Screwerk – ein Schraubenhändler als autonomes Unternehmen

Max im Gespräch mit Alexander Hoffmann, Gründer und Geschäftsführer der Screwerk GmbH, Lüdenscheid

„Die Vision vom Screwerk ist die ultimative Verfügbarkeit für Schrauben, d.h. Schrauben durchgängig für jeden Bedarf in jeder Stückzahl, also auch in ganz kleinen Stückzahlen verfügbar zu machen.“

Soweit Alexander Hoffmann über die Idee für das Unternehmen Screwerk. Wie sie diese Herausforderung mit einer ganz besonderen Struktur im Aufbau und Management Ihres Unternehmens erfolgreich angegangen sind, lässt sich Max Meister im Gespräch detaillierter erläutern. Besonders interessiert sich Max Meister für die Automatisierungs- und Regelprozesse, die die Grundlage für die Machbarkeit und den Erfolg dieses 2014 gegründeten Schraubenhändlers „mit angebauter IT – und Produktionsfirma“ mit Sitz in Deutschland und den USA darstellen.

Viel Freude beim Hören.

Bei konkreten Fragen oder für sonstiges Feedback, einfach an max@supplychainhelden.de schreiben.

 

Transskript

Transskript/Links

MAX MEISTER: Willkommen zu Max und die SupplyChain Helden, deinem Unternehmer Podcast zum Thema Einkauf und Logistik im digitalen Wandel. Gedanken, Erfahrungen und vor allem Erkenntnisse aus dem Bereich Supplychain Management, ganz ohne Beratermission. Einfach, verständlich, eben aus Unternehmersicht. Ich bin Max Meister und wünsche euch viel Spaß. (…)

Heute habe ich eine sehr interessante Folge. Und zwar mit Alex Hoffmann, Chef und Gründer von, ich sage jetzt mal, einem Schraubenhändler mit angebauter IT-Firma und Produktionsfirma. Warum das so interessant ist, ist, weil die wirklich versuchen sehr viel zu automatisieren und Regelprozesse einzuführen und ähnliches. Und ich finde das deswegen so interessant, weil, da sind viele Sachen dabei, wo ich mir schwertue bei Ludwig Meister, wo wir auch mal sagen/ wo die sagen: Mensch, wir lassen den Umsatz weg oder wir konzentrieren uns nur auf einen Produktbereich und ähnliches. Ist sehr interessant. Wir können natürlich jetzt nicht im Detail besprechen, wie welche Software funktioniert. Aber wir besprechen im Detail, wie die so Themen angehen und wie die versuchen, ihr Unternehmen zu verbessern. Und für mich eine sehr interessante Folge. Und in dem Fall würde es mich freuen, wir haben schon einen Nachfolgetermin vereinbart oder wir haben gesagt, wenn wir wieder reisen können, machen wir das auf jeden Fall. Wenn ihr da konkrete Fragen habt oder sonstiges Feedback, schreibt mal einfach an max@supplychainhelden.de. Und ja, jetzt wünsche ich euch viel Spaß. (…)

Ich sitze heute hier mit Alex Hoffmann, Geschäftsführer und Gründer von der Firma Screwerk. Und bevor wir einsteigen, ich habe einen Artikel gesehen über euch, ihr wollt das autonome Unternehmen gründen. Und bevor du dein Unternehmen vorstellst würde mich interessieren, du kannst grade nicht in Urlaub fahren, wozu braucht man ein autonomes Unternehmen?

ALEX HOFFMANN: Hallo Max, erstmal vielen Dank, dass ich mich hier mit dir unterhalten darf. Wozu braucht man ein autonomes Unternehmen? Wenn jemand einen Motor entwickelt, dann steht er auch davor und überlegt sich, wie er den Motor verbessern kann, dass er möglichst autonom und sicher läuft und die Leistung erbringt, die er bringen soll. Das ist ein bisschen, sicherlich auch, der Ansatz ist geschuldet dem Heiko, der aus der Softwareentwicklung kommt. Der hat ganz früh angefangen, sicherlich schon vor 13, 14 Jahren, an dem Konzept mit dem Graphen, dieser Datenbank zu arbeiten. Und wollte da weiter dran entwickeln. Und brauchte aber dann natürlich trotzdem auch ein Auskommen und hat den dann dafür eingesetzt, dann Schrauben zu verkaufen. Und so ist dann, sage ich mal, daraus ein Ansatz, nämlich der Graph und ein Anwendungsfall Screwerk entstanden. Und aus dem kleinen Anwendungsfall, der nur die Miete zahlen sollte, ist mittlerweile doch ein stattliches Unternehmen geworden.

MAX MEISTER: Okay. Also der Antrieb war nicht, dass ihr ständig in Urlaub fahren wollt, weil ihr nichts mehr machen müsst. Sondern es ging da drum, eine gut geölte Maschine zu bauen. Das ist euer Anspruch.

ALEX HOFFMANN: Mhm. (zustimmend)

MAX MEISTER: Dann würde mich jetzt mal interessieren: was macht die Maschine? Beschreibe mal ein bisschen die Firma Screwerk und zeige mal die anderen Bereiche, die dazugehören.

ALEX HOFFMANN: Also ich gehe nochmal ganz kurz auf den ersten Punkt ein. Ganz im Gegenteil. Tatsächlich ist das so, dass wir/ wir sind ja beide die Gesellschafter des Unternehmens und können dem auch einen Auftrag geben. Und da haben wir auch viel drüber gesprochen. Und der Auftrag ist eben NICHT der Umsatz oder die Ertragskraft. Die betrachten wir als eine Folge der Entwicklung dieses Systems. Das heißt, die Ertragskraft ist eine Metrik die wir natürlich im Auge haben, die uns aber zeigt: wie gut läuft die Maschine an der Stelle? Aber im Vordergrund steht die Maschine. Und wenn wir uns da, sagen wir mal, als Unternehmer an der Stelle so entscheiden können, dann können wir halt auch frei sagen: es geht eben nicht um das Wachstum, um die Größe. Wir haben eben nicht jetzt irgendeinen externen Kapitalgeber da drin, der dann sagt: nein, aber das muss jetzt hier weiter Richtung Größe getrieben werden. Sondern wir können die Schönheit des laufenden Systems weiter im Auge halten. Und das ist auch unser Antrieb. Und in der Folge ist es aber so, dass es ja dann darüber auch wächst und gedeiht. Weil, es einfach rund ist.

MAX MEISTER: Ja genau, ist ein Abfallprodukt in Anführungszeichen.

ALEX HOFFMANN: Ja. Nein, also so negativ (lachend) würde ich es jetzt auch nicht bezeichnen. Aber es ist die Folge der guten Arbeit mit dem Ziel, ein durchgängiges System zu schaffen. Also was ist Screwerk? Screwerk ist ein Unternehmen, das verkauft erstmal, einfach gesagt, Schrauben. Die Vision vom Screwerk ist die ultimative Verfügbarkeit für Schrauben. Das heißt, Schrauben durchgängig für jeden Bedarf in jeder Stückzahl. Das heißt, auch in ganz kleinen Stückzahlen verfügbar zu machen. Das ist ein Sachverhalt und ein Engpass, der ist in der Vergangenheit nicht gelöst/ da konnte der nicht gelöst werden. Und diesen Engpass, den wollten wir über Technologie beheben. Darüber ist ein Unternehmen entstanden, das besteht aus, sagen wir mal, drei Teilen. Das eine ist die Firma Screwerk. Das ist unser Online Shop, unser Schraubenhandel. Der hat auch als Schraubenhandel begonnen. Wir haben aber dann gesehen, als das Geschäftsmodell erfolgreich, sagen wir mal, gestartet ist, wenn wir das skalieren wollen, müssen wir auch die Beschaffungsseite kontrollieren können. Und deswegen sind wir zu einem späteren Zeitpunkt in die Produktion mit eingestiegen und haben die Firma HS Verbindungstechnik gegründet. Das heißt, das ist so, da beschäftigen wir uns auch stark mit dem Thema Industrie 4.0. Da geht es darum, jetzt die Plattform Screwerk, die Distribution mit dieser Produktion HS Verbindungstechnik zu einem System zu verschmelzen. Und das machen wir mit Digitalwerkzeugen. Und diese Digitalwerkzeuge, die werden von einer dritten Firma geliefert, nämlich der Firma Graph-IT. Das heißt, die Graph-IT entwickelt die Software und die Hardware Lösungen, dafür, dass wir mit Screwerk und HS Verbindungstechnik ein durchgängiges System schaffen können, was Losgröße eins für Schrauben ermöglicht. Ich weiß, das ist ein bisschen komplex, aber vielleicht konnte ich es da soweit runter reduzieren.

MAX MEISTER: Genau. Ich versuche es nochmal zusammenzufassen. Also, ihr habt auf der einen Seite einen Schrauben Online Shop, der ab einem Stück lieferbar sein will mit hoher Verfügbarkeit.

ALEX HOFFMANN: Mhm. (zustimmend)

MAX MEISTER: Dann habt ihr einen Fertigungsbetrieb oder eine Fertigung, um diese Verfügbarkeit her zu bekommen. Weil es eben mit/ nur im Handel nicht möglich ist. Deswegen sozusagen als Ergänzung. Und dann habt ihr eine IT-Firma, die für euch, sage ich mal, das Betriebssystem baut oder die ERP Software oder sozusagen die Programme die ihr braucht, um alle diese Funktionen wahrzunehmen. Das ist, sage ich mal, das grobe Konstrukt.

ALEX HOFFMANN: Richtig. Das sind zwar Firmen, aber ich würde das jetzt einfach mal als Bausteine eines Systems betrachten, eines einzelnen Systems, die aber alle für sich gesehen wichtig sind. Die Graph-IT und die HS Verbindungstechnik, die haben auch nur einen Kunden sozusagen. Das ist dieses System, das ist in dem Sinne Screwerk. Die sind auch gar nicht darauf ausgelegt, sagen wir mal, an Dritte zu liefern. Das kann irgendwann mal sein. Ist aber gegenwärtig nicht Ziel der Aktion. Also das heißt, das System finanziert sich. Die Ertragskraft entsteht durch den Verkauf von Schrauben. Aber es gibt die Bausteine Logistik Screwerk, Produktion HS Verbindungstechnik und Digitalwerkzeuge Graph-IT.

MAX MEISTER: Okay. Und damit wir noch so einen kleinen sozusagen Überblick haben, ich würde jetzt einfach mal alle drei Bereiche zusammennehmen.

ALEX HOFFMANN: Wir nennen das einfach Screwerk. Das ist das ganze Ding.

MAX MEISTER: Genau, das ganze Ding heißt Screwerk. Wie viele Leute arbeiten da? Wie viele Kunden habt ihr? Kannst du da ein bisschen Kontext geben, dass wir uns das ein bisschen besser vorstellen können?

ALEX HOFFMANN: Ja. Wir bewegen uns so auf die vierzig Mitarbeiter zu. Wir machen etwa zehn Millionen Euro Umsatz. Wir verkaufen weltweit über den Online Shop, sind da an der Stelle Google basiert, das ist ein Ad-Words Thema. Unsere Kunden sitzen primär in Europa und in den USA. Das sind auch die beiden Standorte der Firma. Und wir sind ein relativ junges Unternehmen. Wir sind 2014 gegründet worden. Und arbeiten weiter daran, unsere Vision, Verfügbarkeit für Schrauben herzustellen.

MAX MEISTER: Also in dem Fall gefällt mir das natürlich gut. Weil das auch nah dran ist an dem eigentlich, was wir machen und was wir versuchen. Deswegen interessiert mich einfach, wie ihr das macht. Wenn du jetzt davon sprichst, dass ihr ein autonomes Unternehmen bauen wollt, also eine Maschine, wie geht ihr das an? Wie ist da der aktuelle Stand und wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?

ALEX HOFFMANN: Also das Werkzeug dafür ist an der Stelle der Graph, das ist eine Datenbank Software, in der wir Unternehmensprozesse flexibel modellieren können. Und zwar über sämtliche Unternehmensbereiche. Sodass wir quasi diesen ganzen Algorithmus Screwerk schnittstellenfrei haben in einem System. Und den können wir also in diesem System immer weiterbasteln. Es ist also Gedächtnis und Prozessor in einem für uns. Alles findet im Graphen statt. Das ermöglicht an der Stelle, dass wir Screwerk wie eine Art Regelsystem, ja tatsächlich programmieren können. Und so betrachten wir es auch. Es ist ein Ansatz, den der Heiko an der Stelle aus der Software Entwicklung mit eingebracht hat. Und da passt der auch wie ein Schießhund drauf auf, dass dieses Regelsystem auch konsequent und durchgängig erhalten bleibt. Weil natürlich, ich sage mal, die menschliche Tendenz ist ja da eher, dem immer zu entfliehen.

MAX MEISTER: Genau, da hätte ich auch eine Frage: Was passiert/ also ich versuche mir das bildlich vorzustellen. Wenn ihr, sage ich jetzt mal, eine Einkaufsabteilung versucht über Regeln abzubilden, das ist jetzt meine Vorstellung davon, wie sehen so Regeln aus? Hast du da Beispiele?

ALEX HOFFMANN: Ja, also jetzt ist das in dem Fall/ am Anfang war der Einkauf vor allem die Schrauben durch den Hersteller. Jetzt ist das, dadurch, dass wir dieses Produktionsmodul noch entwickelt haben, ist es dann der Draht. Nehmen wir mal den Drahteinkauf. Dann wird das vermutlich wie bei euch auch. Aber da schauen wir ganz genau: wie sind die Lieferzeiten für den Draht? Wie sind die Preise für den Draht? Dann kriegt vielleicht der Lieferant noch ein Qualitätsmerkmal: wie hoch ist da vielleicht die Liefertreue et cetera. Und dann wird darum ein Regelwerk entwickelt und im Graphen abgebildet, was dann, das ist noch so, dem Einkäufer vorschlägt: also, hier die Lagerbestände sind da so und so. Deswegen müssen wir jetzt an der Stelle wieder X Tonnen Draht kaufen. Das heißt, das kommt aus dem Analogen, aus der Erfahrung. Dann wird das abgebildet im Graphen und dann gibt es da einen Prozess, der dann da drin festgelegt ist. Das macht auch der Graph selber. Also die Mitarbeiter, da ist es vielleicht ähnlich wie bei euch an der Stelle, die sollen gar nicht immer nur die Arbeit machen. Sondern es schauen schon alle, und so sind auch alle gepolt, da drauf. Läuft das System sauber? Das heißt also, in der DNA unseres Teams ist auch durchaus mit drin, dass sich jeder immer genau anschaut: wenn ich eine Maßnahme durchführe, wenn ich etwas tue, tue ich das einmal oder tue ich das zweimal? Wenn ich das zweimal tue, dann deutet das schon darauf hin, dass es hier einen reproduzierbaren Prozess gibt und dann sollte im Best Case dann sofort die Hand hochgehen und sagen: hier, lasst uns das mal zusammen anschauen. Können wir diesen Prozess nicht vereinfachen, können wir den nicht automatisieren? Und da geht es jetzt also nicht um, ich sage mal, Roboterhände. Sondern da geht es jetzt darum, und sei es nur der Gang jetzt, sagen wir mal, aus der Auftragsabwicklung in den Versand, wie jetzt: wo kommt denn das Papier aus dem Drucker? Also das sind manchmal auch ganz alltägliche Sachen.

MAX MEISTER: Also das finde ich deswegen spannend, weil, was wir sehen ist dieses Mindset, dass wenn man etwas öfter machen muss, dann muss man drüber nachdenken, dass man es automatisiert. Das sehen wir, wenn der Stresslevel hoch ist, dass es ganz oft so ist: ach komm, ich korrigiere jetzt den Fehler schnell oder die Verpackungseinheit oder wenn Stammdaten fehlen. Das haben wir immer wieder, dass wir dann sagen: ach komm, ich mache das schnell, bevor ich jetzt wirklich an die Wurzel des Problems gehe. Also in dem Fall, das wäre auch eine Frage jetzt von mir gewesen. Wie stellt ihr das sicher, dass dieses Mindset Automatisierung First sozusagen, dass das wirklich bei den Mitarbeitern da Top of Mind ist. Wie bekommt ihr das hin?

ALEX HOFFMANN: Die entwickeln dieses Regelsystem ja nicht selber weiter. Sondern es geht ja darum, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, dass wir in so einem arbeiten. Und wenn es Stress gibt irgendwo, wenn man merkt: der Druck an einer Stelle steigt, dann ist das definitiv ein Gradmesser dafür, dass die Automatisierung an der Stelle nicht richtig funktioniert oder vielleicht auch noch gar nicht/ es ist ja nicht so, dass alles bei uns automatisiert sei. Aber da wo Stress ist, da wo es nicht richtig rund läuft, da ist die Involvierung von Menschen sicherlich noch höher als die vom System. Und wie adressieren wir das dann? Da gibt es natürlich zwei Möglichkeiten. Entweder man regelt es dann und bildet es entsprechend ab. Oder man trennt sich auch davon. Also das ist sicherlich eine Sache, die wir ganz konsequent und hart und oft getan haben. Lieber auf Wachstum verzichten, lieber auf, ich sage mal, Komplexität verzichten und sie reduzieren, um Durchgängigkeit zu erzeugen. Und interessanterweise müsste man ja dann eigentlich immer kleiner werden, bis nichts mehr da ist. Aber die Durchgängigkeit für sich gesehen ist dann natürlich wettbewerbsfähig und führt dann wieder zu Wachstum. Aber wir werden eigentlich immer kleiner. Also gefühlt werden wir immer kleiner. Aber die Firma wird dabei größer.

MAX MEISTER: Das heißt, ihr fokussiert euch einfach auf einen Bereich und wachst dann in dem Bereich. Aber noch schnell zu dem anderen Punkt. Also ich sage mal, Sachen weglassen und lieber auf Wachstum verzichten, aber dafür Standardisierung erhöhen, das ist nicht unsere Stärke. Also da merke ich selber, ich bin so möglichkeitsgetrieben, deswegen finde ich das eben auch so spannend, wie ihr das macht. Weil es eben in dem Falle wirklich anders ist, wie wir ticken. Also, den Unterschied sehe ich. Weil wir regelmäßig sozusagen die Grenzen auch aufgezeigt bekommen. Wenn man versucht, alles möglich zu machen, schafft man es vielleicht nicht ganz so gut, wie wenn man sich auf Draht konzentriert, sage ich jetzt mal.

ALEX HOFFMANN: Genau. Also, wir sagen da auch immer: die Komplexität erhöhen, das ist ja ganz leicht. Ich klatsche überall noch mehr Neues dran und dann funktioniert am Ende gar nichts mehr. Und ich bin also nur noch mit Einzelfall Abarbeitungen beschäftigt. Das ist auch das, du hast eben gefragt: warum macht ihr das autonome System? Das macht ja dann auch nicht mehr Spaß, wenn man nur noch am Firefighten ist. Sondern, wenn wir sehen, wie zum Beispiel, der höchste Grad an Automatisierung ist bei uns in der Auftragsabwicklung zum Beispiel. Da ist die Stimmung auch immer besonders gut. Weil, das läuft natürlich da relativ reibungslos alles und da merkt man, da passieren auch wenig Konflikte, weil einfach auch viel geregelt ist. Und das geht bis in die Kommunikation, die Schnittstelle zum Kunden. Und man muss höllisch aufpassen, dass nicht alle immer anfangen, da wieder was Neues aufzumachen, was sofort wieder zu, sagen wir mal, zu Chaos führt oder zu zusätzlichem Sand im Getriebe führt. Das heißt manchmal, das ist vielleicht ein bisschen/ darf man da an der Stelle vielleicht nicht so laut sagen, aber manchmal sitzen wir da und sagen so: wir müssen ja ein Bewusstsein darüber schaffen, was wir tun, über das was wir nicht tun. Und dann sprechen wir darüber: so Leute, was tun wir denn heute mal wieder nicht? Das heißt, ich muss mir ganz genau raussuchen/ oder ich muss ein Gefühl dafür bekommen, wenn ich hier ein neues Fass aufmache, dass das natürlich sofort Auswirkungen auf das ganze System hat und ich da extrem vorsichtig mit sein muss. Und deswegen, dem internen Handlungsimpuls: hey Mensch, das wäre doch cool, das mache ich jetzt eben, da mache ich da eben noch einen neuen Lieferanten dran oder sonst was, am besten noch am System vorbei, und schon gibt es Stress.

MAX MEISTER: Also du beschreibst in dem Fall ein paar Gedankengänge, die ich ab und zu habe. Aber, was mich interessieren würde, also zwei Fragen, aber ich habe mir vorgenommen, immer nur eine zu stellen. Erstens: wenn du die unterschiedlichen Unternehmensbereiche bei dir anschaust und du müsstest denen sozusagen ein Zeugnis geben, super geregelt, hier ist noch viel manuell, welche Bereiche sind gut aufgestellt, welche sind noch nicht soweit?

ALEX HOFFMANN: Also Noten kann ich jetzt da/ ich könnte sie vielleicht mal in eine Reihenfolge setzen. Wie ich gesagt habe, weil ja der Ursprung des Unternehmens auch im Bereich Handel ist, ist die Auftragsabwicklung/ die ist sicherlich am besten geregelt. Im Zusammenhang dann auch mit dem ganzen, sage ich mal, Wareneingang und Versand. Das war ja ein Modul. Wir haben vor etwa vier Jahren mit der/ nein, wann war das? Ende 2016 ist die Entscheidung gefallen worden, in die Produktion zu gehen. Da war ja erstmal null. Das heißt, da haben wir erstmal eine Maschine hingestellt mit einem Betriebsleiter und erstmal geschaut: kommt da eine Schraube raus? Dann haben wir eine kleine Produktion übernommen und haben geschaut: können wir überhaupt Schrauben herstellen? Da ist dann eine Produktion gelaufen, da war aber gar nichts digital. Und jetzt würde ich sagen, dass wir dann auf der Produktionsseite, was die Prozesse angeht, da vielleicht doch, sage ich mal, bei einem befriedigend, ausreichend sind. Das läuft also jetzt schon als System. Wir nennen das die Sortimentsfertigung, weil sie ja standardisiert ist. Das heißt, unsere standardisierte Lagerlogistik ist jetzt verzahnt mit unserer standardisierten Produktion. Allerdings ist die Logistik da definitiv weiter als die Produktion. Ich würde sagen, würde ja, wo der Automatisierungs- oder Digitalisierungsgrad am niedrigsten ist, ist der ganze Bereich Verwaltung. Auch da arbeiten wir in den Prozessen und im Graphen und unsere Kennzahlen sind da natürlich drin abgebildet. Aber das sind oft Dinge, die man auch auf, sagen wir mal, herkömmliche Art und Weise gut an der Seite abarbeiten kann, ohne dass da unsere, ich sage mal, unser, wie du gesagt hast, unsere Maschine da jetzt nicht irgendwie in Mitleidenschaft gezogen wird. Das heißt, auch da arbeiten wir dran. Das ist aber der Teil, da würde ich sagen, der ist am wenigsten digitalisiert. Also ein offenes Feld. Aber Einkauf zum Beispiel, der Einkauf den du eben nanntest, das sieht das jetzt über die Standardisierung schon wieder erheblich besser aus. Also ich war jetzt grade eher so beim Finanzwesen und/

MAX MEISTER: Also tatsächlich, und die zweite Frage, die mich damit beschäftigt: würdest du, wenn du jetzt heute nochmal neu anfangen würdest und dich mit dem Thema sozusagen beschäftigen würdest, würdest du das wieder in der gleichen Reihenfolge machen? Das heißt, Verkauf, Sales, Webshop, Produktion, dann Einkauf und Schrägstrich Verwaltung? Oder würdest du da irgendwas ändern?

ALEX HOFFMANN: Also wir sprechen da oft drüber und ich sage mal, jetzt ist der/ der Heiko ist in dem Graphen am tiefsten drin und ist sozusagen der Architekt des Systems. Und ich kümmere mich da drum, dass wir da die Rahmenbedingungen schaffen, dass dieses System auch funktionieren kann. Würde er das System auf dieselbe Art und Weise nochmal programmieren, vermutlich im Rückblick nicht, aber das spielt überhaupt keine Rolle, weil, das sehen wir immer wieder, das ist ja wie in einem Puzzle. Ich kann ja nicht sagen: das eine Puzzlestück ist jetzt wichtiger als das andere, nur weil auf dem einem langweiliger Himmel ist, muss ich es ja trotzdem am Ende machen. Natürlich fange ich mit den Augen von dem süßen Hund irgendwie an. Aber am Ende, wenn ich ein Puzzle machen will, muss ich alle Stücke legen. Und ob ich die jetzt von links nach rechts verarbeite oder von rechts nach links, das macht vielleicht schlussendlich am Ergebnis gar nicht so einen großen Unterschied, vielleicht in der Geschwindigkeit ja. Aber im Großen und Ganzen war der Weg sicherlich ein logischer. Also aus der Logistik kommend, dann den Engpass sehend in die Beschaffung und dann in die Produktion gehen. Und dann, sagen wir mal, die Peripherie dann automatisieren im letzten Schritt.

MAX MEISTER: Also, freut mich. Weil ich das in dem Fall ähnlich sehe. Man muss hauptsächlich anfangen und dann Zug um Zug weitermachen. Und da kann man sich zu Tode planen. Wenn man dann nichts macht, hat man auch nicht viel gewonnen. Also dementsprechend entspricht es schon eigentlich, sage ich mal, unserer Auffassung. Was mich jetzt noch interessieren würde: ich habe sozusagen die/ du nennst es der Graph. Ich habe die Software Architektur/ da habe ich noch kein so Gefühl dafür. Also ich sage, bei uns, wir haben ein ERP System, wir haben eine Datenbank, wir haben an dem ERP System, an der Datenbank haben wir einzelne Software Module, wie beispielsweise unser Dispositionsmodul oder unsere Logistiksoftware. Aus welchen Komponenten besteht sozusagen das System bei euch? Habt ihr ein ERP und den Graph oder wie funktioniert das?

ALEX HOFFMANN: Also der Graph ist eben kein ERP System. In einem ERP System wird ja versucht, über einen Standard/ oder, sage ich mal, da muss ich schlussendlich dann doch die Prozesse in den Standard bringen. Weil das ERP System viele Nutzer hat, die in demselben System arbeiten müssen. Bei uns ist es so, das ist also quasi eine Custom Made Unternehmenssoftware, die sich ja permanent verändert, weil da drin gearbeitet und modelliert wird. Das ist eine Unternehmenssoftware, die aber gleichzeitig auch die Datenbank ist. Also das liegt in sich selber. Das heißt, da ist der Graph, in dem sind die Daten, in dem wird modelliert. Es gibt auch Schnittstellen zu anderen Softwaren. Wenn wir sagen, wir verfolgen da einen Open Source Ansatz, da geht es primär darum, dass die Durchgängigkeit gewahrt bleibt. Es geht jetzt nicht da drum, möglichst dogmatisch keine andere Software zu benutzen. Sondern es geht darum, dass diese Software/ wir haben mal gesagt, wenn ich an einer/ eine Steuerung einer Maschine in den Graph bringen will, dann muss ich mindestens in der Lage sein, über den Graphen jeden Knopf der Maschine zu drücken. Und wünschenswert wäre, wenn ich im Graphen einen neuen Knopf auf die Maschine programmieren könnte. Und, sagen wir mal, grade im Maschinenbaubereich, die kommen ja aus dem Maschinenbau und weniger aus der Software, da sind diese Schnittstellen oft in der Form nicht gegeben. Und dann entscheidet man sich vielleicht eher dann doch für eine ältere Maschine, ohne so eine Steuerung und kann das dann besser kontrollieren. Andere Software Module – ich meine, ich arbeite ja da mehr auf der Marktseite, vielleicht kann ich das da anhand von einem Beispiel mal illustrieren. Wir hatten das Thema, dass wir einen Newsletter verschicken wollten. Und dann gibt es natürlich da sehr einfache und sehr effektive Systeme. Da kann man sich einen Mailchimp oder sonst was runterladen und das funktioniert. Aber das Thema da war sofort, ich muss dann meinen Datensatz bei Mailchimp auf den Server laden. Auf einmal habe ich zwei Datensätze. Die werden unterschiedlich gepflegt. Und ab Tag eins sind die schon nicht mehr identisch und ich habe keine Kontrolle auf diesen, sagen wir mal Datensatz Mailchimp, den weiter aktuell zu halten. Was uns dann an der Stelle dazu/ ich hätte das ja gerne benutzt, weil es ja gut funktioniert. Und das heißt, wir sind auch an der Stelle wieder reingegangen, haben überlegt: wie ist der Ablauf eines Newsletters von der Erstellung bis zum Versenden, haben für uns die Prozesse erarbeitet, im Graphen abgebildet, die Daten sind alle verfügbar. Und natürlich greift dann mein (…) Newsletter Modul auf die Datensätze der Logistik zurück. Also da wird jetzt nicht ein neuer Datensatz/ Das heißt, im Graphen sind alle Informationen verfügbar, mit jedem Prozess verknüpft zu werden. Und das ist dann am Anfang vielleicht mal ein bisschen kopflastig mehr Arbeit, was ja oft auch ganz gut ist, wenn man vorher mal ein bisschen drüber nachdenkt, was man da vorhat. Und das aber dann nach hinten raus natürlich zu einer Durchgängigkeit und zu einem hohen Grad an Automatisierung führt.

MAX MEISTER: Also die Vorteile sind da sofort ersichtlich. Wir nutzen E-Mail Automation, machen wir mit SendinBlue. Aber wir versuchen schon auch möglichst viel wirklich bei uns im System zu entwickeln. Also, ich bekomme aber oft die Frage gestellt: Max, als ein Beispiel, wenn du jetzt Fotograf bist, würdest du doch auch nicht Photoshop nachbauen, weil, die können das doch viel besser. Was würdest du da antworten, wenn das einer zu dir sagt?

ALEX HOFFMANN: Also Photoshop ist ja ein klassisches Beispiel für eine proprietäre geschlossene Software, die eine sehr gute Anwenderoberfläche hat. Wir benutzen bei uns dann ausschließlich Gimp, obwohl die Oberfläche schlechter ist. Oder zum Beispiel LibreOffice, wenn wir zum Beispiel/ es soll aus dem System automatisch eine Präsentation erstellt werden. Solche Funktionen gibt es. Das bekomme ich mit einer Software wie Photoshop oder mit (…) anderen geschlossenen Softwaren an der Stelle gar nicht hin. Wir haben das zum Beispiel auch bei einem CAD Programm gehabt. Wir haben zum Beispiel die Schrauben, die Abmessungen, die sollen ja bei uns, wenn wir unser Sortiment erweitern, dann soll das skalierbar sein, dass wir in den Hunderten und in den Tausenden in kurzen Zeiträumen neue Sorten anlegen können. Dann setzt sich da ja nicht einer hin und erstellt dann händisch die ganzen Zeichnungen für die Schrauben. Sondern, die müssen ja aus dem Datensatz der Abmessung Schraube abgeleitet werden. Und dazu brauche ich natürlich eine Software, die das kann und die offen genug ist, dass das funktioniert. Und wenn die Software nicht da ist, dann muss man es halt selber machen. Aber vielen Fälle gibt es ja halt, sie muss nur offen sein. Und tatsächlich ist, und da würde ich sagen, ist Screwerk sicherlich auch ein (…) Einzelfall. Wir sind vollkommen frei von proprietärer Software aus diesem Grund. Also Screwerk und das ganze System Screwerk ist tatsächlich ein durchgängiges, naja, Open Source ist das falsche Wort, weil, da haben wir/ du hattest ja im Vorgang zu dem Gespräch gesagt: lass uns doch über den Open Source Ansatz von Screwerk sprechen. Der setzt voraus, dass man den Graphen dann auch runterladen kann. Das war auch immer wieder Thema, sage ich mal, vom Ansatz her ist er ein Open Source Produkt. Aber man kann ihn nicht runterladen. Deswegen ist dieser gemeinsame Entwicklungsgedanke vom Open Source da nicht enthalten. Aber die Module die wir haben sind es durchaus.

MAX MEISTER: Also tatsächlich finde ich das sehr interessant, ich würde da gerne versuchen für mich die Brücke zu schlagen zwischen: wir haben jetzt auf der einen Seite, sage ich mal, Ludwig Meister, bestehendes Geschäft. Was müsste man machen, um noch viel mehr Regeln sozusagen als Grundlage zu haben, um weniger Ausnahmen und ähnliches? Also da weiß ich noch nicht genau, wie ich sozusagen die Reise angehen könnte, dorthin zu kommen. Also, ihr habt ja die Firma in dem Sinne neugegründet und dann habt ihr wahrscheinlich, vermute ich jetzt mal, relativ früh entschieden, dass das schon eine Richtung sein soll, in die ihr gehen wollt. Wie würdest du denn heute, wenn jetzt jemand, sage wir so beim Abendessen, jemand zu dir kommt und sagt: du, ich habe auch einen Handel oder ich würde gerne in die Richtung gehen. Wie würdest du ihm empfehlen, soll er denn anfangen in die Richtung zu denken?

ALEX HOFFMANN: Also wir haben tatsächlich ja das Unternehmen auf die grüne Wiese gebaut, direkt mit dieser Architektur. Das hat aber schlussendlich gar nicht so einen Einfluss. Weil, jedes System kann man transformieren irgendwohin. Und der Weg dahin ist einfach, wie du es grade schon gesagt hast, man muss halt mal anfangen. Man nimmt sich einen ganz kleinen Teilbereich raus und regelt den und regelt den nach diesen Grundsätzen, die wir grade besprochen haben. Und das heißt Stück für Stück. Die Auswahl der Werkzeuge ist da sicherlich auch eine Herausforderung. Aber ihr habt das ja schon gemacht. Wenn du sagst, bei euch im Einkauf seid ihr schon recht weit automatisiert, da habt ihr euch ja über die Abläufe Gedanken gemacht. Und welche Möglichkeiten hast du? Du hast die Software selber. Und ich sage mal, der große Hebel liegt ja in der Standardisierung. Das hast du sicherlich auch schon gemerkt. Du kannst dich natürlich rühmen, hundert Millionen Artikel zu haben und die Verwaltung derer ist dann, sagen wir mal, ein anderes Thema. Das ist dann ja nicht zu digitalisieren an der Stelle, weil jeder Artikel am besten noch ein/ also wir waren mal bei einem großen Händler. Das war ein Großhandel auch für Unternehmen und Industrie. Und da sind wir dann hingegangen und der hatte auch hunderttausende Artikel und eine riesen Halle, alles Logistik. Und dann standen wir dann da drin und dann haben wir gefragt: aber wie entwickelt sich das denn hier? Ja, einer von diesen dicken Kataloghändlern war das, die in jeder Firma da/ oder die früher dalagen. Wie sucht ihr denn diese Produkte an der Stelle aus? Und da hat er gesagt: ja, immer wenn die irgendwas brauchen oder irgendwas bestellen, dann kaufen wir halt zehn davon. Da habe ich gedacht: so läuft das dann. Und dann hatte der tatsächlich zwei Flaschen Pril dastehen, eine grüne und eine rote. Da haben wir gesagt: und warum gibt es das jetzt zum Beispiel hier, das Waschmittel in Grün und in Rot? Und dann hat er gesagt: weil das einmal einer grün haben wollte und der andere rot. Also das ist ja, sage ich mal, Highway to Hell. Das versuchen wir eben genau anders rum zu machen. Die Standardisierung, da geht es darum, zu reduzieren. Ich reduziere so viel wie möglich. Am Anfang haben wir nicht alle Schrauben verkauft. Wir haben NUR Schrauben für Kunststoffe verkauft. Weil das schon komplex genug war. Wir haben uns jetzt auf den Weg begeben, unser Modell zu skalieren von Schrauben für Kunststoffe auf Schrauben. Und dafür mussten wir schon eine neue Produktion aufbauen und, und, und, und, und. Das ist also vom Ergebnis her, also von Schraube für Kunststoffe in die nächste Dimension Schraube. Und da arbeiten wir jetzt seit vier Jahren dran. Also da sieht man, wie groß der Hebel von der Reduktion ist oder anders herum, wie schwierig das ist, Komplexität zuzufügen. Wenn ich jetzt sagen würde: ich will Screwerk für alle industriellen C-Teile machen, dann ist das schlichtweg zu groß. Was man aber sehen kann anhand jetzt bei uns auch der Schraube für Kunststoffe: dieser Teil, der ist jetzt einmal schlussendlich geregelt. Da gibt es auch keinen Optimierungsbedarf mehr. Da kann auch, sage ich mal, kein asiatisches Billiglohnland durch Ausnutzung der Ressource Mensch das irgendwie noch billiger machen. Sondern das ist geregelt. Da habe ich die Maschine schlussendlich mit dem Endkunden verknüpft. Und das ist ja eine sehr nachhaltige Arbeit und deswegen auch eine befriedigende Arbeit. Aber das sind halt ganz viele kleine Schritte, so wie du das bei euch mit dem Einkauf angefangen hast und dann nimmt man sich das nächste kleine Modul vor. Und wenn die zu groß sind, da kann man nur sagen: macht sie so klein wie möglich. Weil, das sehen wir bei uns auch immer wieder im Team, heute machen wir mal, keine Ahnung, das Mailing oder so. Das ist dann die erste Idee und das erste Bedürfnis und dann sieht man: das ist nicht eine Aufgabe, das sind zwanzig Aufgaben. Und da muss ich das erstmal wieder in zwanzig Aufgaben zerlegen. Und wie beim Puzzle, ich muss alle zwanzig Aufgaben machen, damit es am Ende auch wirklich durchgängig funktioniert. Und der einzige Weg dahin ist Schritt für Schritt.

MAX MEISTER: Also in dem Fall, da rennst du offene Türen bei uns ein oder bei mir ein. Weil, das ist unser Mantra. Mache Probleme so klein wie es geht, weil, nur dann hast du eine Chance, das überhaupt geregelt zu bekommen. Also das sehe ich wirklich ganz genauso.

ALEX HOFFMANN: Und dann macht es auch Spaß. Sonst hat man ja auch keine Erfolgserlebnisse.

MAX MEISTER: Genau, weil man nicht fertig wird. Also, das schlimmste was passieren kann ist, wenn ein Geschäftsführer einen Kundenwunsch hört und der dann sagt: oh, da haben wir irgendwie in einem Projekt in der Finanzbuchhaltung, da hänge ich dieses Problem mit dran. Und dann werden die Projekte immer größer und werden nie fertig. Also dementsprechend, das sehe ich wirklich ganz genauso. Du hast vorher gesagt Highway to Hell, also ich würde es sozusagen eher/ weil, bei uns ist es zum Teil so, dass wir einfach auch sehr viele kundenindividuelle Sachen beschaffen. Das ist ein gewisses Dilemma. Also, weil das sozusagen Stand heute auch zu unserem Geschäftsmodell gehört. Aber das muss man auch immer wieder bewerten. Und jetzt hätte ich eigentlich noch eine Frage zum Abschluss sozusagen. Du hast vorher das Beispiel vom E-Mail Newsletter gebracht. Da hast du gesagt: da muss man sich davor hinsetzen und einen Kopf machen. Und mir geht es oft so: du fängst an und dann bist du mitten in dem Projekt und dann weißt du schon gar nicht mehr, warum du angefangen hast, ein bisschen provokant gesagt. Wie macht ihr denn das? Wenn ihr jetzt einen neuen Prozess durch Regeln ersetzen wollt oder durch Regeln beschreiben wollt, habt ihr da eigene Mitarbeiter, die auf sowas draufgehen, machst du und dein Mitgründer das? Wie macht ihr sowas konkret?

ALEX HOFFMANN: Ja da spielt der Heiko eine entscheidende Rolle. Das habe ich ja gesagt, wir nennen das bei uns das Architektenmodell. Am Anfang ist die Anforderung. Die kann auch aus der Organisation kommen. Da geht es erstmal los, dass jemand schon in der Lage sein muss, eine Anforderung sauber zu formulieren. Das heißt, viele formulieren die Anforderungen ja schon mit einem Lösungsvorschlag. Und wenn ich damit dann zum Software Entwickler gehe, dann übernimmt er den Lösungsvorschlag und dann funktioniert es wieder nicht. Das heißt, ich muss erstmal die Anforderung sauber definieren. Dann muss man sehr viel Zeit in die Planung und in die Abläufe stecken und sich genau überlegen: was ist denn das Ziel? Man darf auch das Ziel dabei nicht aus den Augen verlieren. Weil, sonst plant man da so eine eierlegende Wollmilchsau, die dann die Komplexität wieder zu viel erhöht. Das heißt, es geht auch hier wieder um die Reduktion. Was war nochmal das Ziel? Wir wollten nur einen Newsletter rausschicken. Jetzt ging es hier nicht um automatisierte und an alle Kunden. Und zwei Wochen nachdem er/ natürlich gibt es tausend Features, die super wären, wenn man sie hätte, die aber dazu führen, dass das eigentliche Ziel, nämlich, ich wollte einen Newsletter schicken, gar nicht erreicht wird. Das heißt, auch hier wieder: klein machen, klein machen, klein machen, planen, planen, planen, um dann, und das ist die, sage ich mal, das Thema Architektenmodell, dann wird dieser Prozess in den Gesamtprozess mit eingebettet. Und da muss es eine übergeordnete Instanz geben, die die Abhängigkeiten auch zu anderen Knoten an der Stelle überprüft, dass das auch alles jetzt zusammen funktioniert. Weil, oft hat ja der Prozesseigner an der Stelle, wenn er in so einem Gesamtdatenmodell arbeitet, gar kein Gefühl dafür, was jetzt die Verknüpfung oder die Entknüpfung an der Stelle, an anderen Stellen dann verursacht. Und das heißt, dann geht er nochmal drüber. Und das sage ich mit/ er programmiert das Unternehmen. Dann wird dieses Ding dareingesetzt und ins System programmiert und dann wird es freigeschaltet und läuft.

MAX MEISTER: Also ich kann mir vorstellen, wenn ihr das gut hinbekommt oder, dass ihr das gut hinbekommt, dass auch die Anforderungen, die aus dem Unternehmen kommen, schon sozusagen Hand und Fuß haben und vielleicht auch der Bewertungsaufwand nicht ganz so hoch ist, sozusagen aber wirklich die Umsetzung, wie dann sowas abgearbeitet wird, ist es dann bei euch ein IT Projekt oder ist es/ dann bleibt es im Verkauf?

ALEX HOFFMANN: Das ist Graph-IT, richtig. Die Implementierung im Graphen, das ist Graph-IT Aufgabe. Das heißt, die Organisation, die kann sich was wünschen, die kann eine Anforderung formulieren. Aber sie kann weder den Zeitpunkt der Implementierung beeinflussen, noch die Art und Weise. Sie kann nur sagen: ich benötige. Hier ist mein Engpass. Es kann auch sein, musst mit dem Engpass leider weiterleben. Es gibt andere Dinge im Unternehmen, die ist gerade wichtiger. Weil, der größte Engpass bei uns ist die Ressource Graph-IT natürlich. Weil die, wie soll ich sagen, das ist ja wie das Auge Mordors, das kann immer nur auf einer Stelle sein. Und es kann nicht überall gleichzeitig hinschauen. Und das wichtige ist ja wirklich auch die Konzentration auf eine Aufgabe und jetzt nicht da so ein riesen Multi Tasking anzufangen. Wir machen schon ein paar Projekte auch parallel. Aber wir versuchen es wirklich möglichst seriell zu halten. Und manche Dinge, die passieren halt auch nie. Dann machst du halt weiter per Hand. Natürlich sind die alle angefüttert, weil sie wissen: warte mal, wenn die jetzt kommen, da schreiben die uns einen schnellen Skript und dann geht das alles automatisch, dann muss ich hier nicht jedes Mal hier drei Dokumente öffnen, um da irgendwie den und den Vorgang dann abzuschließen. Sondern das könnte doch alles schon da sein. Aber wie gesagt, man kann sich das wünschen und wenn es wirklich ein Engpass ist, dann kommt auch, sage ich mal, der Graph-IT Krankenwagen und repariert oder entwickelt das da alles. Und ansonsten muss man an der Stelle erstmal analog weiterarbeiten.

MAX MEISTER: Also in dem Fall, mir kommen da wirklich noch sehr, sehr viele Fragen und ich finde das auch echt super spannend und mich freut das, dass ihr durch, sage ich mal, Standardisierung, durch Fokussierung und auch wirklich eine gute Priorisierung da vorwärtskommt. Und zum Abschluss würde ich gerne sagen: wenn die Zeiten wieder so sind, dass man gemütlich durch das Land reisen kann, dann würde ich wirklich gerne mal bei euch sozusagen Mäuschen spielen, mal auf den Einkauf draufschauen und auf den Verkauf und wie ihr das macht. Und da würde ich gerne dann nochmal eine zweite Folge aufnehmen. Aber dann wirklich bei euch vor Ort. Und dann können wir das einfach auch nochmal ein bisschen im Detail diskutieren. Weil, ich finde es super sozusagen, dass ihr diesen Weg geht. Also das muss ich klar sagen.

ALEX HOFFMANN: Vielen Dank. Und du bist natürlich/ wir freuen uns, wenn du kommst. Die Türen sind immer auf. Und ich gehe mal davon aus, dass es ja auch jetzt irgendwann wieder möglich sein wird.

MAX MEISTER: Genau, das glaube ich auch. Also von meiner Seite aus, vielen Dank schon mal für deinen Input. Und ich wünsche euch viel Erfolg und ich melde mich auf jeden Fall.

Links:

Ludwig Meister

Screwerk GmbH.

 

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