludwig Meister und ja, ich bin, glaube ich, jetzt heute hier, weil wir uns schon vor einigen Jahren für Autostore entschieden haben. Aber ja, ich bin bei uns sozusagen verantwortlich für Einkauf und Logistik und IT und deswegen vielleicht ein interessanter Ansprechpartner für den Bereich.

ANDREAS: Alle Ansprechpartner, die sagen, die machen irgendwas mit Logistik, sind natürlich prädestiniert bei uns im Podcast zu sein. Aber bevor wir über eure Logistik im Detail sprechen, vielleicht kannst du einmal noch erwähnen, was macht eigentlich die Ludwig Meister GmbH, glaube ich?

MAX: Ja genau. GmbH und Co. KG.

ANDREAS: Genau, was macht ihr da eigentlich und ja.

MAX: Ja, also wir sind ziemlich konservative Branche. Wir sind Produktionsverbindungshandel. Also das heißt, wir kaufen von Herstellern ein und verkaufen an einmal Instandhaltungsbetriebe, aber auch Herstellungsbetriebe. Und es geht Produktbereich-technisch von Kugellager bis über Dichtungen bis hin zu Hydraulik und Werkzeuge. Und wir sagen immer, wir sind eigentlich dafür verantwortlich, dass die Industrie sich darauf konzentrieren kann, was sie eigentlich machen soll und zwar forschen und entwickeln und wir kümmern uns um die Supply Chain. Vielleicht noch zwei Sätze zu unserer Größe. Wir verschicken so 600.000 Positionen im Jahr und dieses Jahr werden wir, schätze ich mal, einen Umsatz von knapp 100.000.000 Euro machen.

ANDREAS: Wow, das klingt nach einem kleinen hidden Champion, wie man das immer sagt. Es gibt irgendwie Branchen, du hast es schon gesagt, bei euch ist es auch etwas konservativ in der Branche.

MAX: Ja, da muss ich kurz reingrätschen, Entschuldigung. In dem Fall, es gibt viel, viel größere noch in unserer Branche. Ich glaube aber, dass wir ganz gut unterwegs sind und uns auch gut entwickeln. Aber es ist tatsächlich so, dass die Branche an sich, die kennt man nicht, wenn man da nicht wirklich drin ist, ja.

ANDREAS: Also ich habe null Bezug zu Kugellagern und Ähnliches, von daher ist es schwierig für mich die Branche einzuschätzen. Aber du hast es schon gesagt, ihr macht es eigentlich möglich, dass die Unternehmen sich auf das Wesentliche konzentrieren, was deren Kernkompetenz ist und zwar das Forschen und Entwickeln von Artikeln in dieser Branche und ihr kümmert euch um die Supply Chain. Das würde implizieren, dass Logistik so ein bisschen Kernkompetenz bei euch ist, ist das so? Ist das das, was euch ausmacht, die Logistik, oder gibt es da noch andere Themen, die vielleicht wichtiger sind?

MAX: Ja, also ich bin grundsätzlich der Meinung, alle, die immer darüber sprechen, dass der Webshop das Wichtigste ist und dass der Vertrieb das Wichtigste ist, das kann schon sein. Aber wenn ich die Ware nicht habe, also wenn ich keinen guten Einkauf habe und wenn ich die Ware nicht schnell zum Kunden bringe, dann bringt mir das beste Frontend nichts und deswegen ist unserer Meinung nach Einkauf und Logistik ganz ein wichtiger Differenzierungsbaustein zum Wettbewerb. Und wir haben uns da schon relativ früh wirklich drauf konzentriert und haben das auch eigentlich immer selber gemacht, weil wir gesagt haben, wir wollen möglichst viel in der eigenen Hand haben, damit wir uns möglichst gut differenzieren können und auf unsere Kunden, die individuellen Anforderungen, reagieren können. Und ich persönlich habe mal am Logistiklehrstuhl hier in München auch Maschinenbau studiert, das heißt, ich hatte da schon immer eine gewisse Passion dafür und ich glaube, dass das heute ein Vorteil ist, aber auch hier ist es wie in allen Bereichen, haben wir immer noch genügend zu tun. Also es gibt überall noch Verbesserungspotential, aber auf die Frage, ja, ich glaube, ein Handel kann sich heute ohne gute Logistik und ohne gute IT und gutem Einkauf nicht mehr differenzieren vom Wettbewerb.

THOMAS: Aber da sprichst du ja auch genauso dieses Spannungsfeld Marketing, Vertrieb versus Logistik an. Also das ist ja schon seit jeher ein Spannungsfeld ohne Ende und so. Und die einen Einkauf, Marketing und Vertrieb, die meinen immer, wir sind die wichtigsten und Logistik, was ist das schon? Aber ich glaube, da hat sich auch, hat sich sicherlich auch bei euch vieles getan, also dass die Logistik, wie du ja auch schon sagst, einen viel höheren Stellenwert bekommen hat, ne?

MAX: Ja, ja, absolut. Also man muss ja ganz klar sagen, dass jeder Fehler, den wir produzieren, dass der uns a) sehr viel Geld kostet und b) auch einfach beim Kunden immer ein Thema erzeugt und wir sind heute alle im Privaten gewöhnt, dass wir nahezu fehlerlose Logistik bekommen, ja? Und dann will ich im Wareneingang von der Firma auch möglichst fehlerfrei arbeiten und das gelingt natürlich nicht immer, aber ich glaube, dass das heute ein ganz großer Teil der neudeutsch Customer Experience ist. Also der Kunde erwartet das einfach, dass das gut funktioniert und ich glaube, das ist, ja, da ist bei uns der Groschen schon vor einiger Zeit gefallen, aber ich glaube, da geht es heute eigentlich allen so.

ANDREAS: Ja, es ist ja ein leidiges Thema, ne? Das Thema, welcher Bereich ist eigentlich der wichtigste im Unternehmen und welcher Bereich ist vielleicht weniger wichtig. Am Ende des Tages ist vermutlich jeder Bereich auf seine Art gleich wichtig in dieser Kette, um das alles abzubilden. Nur damit wir die Vertriebler unter uns hier auch nicht traurig machen, wenn wir sagen, Logistik ist das Wichtigste, auch wenn wir das alle wissen.

MAX: Ja, genau.

ANDREAS: Aber du hast das ja schon ganz am Anfang angedeutet, ihr habt eine eigene Logistik und ihr habt euch für das Autostoresystem vor einiger Zeit entschieden, das wir in der letzten Woche ja schon mal mit dem Peter Böhmermann angerissen haben und darüber diskutiert haben, das Ganze aus einer eher vertrieblichen Sicht beziehungsweise aus Herstellersicht. Vielleicht bevor wir auf das Autostore im Detail kommen, das ihr habt und wieso ihr das gemacht habt, vielleicht einmal die Frage, was habt ihr noch so? Wie kann man sich euer Lager vorstellen, wenn man da so rein gedanklich mal durchläuft? Gibt es da noch andere technische Komponenten? Gibt es da viel Fördertechnik, viel manuelle Bewegungen, noch andere Logistiksysteme? Bloß mal so ein kleiner Abriss, wie sieht das so aus?

MAX: Also dazu muss man sagen, dass wir zwei Teile haben. Wir haben einmal die klassische Logistik, da sage ich gleich was dazu und dann haben wir noch eine Werkstatt und in der Werkstatt haben wir ein Kardex-Shuttle und mehrere Langgutshuttle. Wobei die natürlich von der Frequenz nicht so stark gefordert sind. Da geht es eher um die Verdichtung möglichst nah an den Fertigungsorten. Und in der Logistik haben wir einmal unser Autostore, dann haben wir eine Handregalanlage, wo aber nur noch 1000 Artikel ungefähr drin liegen. Dann haben wir ein Paletten Regal, das aber tatsächlich, also so Düsseldorfer Palette, ganz klassisch noch angesteuert wird mit einem Schubmaßstapler.

ANDREAS: Ja.

MAX: Und Fördertechnik haben wir tatsächlich, also gestartet sind wir mit Autostore komplett ohne Fördertechnik. Im Endausbau sind alle Bereiche verbunden. Stand heute ist aber nur die Warenannahme/Wareneingang, da kommen die Autostorebehälter an und die werden per Fördertechnik dann wieder in die Autostore-Anlage gebracht. Und in der Kommissionierung, also nach dem Karussellport, da haben wir auch noch ein bisschen Fördertechnik zur Verpackungsstation. Aber ich würde sagen, von der, ja, von der Investitionsverteilung her ist ein Großteil Autostore als Block in der Mitte und wir haben versucht möglichst wenig eigentlich drum rum zu bauen.

ANDREAS: Wie viele Behälter umfasst eure Autostoreanlage?

MAX: Ja, da muss ich das schon aus dem Kopf sagen. Ich glaube so circa 42.000. Gestartet sind wir mit 24.000 und haben seitdem zwei Mal erweitert.

ANDREAS: Da habt ihr ja schon ordentlich ergänzt. Ich glaube, du hattest eingangs gesagt, dass ihr das Autostore schon länger habt. Du hattest im Vorgespräch gesagt, dass es irgendwie 2013 oder sowas war, als ihr das Autostore eingeführt habt. Wieso habt ihr euch damals für Autostore entschieden?

MAX: Ja, gut, da gibt es zwei unterschiedliche Geschichten, aber im Großen und Ganzen zahlen sie auf die gleiche Story ein. Also das System ist meiner Meinung nach einfach so, dass wenn man ein gewisses Gefühl hat, für Mechanik, für Automatisierung, dann merkt man, wenn man das System einmal live gesehen hat und ich habe es 2011 hier in Poing zum ersten Mal live gesehen. Man merkt sofort, was der Vorteil ist, sozusagen, einfach dieses Redundante, dann die Geschwindigkeiten müssen nicht so hoch sein. Also weil ich viele einzelne Roboter habe und das ganze System kam mir einfach schon sehr charmant vor. Genau, dann kam noch hinzu, dass ich einen großen Autostore-User aus der Schweiz persönlich kenne und dann konnten wir uns das auch vor Ort anschauen und wir haben relativ schnell gesehen, dass wir auch die ganze IT-Anbindung sehr gut realisieren können und dann hat uns das auch ein bisschen da/ Ich meine, wir waren damals 30 Prozent kleiner, da war das schon echt eine große Investition. Und auch ein großes Risiko. Wir hatten ja keine Ahnung von Automatisierung.

ANDREAS: Ja.

MAX: Und dann haben wir einfach gesehen, ach okay, so funktioniert das und dann haben wir uns die Roboter angeschaut und wir wussten eigentlich schon wirklich sehr gut, wie das System funktioniert, bevor wir uns überhaupt dafür entschieden haben.

THOMAS: Hattet ihr denn damals auch parallel über andere konventionelle, sage ich jetzt mal, Techniken nachgedacht, also sowas wie ein HKL, also mit Regalbediengeräten geführtes Behälterlager oder andere Systeme?

MAX: Also wir haben drei Szenarien ausgeplant, wobei eigentlich von Anfang an klar war, was wir wollten, aber wir haben es trotzdem einmal sinnvoll wirklich kontrolliert, nicht, dass wir einen Fehler machen. Wir haben einmal Kardex-Shuttels, sehr viele, mit Fördertechnik in der Mitte sozusagen und Bahnhöfen hatten wir kalkuliert und ein AKL und als Drittes, als dritte Alternative eine Optimierung der bestehenden Handregalanlage. Und da muss man ganz klar sagen, da haben eigentlich alle Indikatoren auf die Optimierung der bestehenden Handregalanlage gezeigt und ich habe aber dann trotzdem einfach das Gefühl gehabt, damit springen wir nicht weit genug, das verschafft uns nicht genügend Luft und dann war aber relativ klar, dass Autostore für uns das Mittel der Wahl ist oder die auszuwählende Technik.

THOMAS: Na ja, so eine Handregalanlage, die ist ja auch dann irgendwann, stößt sie auch irgendwann mal an ihre Grenzen beziehungsweise da brauchst du entsprechende Gänge und so weiter und das ist ja auch das, was Peter Böhmermann ja auch letztes Mal sagte, einfach mal die Luft rauslassen aus dem Lager, um Platz zu schaffen.

MAX: Ja, absolut. Also wir haben in unserer Firmengeschichte alle 20 Jahre bisher und wir sind jetzt 80 Jahre alt, haben wir unsere Location gewechselt und ein neues Zentrallager gebaut, von mini zu klein zu mittel zu jetzt groß und durch das Autostore und genügend, sage ich mal, Pufferfläche drum herum, haben wir uns das jetzt gespart und sind sehr gut aufgestellt. Also wir haben auch eine sehr interessante sozusagen finale Ausbauplanung für das Grundstück hier. Also wir können unserer Kalkulation nach hier noch den dreifachen Umsatz machen.

ANDREAS: Das heißt, wenn du sagst, eurer Kalkulation nach, ihr habt das eigenständig geplant alles?

MAX: Nee.

ANDREAS: Oder gab es da externe Unterstützung?

MAX: Wir haben das mit einer Logistikplanung aus der Schweiz gemacht und ich hätte das gar nicht gekonnt. Der hat uns da sozusagen so routiniert durch die Szenarienplanung durchgeführt und das war wirklich sehr, sehr überzeugend, ja.

ANDREAS: Okay. Also habt ihr auch noch weitere Ausbauszenarien, wie es weitergehen soll in Zukunft und ich vermute, dass es, wenn es noch erweitert werden wird, dass es dann auch eine Erweiterung des Autostores geben wird oder wie ist da der Plan?

MAX: Ja, also tatsächlich wäre das wahrscheinlich sogar eine zweigeschossige Anlage und wir würden einen Teil der heutigen abbauen und in einen anderen Bereich ziehen. Aber tatsächlich, für uns, ich meine, wir sind ein KMU, wir sind in Familienbesitz, wir sind keine Hasardeure, wir machen einfach das, was sich für uns vernünftig anfühlt und wir können das Schritt für Schritt alles machen und ich muss eben nicht planen, was wollen wir in zehn Jahren sein, sondern was brauche ich die nächsten drei Jahre. Und das ist meiner Meinung nach, gerade für eine Firma wie wir es sind, wirklich ein ganz toller Vorteil.

ANDREAS: Habt ihr denn eigentlich in eurem bestehenden Gebäude, wo ihr momentan seid, diese klassische Autostorehallenhöhe von irgendwas unter 10 Metern oder was ist das für eine Halle, in der ihr euch da bewegt?

MAX: Nee, da haben wir eine lichte Hallenhöhe von 9,50 Meter, also da sind wir auf jeden Fall, ja oder ich glaube sogar 11 Meter.

ANDREAS: Passt noch, ja.

MAX: Ja. Also auf jeden Fall verschenkt man da Raum. Ich habe heute auch einige Autostoresysteme schon gesehen, die einfach auf einer Bühne stehen. Allerdings muss ich ehrlich sagen, bin ich mit den Ports, also die Swing-Ports, die dann solche Anlagen versorgen, mit denen wäre ich, glaube ich, für Ludwig Meister, nicht so glücklich. Und deswegen, ich bereue es nicht und sage ich einmal, vielleicht kommt es ja doch noch irgendwann.

THOMAS: Ja, was ist der Nachteil an den Ports, die du siehst, wenn das System auf einer Bühne steht?

MAX: Die Swingports sind meiner Meinung nach, also die, die ich gesehen habe, immer noch relativ laut und sozusagen bei dem Transport des Behälters nach oben, da entsteht so ein Luftzug, dann zieht es die Blenden rein. Also aber ich habe jetzt zwei Systeme gesehen, die sind ein unterschiedliches Alter, man merkt, dass die besser werden. Und vielleicht heute, wenn die das bauen, ist es schon kein Nachteil mehr. Aber die haben mich nicht so überzeugt bisher.

ANDREAS: Ja, ja. Ich habe den Eindruck, du hast dich, so wie du es erklärt hast, technisch schon extrem damit auseinandergesetzt, was ist da eigentlich in den Robotern drin, wenn man die jetzt mal aufmacht und da mal reinschaut, ist das ja auch gar nicht so dramatisch, was da drin passiert. Und du hattest auch im Vorgespräch gesagt, dass ihr vieles selber macht. Kannst du da mal drauf eingehen, was macht ihr denn eigentlich selber? Ich glaube, da ging es in die Richtung Zubehör?

MAX: Man muss, also grundsätzlich, wir machen die ganze Wartung selber, auch von Ports. Da sind wir nicht ganz so gut, weil, da hat man selten damit was zu tun. Aber auch von den Robotern und da gibt es eigentlich nichts, was wir nicht wirklich selber machen. Was man sieht ist, die Roboter haben ja so Tracksensoren, die sozusagen immer kontrollieren, ob man an der richtigen Position auf dem Grit ist. Das heißt, der Roboter oder der Controller rechnet aus, wo er ist und die Sensoren überprüfen, ob er auch wirklich da ist. Und wenn da ein Versatz ist oder wenn der Tracksensor ein bisschen verschmutzt ist, dann gibt es den Fehler: „Missing Position“ und der kam bei uns, obwohl wir wirklich super sauber sind hier in der Logistik, doch tatsächlich, ich sage mal, zwei Mal die Woche vor. Und wir haben 25 Roboter und deswegen haben wir sozusagen automatisierte Robotertracksensoren-Reinigungsstationen gebaut.

ANDREAS: Okay, wie kann man sich das vorstellen?

MAX: Das sind im Endeffekt sozusagen speziell positionierte Druckluftdüsen und das Ganze funktioniert dann mit einer Steuerung, aber die Steuerung ist nicht mit dem Autostorecontroller verbunden, sondern der Roboter muss einfach eine gewisse Zeit still an dem Punkt stehen. Da eignet sich zum Beispiel einfach ein Port, der ein paar Mal am Tag angefahren wird und dann bläst sozusagen mit der Kompressorluft, werden die Tracksensoren sauber geblasen. Und seitdem haben wir auch keinen Missing-Position-Fehler mehr und auch die anderen Firmen, denen wir das verkauft haben, haben den Fehler auch nicht mehr.

ANDREAS: Okay. Sorry, wenn ich unterbreche Thomas, ihr steigt also schon so ein bisschen in das Zubehörgeschäft bei Autostore ein. Das heißt, wenn man irgendwie sagt, wir haben das Problem auch häufig, kann man sich bei dir melden und ihr kümmert euch drum?

MAX: Genau. Also ich sage mal, jeder, der eine Autostoreanlage hat, kann ja auch zwei, drei Schrauben selber reindrehen.

ANDREAS: Hoffentlich.

MAX: Ja, das ist wirklich und die Montage ist einfach, da ist eine Anleitung dabei und das ist meiner Meinung nach eine sehr gute Investition, da braucht man pro Anlage zwei, einmal für die Nord- und einmal für die Südroboter. Und das Problem ist aber, das muss man auch ehrlich sagen, also wir sind nicht rangegangen und haben gesagt, wir wollen Zubehör für die Autostore-Anlage konstruieren, sondern das war halt ein Fehler, der uns immer wieder aufgefallen ist. Und aber da gibt es nicht so viele, sonst würde ich gerne auch noch anderes Zubehör (alle lachen). Aber das war eben ein Fehler, der einfach häufiger aufgetreten ist.

ANDREAS: Wie viel Zeit hat denn euch das gekostet? Wenn du sagst, da gab es irgendwie zwei Mal pro Woche, gab es da irgendwie so einen Fehler. Wie zeitaufwendig war das, da irgendwie darauf zu klettern auf das Grit, den Roboter zu bergen, dann den Roboter zu reinigen? Wie aufwändig ist denn das? Also wie viel Zeit muss man sich da vorstellen? Dann kann man das ja auch mal in Relation setzen zu nem/

MAX: Ja, die Anlage steht für fünf Minuten, wenn sie groß ist, also wirklich groß, dann steht sie vielleicht mal für zehn Minuten, wenn der ganz hinten in der Ecke steht. Aber meiner Meinung nach vollkommen unkritisch. Also dann fahre ich den raus und dann starte ich die Anlage und putzen kann ich den am nächsten Tag in der früh oder am Abend. Also das ist überhaupt kein Problem. Wir haben auch/ ja?

THOMAS: Heißt das dann, dass die komplette Anlage steht oder nur ein Teil der Anlage, also nur die Fläche, wo jetzt gerade dieser Roboter sich befindet?

MAX: Da kann ich jetzt/ Also ich sage mal, die bauen auch immer weiter an der Software. Ich könnte mir vorstellen, dass heute nur ein Teil still steht. Das letzte Mal, wo ich es gesehen habe und das ist bei uns lange her, da ist die ganze Anlage gestanden.

THOMAS: Okay. Weil, das ist ja auch immer so ein Thema, das Thema Redundanz und so, wo ja auch immer viele Anwender dann auch sagen, ja toll und wenn ein Roboter ausfällt, was ist dann? Dann, aber gut, andererseits, fünf bis zehn Minuten ist jetzt auch nicht die Welt, also da/

MAX: Nee, nee. Also da hatten wir mit den anderen Techniken längere Stillstände. Also wir sind ja hier nördlich von München, wir haben sehr, sehr viele Touren durch unser Lager. Also im ersten Jahr, wo wir Autostore hatten, hatten wir 1400 Touren hier und ich persönlich habe davon auch schon viele gemacht und ich habe ein einziges Mal das erlebt, wirklich, dass da gleichzeitig der Roboter stehen bleibt oder das System steht. Und wir haben heute, würde ich sagen, einen Stillstand alle zweieinhalb Wochen, ungefähr.

THOMAS: Nun ist ja, du sagtest, bei euch ist nur dieser eine Fehler, also diese eine Fehlerart, sage ich mal, aufgetreten, was ja absolut für diese Technik spricht, die ja scheinbar dann extrem Fehler unanfällig ist. Aber nichtsdestotrotz treten diese Fehler auf. Dann hast du gesagt, kann es auch bei anderen passieren und ihr bietet halt da auch diese Ersatzteile und so weiter an. Bietet ihr dann auch, habe ich das dann richtig verstanden, auch den Service und Wartung für andere Anwender an? Macht ihr das auch?

MAX: Nee, das machen wir nicht. Da muss man auch ehrlich sagen, unser Ziel ist nicht, dass wir da in Wettbewerb zu den Händlern in dem Sinne treten.

THOMAS: Ja okay.

MAX: Von denen bin ich a) auch abhängig und b) haben die ja mittlerweile auch alle mehr Erfahrung wie wir. Aber was natürlich der Fall ist, aber das liegt einfach da dran, weil wir die Produkte eh vertreiben, also ein Großteil der Produkte, die in so einem Autostore-Roboter verbaut sind, sind ja Standardprodukte und die haben wir sowieso und die findet man auch auf unserer Homepage, aber das liegt einfach da dran, weil wir die Lager und die Riemen und Ähnliches und Kupplungen einfach sowieso bei uns haben.

THOMAS: Na, das passt ja eigentlich auch in euer Geschäftsfeld rein. Also von daher.

ANDREAS: Du hattest gerade gesagt, dass ihr ungefähr alle, ja, zwei Wochen mal einen Stillstand habt oder sowas. Was sind denn da so die häufigsten Ursachen, die ihr Stand heute noch habt?

MAX: Ja, das kann ich dir statistisch gar nicht sagen. Aber was immer wieder ein Thema ist, ist, dass wir sozusagen Produkte in Tüten einlagern und irgendwann gehen die Tüten auf und dann sind die über den Löchern, wo die Gripper reinlangen wollen. Das ist ein Thema. Und dann, was es schon immer wieder gibt, man muss halt einfach so Sachen, die Motoren verschleißen irgendwann, die Batterien verschleißen irgendwann, aber bei uns läuft das System aber wirklich seit über sechs Jahren und dann muss man, finde ich, das auch einfach realistisch sehen, das ist normal, dass da Verschleißteile daherkommen. Also in unserer Kalkulation haben wir gesagt, eine Stunde Wartung pro Roboter pro Jahr und Kosten von einem Roboter bei 25 Robotern. Und so weit, also so hohe Kosten haben wir bei Weitem nicht.

ANDREAS: Okay. Das spricht ja/

THOMAS: Ein Thema, was auch letztes Mal schon mit Peter Böhmermann war, war ja auch das Thema Lagerung an sich, also dass man Behälter ausgraben muss, um an die untersten Behälter ran zu kommen und so weiter und was eventuell ja auch den einen oder anderen Anwender davon abschreckt oder es auch irgendwelche Gerüchte kursieren, sage ich mal, also je nachdem, wie die Artikelstruktur ist, ist das System viel zu langsam, weil ich nicht an die untersten Behälter rankomme und so weiter. Was für eine Erfahrung habt ihr damit gemacht? Weil, ihr seid jetzt ja, ihr habt das System immerhin, ja, seit 2013 oder so, im Einsatz, viele, viele Jahre. Kannst du daraus, aus diesen Erfahrungen/

MAX: Ja, da kann ich, glaube ich, schon was zu sagen. Also da haben wir auch eine Lernkurve durchgemacht. Also die Bin-Distribution nennt man das, das ist die Verteilung über die Ebenen, die ist bei uns heute komplett anders als damals simuliert.

THOMAS: Aha, okay.

MAX: Funktioniert aber sehr gut, das muss ich ganz klar sagen. Allerdings, wir sind gestartet als System nur mit Südrobotern. Also alle Roboter haben in eine Richtung geguckt und das haben wir mit Absicht gemacht, weil wir gedacht haben, dann lasten wir alle möglichst gut aus. Das hat sich nicht bewährt. Da gab es dann irgendwie, sage ich mal, schon so ein paar Themen innerhalb der Software und der Planung der Portqueue. Und da gab es dann auch mal Behälter, die nicht ausgegraben werden konnten. Aber als wir, sozusagen, da haben wir einen Roboter, der in die andere Richtung guckt, draufgestellt, das ist sofort besser geworden. Und bei uns muss man ganz klar sagen, wir haben relativ viele Deep Digs, also wir müssen relativ häufig wirklich tief graben. Und wenn dann die Fläche zu klein ist, also unser erstes Grit war, weiß ich nicht, 24.000 Behälter, da hatten wir gemerkt, das ist nicht optimal. Aber seit wir dann das Grit vergrößert haben, muss ich ganz ehrlich sagen, sind unsere durchschnittlichen Wartezeiten auf weit unter zehn Sekunden gesunken.

THOMAS: Okay. Also das heißt dann, Grit erweitert eure Türme? Also die Behältertürme sind dann auch nicht zu hoch? Ihr verteilt es dann etwas mehr, oder was?

MAX: Nee, wir haben tatsächlich, wir haben einen Teil der Handregalanlage abgebaut und dann haben wir eben um den Teil, den wir abgebaut haben, das Autostore erweitert.

THOMAS: Ja, okay.

MAX: Und dadurch wurde die Gesamtfläche des Autostores größer. Wir haben aber immer, wir waren immer randvoll mit Behältern.

THOMAS: Ach okay.

MAX: Genau. Und was man jetzt vielleicht dazu sagen muss ist, wir haben ein eigenes Programm geschrieben, das den Zustand der Autostore-Analge überwacht. Also sozusagen, wie hoch ist die Ausgrabelast und wie viel, was muss gemacht werden. Und wir haben irgendwann angefangen sozusagen optimiert Aufträge dazu zu mischen. Das macht sicher nicht jeder, das haben wir aber gelernt, als wir einfach am Limit waren, bei kleinem Grit mit sehr vielen tiefen Ausgrabevorgängen. Ich glaube, das ist nicht die Standardherausforderung für einen Autostore-User.

THOMAS: Ja.

MAX: Aber auch da, wir haben es in den Griff gekriegt und wir sind seit Tag eins sehr glücklich mit dem System und ich sage mal so, so kleine Hürden, wie Kunde aus Bayern bestellt ein Autostore, wo alle in eine Richtung gucken, das muss man halt dann mal lernen, aber dann kann man das und das wissen die auch. Und deswegen, also ich würde sagen, dass die Binnendistribution? (unv. #00:24:55-0# ) und die Sofortbereitstellung relativ gut funktioniert. Eigentlich fast besser als erwartet. Ein letzter Satz noch, wir haben ja immerhin hier ein Ladengeschäft, das heißt, hier kommt auch mal ein Kunde rein und er braucht sofort ein Teil. Und für diese Aufträge übersteuern wir alles im Autostore und lassen sofort auch mal den tiefsten Behälter ausgraben. Und das funktioniert trotzdem.

ANDREAS: Ja. Wie hoch ist euer Behälterstapel und welche Behälter habt ihr? Ist das der 16er Stapel mit den 400er Behältern oder habt ihr die flacheren Behälter?

MAX: Ja, wir haben die flachen/

ANDREAS: Gab es die damals überhaupt?

MAX: Wir haben 180 Höhe.

ANDREAS: Dann sind das 24 Stück übereinander?

MAX: Genau, wir haben 24 Stück übereinander. Wir haben das absolute Maximum reingepackt, weil wir auch gesagt haben, bei uns zählt Lagerungsvolumen vor Performance.

ANDREAS: Ja. Na gut, mit 600.000 Positionen, hattest du glaube ich vorhin gesagt, im Jahr, das sind, ich weiß nicht, 2500 am Tag…

MAX: Genau. Wobei man dazu sagen muss/

ANDREAS: Wenn man so durchschnittlich rechnet.

MAX: …dass circa 500 am Tag gehen aus den Niederlassungen raus, wo wir sozusagen spezielle Versorgungskonzepte für unsere Kunden haben. Der Großteil geht aus Dachau raus, aber ich würde mal sagen, 2000-2200 am Tag haben wir sicher hier in Dachau.

ANDREAS: Habt ihr eigentlich, ich meine, das ist jetzt nicht die typische Branche dafür, aber habt ihr Auftragsspitzen? Ich meine, ein Weihnachtsgeschäft werdet ihr eher weniger haben, außer dass ihr einen schönen Adventskalender auf eurer Internetseite habt, aber der wird vermutlich nicht die vielen Bewegungen erzeugen. Habt ihr eigentlich so klassische Peaks, ist das ein Thema bei euch?

MAX: Nee, haben wir nicht. Also ich sage mal, wir haben die eher im Wareneingang. Also das heißt, dass es immer wieder, wenn die Prognoserechnung sich über den Monat wieder verändert, dann sind da schon Schwankungen, aber in der Kommissionierung nicht wirklich.

ANDREAS: Ja. Benutzt ihr, wenn du gerade sagst, ihr habt viel Wareneingangspiecks und so weiter, habt ihr, wenn ihr einlagert, habt ihr Mischbehälter im Autostore oder habt ihr klassische Artikel, reine Behälter? Wie handhabt ihr das?

MAX: Wir haben einmal Einfachbehälter und Achtfachbehälter. Und was vielleicht bei uns das Besondere ist, große Sendungen werden gleich im Wareneingang unten komplett kontrolliert und gegen die Bestellposition auf unseren Behälter gebucht, komplett. Wenn wir Sendungen haben, mit, sage ich mal, 100 Positionen, die theoretisch in einen Autostorebehälter passen würden, was aber unterschiedliche Artikel sind, dann schmeißen wir die unkontrolliert rein, legen den Lieferschein rein und erzeugen einen Kontrollauftrag, das machen wir dann aber erst später. Das ist ein bisschen komplex, aber es liegt da dran, weil wir einfach so wenig Platz in der Warenannahme unten haben.

ANDREAS: Okay. Also das klingt schon so, als hättet ihr euch auch IT-seitig viele Gedanken gemacht. Also auf der einen Seite viel Technik vorab schon mal geprüft, was kann das System beziehungsweise aus welchen Komponenten besteht das, aber irgendwie auch viel IT, das ihr euch vielleicht auch über die Jahre drum herum gebastelt habt, um irgendwie Aufträge gezielter anzusteuern oder halt andere Maßnahmen. Es gibt ja unterschiedliche Schnittstellen für das Autostore. Das ist bloß mal so für den einen oder anderen, der daran interessiert ist, welches übergeordnete System nutzt ihr und für welche Art der Schnittstelle habt ihr euch entschieden?

MAX: Ja, da muss ich jetzt aufpassen was ich sage. Also unser ERP ist ein ganz kleines, das kennen viele nicht, das ist von Nissen und Felten heißt das. Und da haben wir wirklich ein Schmalspur-LVS und angebunden haben wir das Autostore über das Task-Interface, wobei man auch Funktionen aus dem BIN-Interface, also meiner Meinung nach, die wären sehr interessant und die auch in einem Task-Interface integriert wären. Dementsprechend, am liebsten würde ich da immer beide nutzen. Aber wir machen das mit dem Taskinterface. Jetzt muss man übersetzen, das ist das Interface, wo man nicht ganz so viel steuern muss. Das heißt, man sagt, ich brauche für, eine Task-Group besteht aus diesen 17 Behältern und die brauche ich ungefähr in 45 Minuten an Port drei oder an einem Port. Das ist jetzt mal die ganz abstrakte Zusammenfassung.

ANDREAS: Ja.

MAX: Und dann meldet er sich am Port an und wenn der erste Behälter dieser Task-Group kommt, dann übergibt das Autostore wieder mit einem Webservice an unsere Software, ich bin der und der Auftrag. Und dann haben wir wieder alle Masken sozusagen im Griff und arbeiten dann eigentlich wieder in unserer Umgebung und schicken dann den Behälter wieder weg.

THOMAS: Okay. Du hattest vorhin auch schon mal, als Andreas gefragt hatte, ob ihr mit Peaks zu tun habt, hattest du gesagt, dass das eher nicht so der Fall ist. Jetzt haben wir auch so den einen oder anderen Zuhörer eventuell, der sehr wohl mit Peaks in der Logistik zu tun hat, also jetzt vor Weihnachten oder Black Friday oder was auch immer. Und wenn du sagst, Taskmanager ist jetzt ja nicht so, da könntest du eher so eine Langfristplanung und so weiter, meinst du, dass das System dennoch für Unternehmen sinnvoll ist, die auch mit Piecks zu tun haben?

MAX: Ja, also kann jetzt in dem Fall nur auf uns beziehen, wir sind definitiv gestartet mit zu wenig Robotern und dementsprechend, da war, also da haben wir schon echt gucken müssen. Aber ich meine, wir haben uns auch da ganz gut ran gehangelt und ich bin mir relativ sicher, dass das auch für andere Unternehmen gut funktioniert, die mal eine stärkere Auslastung haben. Und das ist immer noch günstiger irgendwie drei Roboter da drauf zu stellen, auch wenn die dann vielleicht sechs Monate rumstehen, als wenn ich irgendwie große Flächen schaffen muss oder Ähnliches.

THOMAS: Also kannst du da so ein bisschen die Skepsis rausnehmen oder die Angst?

MAX: Ja, in dem Fall, die Logistikplaner seid ihr, ich bin der Anwender. Also.

THOMAS: Ja, nee, aber das ist ja genau das, was ja auch den Zuhörer oder auch andere Anwender interessiert. Ich meine, wir als Planer, wir können viel erzählen, sagen die dann. Ihr wollt die Technik verkaufen. Aber ihr als Anwender, du kannst ja wirkliche Geschichten erzählen.

MAX: Ja, nee, also ich glaube, dass man tendenziell das heute sehr gut simulieren kann und dann kann man sich das anschauen und dann, das einzige, wo man wirklich ehrlich sein muss, ist einfach, dass die Leistung der Anlage, wenn die sechs Stunden am Limit läuft, dann ist die Performance schlechter, als wenn die perfekt vorbereitet zwei Stunden läuft. Das muss man einfach wissen. Und ich habe schon Anlagen gesehen, die haben das einfach ganz gezielt genutzt und haben eben auch teilweise eine halbe Stunde die Anlage geschlossen, als der Peak schon begonnen hat, um dann ein perfekt vorbereitetes System für eineinhalb Stunden viel schneller nutzen zu können.

ANDREAS: Ja.

MAX: Das widerspricht einem manchmal ein bisschen, aber da ist es einfach so, ich glaube, der Technik muss man da halt einfach Tribut zollen und sich ein bisschen drauf einstellen. Aber ich glaube, dass das auch für Systeme gehen muss, die sehr stark gefordert sind.

ANDREAS: Wie ist das bei euch mit den Aufträgen? Du hast jetzt gesagt, okay, es gibt andere, die stoppen dann vielleicht ihre Logistik und optimieren einmal. Kommen die Aufträge bei euch tagesgenau oder habt ihr Aufträge, die kommen am Vortrag rein und werden dann am Folgetag bearbeitet? Also wie ist euer Servicelevel? Wie macht ihr das?

MAX: Also grundsätzliches Ziel ist, dass jeder Wareneingang, wo Aufträge dahinter sind, am gleichen Tag verschickt wird. Da sind wir so aktuell, würde ich sagen, dreieinhalb Stunden, vier Stunden hinterher. Also alles, was bis 14 Uhr kommt, wird am gleichen Tag verschickt. Grundsätzliche Regel ist, dass jeder Auftrag am Tag reinkommt, taggleich verschickt wird, also bis 17 Uhr nehmen wir an. Und jetzt muss man aber wissen, dass circa 30 Prozent der Aufträge, die wir verschicken, die kenne ich teilweise schon Monate zuvor. Das ist einfach mit Wunschdatum eingetakteter Bedarf, den wir in eine Fertigung liefern.

ANDREAS: Ja. Ja, das macht es natürlich einfach für das Autostore, ne, darauf zu reagieren und diese Aufträge dann auch schon optimiert vorzubereiten, damit ich dann halt nicht den großen Grabe-Aufwand habe und das da rausholen muss.

MAX: Ja genau, also das muss man auch sagen, also es ist wirklich so, wir tracken eigentlich alles. Es gibt auch so eine Art Autostore-Radio, das immer den aktuellen Zustand immer schickt, den greifen wir auch ab. Das heißt, wir kennen da den Zustand relativ gut. Und da muss man schon sagen, da kann man sehr viel optimieren. Allerdings darf man es auch nicht übertreiben. Also wir haben alles Mögliche schon ausprobiert, inklusive nur in dem Bereich leere Behälter und dann, also alles Mögliche haben wir ausprobiert und bei vielen Sachen haben wir keinen merklichen Effekt gespürt. Aber wir haben auch ein paar andere Sachen gemacht, wo wir teilweise, wirklich, da haben wir mit einer Änderung, wo ich nicht so viel dazu sagen kann, da haben wir fast 20 Prozent rausgeholt.

ANDREAS: Okay.

MAX: Haben wir aber auch drei Jahre gebraucht, bis wir es gecheckt haben.

ANDREAS: Das klingt schon so ein bisschen so, als wärt ihr da super interessiert, auch einen Großteil selbst zu machen. Es gibt sicherlich auch viele, die nehmen das System wie es ist, Logistik ist ein Service oder wie auch immer. Ist es nicht ein Stückweit auch kontrovers, dass man sich für ein relativ großes Invest, das es ja für euch damals auch war oder vielleicht auch heute noch ist, dass man sich ein System aussucht und eigentlich selber noch Hand anlegen muss? Ist nicht eigentlich der Wunschgedanke, wenn ich als Betreiber mir eine Anlage aussuche, dass der jeweilige Händler dann diese Tätigkeiten für mich übernimmt? Wie siehst du das? Also ich finde es ein Stückweit kontra/

MAX: Ja, aber da muss man das Grundprinzip von Autostore sich nochmal anschauen und zwar, der Autostore-Controller oder die Software ändert sich ja auch. Das heißt, wenn ich mir ein System kaufe und ich bin froh, wenn es funktioniert und ich fasse es 20 Jahre lang nicht an, dann profitiere ich aber nicht, wenn die Software im Hintergrund besser wird. Und meiner Meinung nach hat die Autostore-Software definitiv Komponenten, die besser geworden sind, seit wir sie nutzen. Also gibt es ein Beispiel, Estimated Picking Time, also wir können jedem Behälter mitgeben, wie lange wir glauben, wie lange dauert die Entnahme. Und wenn so eine Änderung reinkommt und du kannst nichts damit anfangen, ja? Du kannst einem Behälter den Wert nicht mitgeben, weil das dein EAP oder weil das deine LVS nicht kann, dann ist das meiner Meinung nach Potential, was man liegen lässt.

ANDREAS: Ja. Bin ich voll bei dir.

MAX: Und da bin ich heilfroh, dass wir uns dafür entschieden haben, die Schnittstelle selber zu bauen und auch unser AS-Control, so heißt es bei uns, selber zu bauen, wo ich ein Cockpit  habe und eben draufschauen kann. Was ich aber noch ergänzend sagen will, viele Änderungen in der Logistik sind ja auch vom Kunden getrieben. Das hat mit Autostore gar nichts zu tun. Also als wir angefangen haben mit dem Projekt, da habe ich gedacht, ich kenne mich aus im Lager und dann habe ich festgestellt, ich habe überhaupt keine Ahnung. Weil wir wirklich über 100 kundenindividuelle Prozesse bei uns in der Logistik nur mit Menschenpower sozusagen abgespeichert haben. Und in dem Projekt hat dann damals mein IT-Leiter, hat er gesagt, Max, wir machen das nicht, wir können nicht 100 Prozesse da einbauen, wir bauen einen ein und dann bauen wir den nächsten ein und das wird alles auf einen Standard runtergebrochen. Und heute ist es so, dass wir 100 kundenindividuelle Sachen, also von Kunden, individueller Verpackung bis hin zu Labeling und allem Möglichen, Kit-Bildung und was weiß ich was, das machen wir zu 100 Prozent für den Auftrag, für alle Artikel, die aus dem Autostore kommen, auf 12 Quadratmeter an einem Karussell-Port. Und wir haben keine Value Edit Area, wo sozusagen alles ganz schnell hingefahren wird und dann dort für vier Tage versauert, sondern das läuft bei uns alles in einem Prozess durch und das schafft man meiner Meinung nach nur, wenn man wirklich sozusagen die Finger auf der Software hat.

ANDREAS: Ja. Aber bedeutet das eigentlich, dass neben der Logistik, die ja ein ganz wichtiges Thema für euch ist, seid ihr so IT-getrieben? Also das hätte ich jetzt in eurer Branche gar nicht erwartet, dass ihr das ganze Knowhow habt, um diese ganzen Sachen selber zu programmieren und euch zu überlegen und umzusetzen, wie seid ihr da aufgestellt?

MAX: Ja doch, das machen wir tatsächlich alles intern. Also wir haben alles, außer unseren Webshop, wobei auch die Schnittstelle dort hin, haben wir auch intern entwickelt. Also da sind wir, glaube ich, sehr gut aufgestellt, da investieren wir auch wirklich viel, also nicht nur Geld sondern auch Management-Attention, weil ich der festen Überzeugung bin, wenn man das nicht macht, dann wird man es in Zukunft schwer haben. Und nee, das machen wir tatsächlich selber und das ist, glaube ich, das hat einen großen Charme, weil man dann einfach auch viel schneller und flexibler ist. Und heute ist für uns die Autostoreanlage ein tolles Aushängeschild, weil das sozusagen das personifizierte oder wie sagt man, sinnbildlich dafür steht, dass wir wirklich die IT im Griff haben, weil, sonst würden wir uns das auch so gar nicht trauen.

THOMAS: Andreas, du hattest letzte Woche bei dem Podcast mit Peter Böhmermann, hattest du schon gesagt, du hast irgendwie ein Déjà-vu, also da war das Déjà-vu-Erlebnis in Richtung Storojet. Ich habe heute auch schon wieder ein Déjà-vu, aber quasi ein zweifaches. Also einmal was den Podcast mit Storojet anging und mit Peter Böhmermann, die ja beide auch, also beide Firmen ja auch irgendwie da gesagt haben, wir machen alles selber. Es macht SINN, auch alles selber zu machen. Und jetzt haben wir hier schon wieder jemanden sitzen, den Max Meister, der auch sagt, hey, es macht einfach Sinn es selber zu machen. Und ich glaube mittlerweile wirklich, also diese Kompetenz aufzubauen, innerhalb des Unternehmens, das ist wirklich das absolut Wichtigste und Richtige und der Erfolg, scheinbar dann auch der Erfolgsfaktor.

MAX: Also, Entschuldigung?

ANDREAS: Nee, alles gut, du kannst ruhig antworten Max.

MAX: Ich wollte gerade sagen, also das ist ja auch was, was man, wenn man so eine Reise beginnt, auch überhaupt nicht glaubt, dass man das irgendwann mal kann. Also das muss man auch ehrlich sagen. Wir sind da halt Schritt für Schritt reingewachsen und dann sieht man mal da ein Thema, sieht man da ein Thema und also zu Beginn bin ich sicher drei Monate nur im Lager gestanden und habe kommissioniert und Wareneingang gemacht. Und dann habe ich gedacht, ach, jetzt sind wir fertig und drei Jahre später merkt man, oh nee, das funktioniert so überhaupt nicht, da müssen wir uns anpassen. Und ich glaube, dass das für viele sozusagen sehr abschreckend ist. Unser Unternehmensmotto ist sozusagen, dass wir aufhören uns mit anderen zu vergleichen, lieber, was haben wir letzte Woche gemacht und sind wir besser geworden.

ANDREAS: Ja.

MAX: Also das, glaube ich, ist wirklich, das kann nur helfen, gerade in Zeiten, wo es nicht so einfach ist. Also bei uns ist die Konjunktur aktuell nicht besonders stark und wenn man aber versucht Sachen selber zu machen, das ist halt der harte Weg, aber der ist halt auch echt schwer zu kopieren.

ANDREAS: Richtig und der, der dann am Ende des Tages auch den Unterschied macht zum Wettbewerb. Du hattest gesagt, man wächst in viele Sachen rein und mal eine Brücke zu schlagen, in das Thema Podcast bist du ja auch so ein bisschen reingewachsen? Du machst ja selber auch so ein bisschen Podcast, also du bist nicht ganz unerfahren. Was hat dich eigentlich dazu veranlasst? Also das ist ja ähnlich wie diese Geschichte mit der Logistik. Das ist ja auch so ein Thema, okay, da machen wir mal was Innovatives, da machen wir mal was, was nicht so viele machen, also im Logistikumfeld gibt es ja tatsächlich nicht so viele Podcasts. Wie kamt ihr auf die Idee?

MAX: Also in dem Fall der kurze Werbeblock sei erlaubt. Meinen Podcast findet ihr unter Supplychainhelden.de und der heißt Max und die SupplyChainHelden. Und warum haben wir den gemacht? Eigentlich aus dem Grund, wir sind der festen Überzeugung, dass es wirklich viele spannende Leute rund um das Thema Supply-Chain-Management gibt und das umfasst Einkauf, Logistik und die Themen, sage ich mal, Digitalisierung, da rum herum. Und dann haben wir festgestellt, Mensch, wir kennen da mittlerweile einige und dann machen wir doch mal mit denen einen Podcast und so haben wir angefangen. Ich weiß nicht, wir haben jetzt vielleicht so 15 Folgen. Ich mache das halt als Nebenprojekt, gestehe ich, mit ziemlich steiler Lernkurve.

ANDREAS: Kennen wir.

MAX: Ich habe beim ersten Mal nicht mal Record gedrückt, dementsprechend weiß ich jetzt schon ein bisschen besser wie es geht. Aber unsere Intention ist da jetzt nicht unbedingt jeden Tag sieben Neukunden damit zu gewinnen, sondern wir wollen auch ein bisschen aufzeigen, was für spannende Firmen, was für spannende Menschen rund um das Thema Supply Chain gibt und wir wollen uns da nicht auf den Podest heben, sondern eigentlich eher unsere Gäste, sage ich mal, deswegen heißt er auch Max UND die SupplyChainHelden. Und ich finde, dass es in der heutigen Zeit auch wichtig ist, weil, ich bin schon ein gewisser Lokalpatriot und ich möchte, dass wir auch in Zukunft in Deutschland und Österreich und in der Schweiz wirklich eine gute, schlagkräftige Industrie haben. Und damit wir das hinkriegen, glaube ich wirklich, brauchen wir echte Supply-Chain-Profis, damit die Industrie sich darauf konzentrieren kann. Und das ist unsere Mission und da hat eigentlich, also es war auch nicht meine Idee, sondern ein Kollege hat gesagt, Mensch Max, eigentlich müsstest du da ein Podcast machen, das ist doch genau unsere Mission. Und plötzlich war das Bild da und dann haben wir gesagt, ja klar, ist logisch, machen wir.

THOMAS: Na ja, aber das ist ja auch unsere Intention gewesen oder nach wie vor ist es die, das hatten wir ja auch schon in einer Folge, zum Beispiel die Folge mit der Frauke Heißermann von den Wirtschaftsmachern, gesagt, dass wir auch, ja, quasi so das ein bisschen angekratzte Bild der Logistik, jeder, der über Logistik spricht, sieht nur immer irgendwelche vollen Autobahnen und so weiter vor sich, dass wir quasi dieses angekratzte Image so ein bisschen, ja, den Stellenwert auch hochheben wollen.

MAX: Ja, das ist auch absolut richtig. Also da bin ich der festen Überzeugung, dass das ein entscheidender Teil ist. Also in dem Fall teilen wir da die Mission vielleicht, ja.

ANDREAS: Genau. Und deswegen bist du heute bei uns. Also du hast üblicherweise die Supplychainhelden, wir haben die Logistikhelden. Du bist heute quasi unser Logistikheld. Deswegen habe ich noch eine finale Frage, bevor du auch dann entlassen bist, was gefällt dir eigentlich an Logistik und was findest du blöd? Also eigentlich sind es zwei Fragen. Gibt es tatsächlich was, was du auch blöd findest an der Logistik?

MAX: Ja, also ich sage mal, ich bin Stand heute mit allen Lösungen, die die letzte Meile betreffen, tatsächlich nicht zufrieden. Aber das ist eher für mich als Privatnutzer die Einschätzung. Was ich faszinierend finde ist einfach, dass man durch das Identifizieren von Sekunden echten Mehrwert generieren kann. Also das ist einfach, finde ich, super spannend. Und ich glaube, in der heutigen, globalisierten, vernetzten Welt hat das einfach ein riesen Potential und deswegen, das macht für mich da die Faszination aus.

ANDREAS: Das finde ich, ist eine total coole Zusammenfassung. Wir könnten jetzt vermutlich noch zwei Folgen lang über die letzte Meile und die Probleme der letzten Meile als Empfänger sprechen, das machen wir aber mal lieber nicht. Sondern ich werde an der Stelle sagen, vielen Dank Max, dass du uns über das Unternehmen Ludwig Meister informiert hast, dass du uns über deine Erfahrung als Anwender im Bereich Autostore informiert hast und ein toller Einblick in das, was ihr alles so selber macht. Finde ich klasse und ja, vielen Dank und ciao.

THOMAS: Tschüss.

MAX: Ja, vielen Dank, dass ich eingeladen war, hat Spaß gemacht. Falls irgendeiner der Hörer irgendwo Schwächen identifiziert hat, dann würde ich mich auch über Feedback freuen, weil, auch wir haben nicht die Weisheit gepachtet und lernen immer noch dazu.

ANDREAS: Sehr cool.

THOMAS: Tschüss.

 

Links:

Ludwig Meister

 

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