StartupLog – Logistik für technologieorientierte Start ups.

Max im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner,
fml – Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik
Technische Universität München

Heute ist Max Meister an seiner ehemaligen Universität, TUM in Garching. Und freut sich sehr einen Podcast mit Professor Fottner vom Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik aufnehmen zu können.

„Technologieorientierte Startups sind junge Unternehmen mit einem großen Wachstumspotenzial und einer hohen Wachstumsgeschwindigkeit. Sie werden meist mit einem geringen Startkapital gegründet und verfolgen das Ziel, ein innovatives Produkt auf den Markt zu bringen. … Der rein technische Hintergrund der Startups sowie der hohe Innovationsgrad und das geringe Startkapital führen dazu, dass sich technologieorientierte Startups zu Beginn eher auf die Produktentwicklung und Finanzierungsaspekte fokussieren. Querschnittsfunktionen wie die Logistik und deren Beitrag zum Unternehmenserfolg sowie mit ihnen verbundene Herausforderungen werden häufig nicht erkannt oder nicht bewusst antizipiert.“ 

Das ist die Einleitung zu einer Studie zum Thema Start up und Logistik, die Herr Professor Fottner zusammen mit Kollegen 2018 herausgegeben hat. Und spannender Inhalt unseres heutigen Podcasts. Professor Fottner erklärt sehr plakativ, wo Stolperstellen für Start ups in der Planung von Logistik und  Supply Chain liegen und wie man sie meistern kann. Viele wertvolle Tipps, nicht nur für Start ups. Die links, die im Podcast angesprochen werden, findet Ihr am Ende des Transskripts.

Viel Freude beim Hören.

 

Transskript

 

Transskript/Links 

Max: Willkommen zu Max und die SupplyChainHelden, deinem Unternehmer-Podcast zum Thema Einkauf und Logistik im digitalen Wandel. Gedanken, Erfahrungen und vor allem Erkenntnisse aus dem Bereich Supply Chain Management, ganz ohne Beratermission – einfach, verständlich, eben aus Unternehmersicht. Ich bin Max Meister und wünsche euch viel Spaß.

Ja, hi. Also willkommen zu einer neuen Folge von „Max und die Supply-Chain-Helden“. Heute bin ich an meiner ehemaligen Universität, TU in Garching. Und es freut mich sehr, dass ich einen Podcast aufnehmen durfte mit dem Herrn Professor Fottner vom Logistiklehrstuhl. Oder offiziell heißt der Lehrstuhl Fördertechnik-, Materialfluss- und Logistiklehrstuhl. Und wir haben uns heute konzentriert auf das Thema Logistik rund um das Thema Start-Up. Um ehrlich zu sein, ist es uns gar nicht so einfach gefallen, weil es einfach so viele verschiedene Themen gibt, die uns einfach interessieren. Und deswegen freut es mich, dass wir hier mit Sicherheit noch die eine oder andere Ausgabe hören können. Und ich sage mal so: Die unterschiedlichen Lebenszyklen, in denen ein Start-up ist, brauchen einfach immer unterschiedliche Anforderungen an die Supply Chain. Und ich hoffe, ihr könnt hier ein bisschen was mitnehmen. Wie immer freue ich mich über Feedback. Schreibt mir einfach eine E-Mail an max@supplychainhelden.de. Viel Spaß!

Okay. Also ich sitze heute an der TU in Garching beim Herrn Professor Fottner, seines Zeichens Chef vom Fördertechnik- und Materialflusslehrstuhl hier an der Maschinenbaufakultät. Und in dem Fall muss ich alle vorwarnen: Ich war hier vor vielen Jahren auch mal und habe hier auch versucht eine gute Diplomarbeit abzulegen. Bevor wir loslegen, vielleicht stellen Sie sich einfach mal vor: Was Sie machen und was Ihr Lehrstuhl hauptsächlich macht.

Professor Fottner: Ja, ich heiße Johannes Fottner, bin im Augenblick 47 Jahre alt und trotz des fortgeschrittenen Lebensalters erst seit zwei Jahren Professor, als Nachfolger meines eigenen Doktorvaters. Ich habe also hier auch schon promoviert vor vielen, vielen Jahren, 2002. Was mache ich hier? Ja, wir beschäftigen uns mit den drei Begriffen Fördertechnik, Materialfluss, Logistik. Ein relativ anachronistischer Name, den ich aber mit viel Mühe mir wieder zurückgeholt habe. Ich war berufen als Professor für technische Logistik. Und tatsächlich ist uns sehr wichtig dieser Name Fördertechnik, Materialfluss, Logistik. Warum? Weil da genau die drei Kernthemen drin sind. Fördertechnik, das sind eigentliche Maschinen. Wir sind hier in der Fakultät Maschinenwesen. Das ist uns sehr wichtig, dass wir uns auch mit Maschinen beschäftigen. Das zweite, der Begriff Materialfluss, steht als Synonym für Anlagen. Also die Verkettung von einzelnen Maschinen. Und die Logistik ist schlussendlich der Systemgedanke. Das bildet auch schon ganz gut wider, was wir hier so tun. Wir machen von tatsächlich einfachen oder manchmal auch komplexen Maschinen, Berechnung von Tragwerken, Kranen. Wir haben nach wie vor eines der führenden FEM-Verfahren hier entwickelt, das auch bei jedem größeren Kranhersteller für Mobilkräne eingesetzt wird. Also richtig technische Mechanik bis hin zu Virtual Reality und Augmented Reality. Wir machen Fahrerassistenzsysteme für Gabelstapler. Wir machen Steuerungsalgorithmen für fahrerlose Transportsysteme, die man heute Mobile Robots nennt. Wir entwickeln gemeinsam mit vielen Automotive-Herstellern die zukünftigen Mobile Robots, die die Fertigung unterstützen, die automatisch LKWs abladen. Also ich glaube, wir haben schon ein sehr, sehr breites Feld, mit dem wir uns hier beschäftigen.

Max: Also in dem Fall: Die Zuhörer können uns nicht sehen, aber ich habe schon drei Begriffe aufgeschrieben. Das heißt, ich komme auf jeden Fall nochmal wieder. Okay, und, sage ich mal, allgemein, wenn es um das Thema Logistik und Supply Chain geht-. Ich gestehe, die Themen aus den Tragwerkberechnungen und ähnliches, das waren nicht meine Stärke. Aber, es ist ja ein absolut-.

Professor Fottner: Meine auch nicht.

Max: Ah, okay. Ja, ist gut zu wissen. Das ist ja sozusagen eigentlich in aller Munde. Gibt es eigentlich ja keinen Tag, wo man nicht irgendwo liest, wie wichtig die Logistik heute ist. Von der Lehrstuhlgröße her würde mich noch interessieren: Wie viele Mitarbeiter haben Sie und wie viele Themen bearbeiten Sie? Oder können Sie da einen kleinen Überblick geben?

Professor Fottner: Ja, also wir sind immer so rund um die 60 Personen am Lehrstuhl. Manchmal sind wir nur 50, manchmal sind wir dafür 65. Das besteht hauptsächlich aus wissenschaftlichen Mitarbeitern, also Doktoranden. Meine Zielgröße ist so rund rum um die 35. Das kann man noch einigermaßen als Professor betreuen. Damit haben wir auch eigentlich immer mindestens 35 Forschungsprojekte, die so am Laufen sind. Nicht parallel, aber jeder der Assistenten muss natürlich eines dieser Forschungsprojekte bearbeiten. Denn es ist auch seine Finanzierung. Und den Rest der Zeit darf er sich dann mit Forschungsthemen, mit Industrieprojekten, die wir auch gern mit Industriepartnern direkt machen-. Logistikplanungen, neue Konzepte, innovative Ideen für einzelne Unternehmen. Also das ist so der Aufbau. Der Rest sind durchaus auch wichtige Personen hier am Lehrstuhl. Mein Sekretariat. Sie haben vorher die Frau Stefani wieder getroffen, die Sie sicherlich schon kannten. (Max: Korrekt.) Wir haben die Frau Kommer noch hier, die auch dafür sorgt, dass ich einen Terminkalender habe, der einigermaßen strukturiert ist. Das ist auch eine wichtige Art von Logistik. Und dann ist uns ganz extrem am Herzen die Ausbildung nicht nur von Studenten, sondern auch von Berufsbildenden, also sprich unser duales System. Wir haben hier Azubis, wir haben sechs Azubis immer in der Werkstatt drüben. Wir wollen ganz gern auch Fachkräfte für die Zukunft ausbilden. Denn der Ingenieur allein wird uns nicht reichen.

Max: Ja, das ist absolut richtig. Das hört man ja heutzutage eigentlich auch an allen Ecken und Enden. Wir versuchen das in der Regel auch. Bevor wir über ein konkretes Forschungsprojekt sprechen, würde mich noch interessieren: Außerhalb vom Lehrstuhl, was sind so Themen, mit denen Sie sich beschäftigen? Gern auch außerhalb von der Logistik, aber natürlich auch im Bereich Supply-Chain-Management.

Professor Fottner: Meinen Sie jetzt mich persönlich oder meinen Sie jetzt den Lehrstuhl?

Max: In dem Fall jetzt erstmal Sie persönlich und danach gern nochmal im Detail den Lehrstuhl.

Professor Fottner: Ja, ich beschäftige mich tatsächlich relativ viel im Augenblick mit zwei Hauptthemen. Nämlich das eine Thema ist die Ausbildung der zukünftigen Ingenieure. Also im Rahmen des VDI, dessen Landesverbandsvorsitzender für Bayern ich bin, bin ich in etlichen MINT-Initiativen dabei, weil es mir schon am Herzen liegt, die schulische Ausbildung möglichst so zu machen, dass wir auch in Zukunft wirklich hervorragend ausgebildete junge Leute haben. Denn davon hängt unsere Wirtschaft maßgeblich ab. Ich habe noch ein zweites Hobbythema. Das ist das Thema China. Ich bin seit letztem Juni der Vorsitzende eines neu gegründeten Vereins. Der heißt Deutsch-chinesische Initiative für Unternehmen und Bildung. Da geht es uns ganz genau darum, dass fast alle Unternehmen inzwischen verstanden haben, dass China als Markt so spannend ist, dass eine gewisse interkulturelle Affinität für zukünftige Mitarbeiter extrem wichtig ist. Und wir wollen in einem relativ frühen Stadium, nämlich irgendwo zwischen Schule und Studium, ganz gern die Unternehmen und talentierte junge Leute zusammenbringen. Denen auch schon mal ein bisschen erzählen, warum kümmert man sich eigentlich hier um das Thema China. Ich selber wurde ja einfach mal so reingeschmissen, indem ich mich als Geschäftsführer eines Mittelständlers um China kümmern musste oder auch wollte. Ja, im Endeffekt war es nur noch „wollte“, weil es ein wahnsinnig spannender Markt ist, der von einer Dynamik beseelt ist, die wir hier nicht immer kennen. Aber es ist eigentlich synonym für interkulturelles Agieren. Es geht gar nicht nur um China. Es geht darum, dass wir heute-. Man kann der Globalisierung negativ gegenüberstehen, aber wir sind heute eine Welt, die so vernetzt ist, dass wir interagieren mit den unterschiedlichsten Kulturen. Das sind so meine zwei Haupttreiber auch auf persönlicher Ebene.

Max: Okay. Also zum Thema China und berufliches Engagement, da kann ich es auf jeden Fall schon mal ankündigen, wollten wir uns eh nochmal gesondert davon unterhalten. Ich halte das für genauso wichtig. Und die Globalisierung und die Digitalisierung wird nicht an uns vorübergehen, sondern wir müssen uns da aktiv mit beschäftigen. Und das ist eigentlich auch ein Grund, warum ich heute hier sitze. Wenn wir über das Thema Forschungsprojekte reden, habe ich ein bisschen auf der Homepage geschaut, was aktuell abgeschlossen wurde oder was für Themenfelder, für die ihr euch im Moment interessiert-. Und da bin ich auf ein Forschungsprojekt gestoßen, das heißt StartupLog. Und da wollte ich einfach mal fragen: Um was geht es da? Was war da der Hauptfokus?

Professor Fottner: Ja, StartupLog war eigentlich ein Thema, was uns sehr auf den Nägeln gebrannt hat. Wir als Lehrstuhl sind tatsächlich doch relativ regelmäßig Anlaufpunkt für junge Menschen, die vor dem Gedankengang stehen, sich unternehmerisch zu engagieren. Wir haben auch vom Lehrstuhl selber schon relativ viele Firmen quasi hervorgebracht. Das ist ja auch eine Stärke der TU München, die ja als unternehmerische Universität gilt. Ja, und wir haben aber auch beobachtet, dass gerade die Start-ups vor lauter Engagement, Aktivität, Agilität am Anfang einen Spirit haben, der sie treibt, der aber schon irgendwann unterlegt werden muss mit einem eher professionellen Fundament, wo auch ganz althergebrachte Dinge wie z.B. die Logistik berücksichtigt werden müssen. Sie werden am Ende des Tages nur erfolgreich mit einem Unternehmen sein, wenn Sie das, was sie tun, vor allem wenn es Produkte sind, erfolgreich produzieren, erfolgreich teilweise zukaufen, erfolgreich wieder distribuieren, also an den Kunden verteilen. Und das ist nicht etwas, was einfach auf den Bäumen wächst, sondern was ein Unternehmen lernen muss. Da war unser Gedankengang mit dem Projekt StartupLog, ganz bewusst mal zu überlegen, eine Leitlinie oder eine Checkliste zu generieren, an welcher Stelle der Unternehmensentwicklung-. Wenn man mal ganz am Anfang anfängt, so die Produktidee oder die Geschäftsidee steht da, da muss man sich natürlich noch nicht so sehr mit Produktion und Logistik beschäftigen. Aber wenn man durch diese einzelnen Lebenszyklen geht: An welcher Stelle muss ich denn anfangen mit was, mit einer Planung für die eigentliche operative Logistik wirklich mich zu beschäftigen?

Max: Also grundsätzlich, es gibt ja auch ein paar Geschäftsmodelle, wo man ganz am Anfang sich schon um Logistik natürlich kümmern muss, aber bei sehr vielen ist es nicht so, gerade wenn neue Produkte konstruiert und gebaut werden. In dem, sage ich mal, Begleitpapier zu dem Forschungsprojekt haben Sie geschrieben oder steht geschrieben, dass es sozusagen vier typische Phasen gibt. Oder unter anderem. (Fottner: Genau.) Das heißt Businessplanung, das heißt Geschäftsmodell entwickeln, das heißt den grundsätzlichen Plan entwickeln. Thema Produktentwicklung. Dann geht es in Richtung Prototypenfertigung und dann irgendwann geht es in Richtung Serienfertigung. (Fottner: Ja.) Was ist denn so die grundsätzliche Aussage von StartupLog? Wo sollte man ansetzen und wo sollte man im Zweifelsfall auch einfach um Hilfe fragen und schauen, in welche Richtung man sowas entwickeln kann?

Professor Fottner: Na, jetzt könnte ich natürlich als inzwischen von der Logistik total begeisterter Mensch sagen: Es gibt keinen Zeitpunkt, der zu früh wäre, sich damit zu beschäftigen. Wir wissen heute, dass der Unternehmenserfolg von wirklich vielen Unternehmen ganz, ganz stark geprägt ist von der Logistik, die früher ja eine reine Hilfsfunktion war. Aber jetzt werden wir wieder etwas neutraler. Es steht natürlich nicht bei jedem Unternehmen die Logistik im Vordergrund, aber spätestens ab dem Teil, wo ich beginne mit einer Prototypenfertigung, muss ich natürlich schauen: Was bedeutet denn diese Produktentwicklung, diese Produktentstehung auch vor dem Hintergrund eines Einkaufs, einer Beschaffung, einer Verteilung der Produkte? Da bin ich wirklich der Meinung, an der Stelle muss man spätestens eigentlich anfangen, sich intensiv Gedanken zu machen. Man wird in dem Forschungsbericht, der übrigens frei zugänglich ist, den kann man auch bei uns über die Internetseiten immer wieder frei herunterladen, sehr schnell erkennen, dass man hier wunderbar nach einem Kochrezept vorgehen kann.

Max: Den Forschungsbericht werden wir nachher unten im Text verlinken (Fottner: Sehr schön), so dass ihr euch den einfach herunterladen könnt. Was sind denn die Hauptthemen oder die Hauptschwierigkeiten, wenn ich jetzt eine Start-up-Logistik im Bereich Prototypen/ Serienfertigung vergleiche mit einer etablierten Logistik oder überhaupt die ganze Versorgungskette oder die Supply Chain.

Professor Fottner: Was ist der Unterschied? Ich glaube, das wissen selbst die meisten mittelständischen Unternehmen relativ gut, die es auch vielleicht schon viele, viele Jahre gibt. Wenn ich einen Prototypen entstehen lasse, dann muss ich erstmal darauf schauen, dass ich möglichst meine Teile in der richtigen Qualität bekomme. Dann muss ich schauen, dass ich vielleicht einen Partner habe, mit dem ich auch immer wieder mal noch was ändern kann. Wir haben also ganz klassisch sehr niedrige Stückzahlen, aber leider, was niemand richtig freut, oftmals Änderungen im allerletzten Moment der Fertigung. Das werden Sie wahrscheinlich auch gut kennen. Das ist immer schwierig, wenn ein Kunde im letzten Moment was ändert. Egal ob es am Prozess oder am Produkt ist. Aber das ist typisch für den Prototypenbau. Jetzt wenn so ein junges Unternehmen entsteht. Die sind sehr agil. Und „agil“ ist heute etwas, was sehr positiv gesehen wird, was ich auch extrem positiv sehe, aber Agilität hängt ja damit zusammen, dass ich Sachen ausprobieren möchte, dass ich eben nicht immer bis ins letzte Detail durchplane. Das heißt, in dieser Unternehmensphase wäre es direkt tödlich, zu sagen: „Ich habe jetzt einen Partner, der ist besonders gut darin, höchst effizient, ein und dasselbe Produkt möglichst genau zu fertigen.“ Sondern ich brauche jemand, der mit mir dieses agile Spiel spielt. Und das, glaube ich, ist schon eine wichtige Erkenntnis hier, die hat gar nicht nur was mit Start-ups zu tun. Aber die Start-ups haben auch gar nicht das Netzwerk im Vergleich zu dem etablierten Mittelständler, der schon weiß: „Ah ja, da habe ich den einen Zulieferer. Der ist sehr gut darin, im letzten Moment flexibel zu fertigen die Dinge. Und der andere ist eher so der Serienlieferant.“

Max: Und das heißt, man muss eigentlich sozusagen für die unterschiedlichen Phasen, in denen man ist, entweder unterschiedliche Partner sich suchen, die eben entweder einen Schwerpunkt haben beim Prototypenbau, beim Thema Individualisierung schnell reagieren und vielleicht nicht unbedingt auf die niedrigsten Kosten pro Stück und später eben dann bei der Serienproduktion eher den Fokus auf solche Lieferanten oder Partner suchen.

Professor Fottner: Also wenn jetzt ein Film mitgedreht werden würde, hätte man gesehen, dass ich nicke. Aber sagen tue ich was anderes. Nämlich in der Logistik gibt es eine Antwort, die immer richtig ist, die lautet: Es kommt darauf an. Also es gibt kein falsch und kein richtig in dem Fall. Aber es ist tatsächlich relativ wahrscheinlich, dass man am Anfang eben nicht denjenigen, der die komplexe vollautomatisierte Fertigungszelle hat, die ich einmal in Betriebe nehme und dann macht sie eine Million mal das gleiche, aber dafür hocheffizient, mir suche, sondern dass ich hier wirklich einen Partner habe, der auch tatsächlich auf Augenhöhe mit dem Start-up ist. Das Start-up ist kein hochprofessionalisiertes Unternehmen und das soll es auch nicht sein. Sonst hätte es keine Start-up-Affinität mehr. Sonst wäre es auch nicht mehr so agil, wie man es sich vorstellen möchte. Aber ich glaube, die Kunst besteht darin, eben relativ geplant über die Entwicklungszeit des Produkts und die Entwicklungszeit des Start-ups über diese Stufen, die Sie schon erwähnt hatten, hin ein wenig angepasste Konzepte auch für die Logistik zu realisieren.

Max: Also bei uns ist es so, dass wir sozusagen im Bereich Logistik eine relativ lange Historie haben. Und ich kann das auch verstehen, wenn ich als Start-up noch keine Historie habe, dann ist es schwierig, dort sozusagen Wissen abzuleiten. Und da, glaube ich, ist Erfahrung auch von außen durchaus wichtig. Betreut ihr vom Lehrstuhl aus gesehen auch-. Oder habt ihr eine engere Zusammenarbeit mit dem ein oder anderen Start-up?

Professor Fottner: Ja. Also wenn man hier mal ins Internet guckt, und schaut sich an, wer waren denn die Projektpartner bei diesem StartupLog, dann muss man sagen, da sind natürlich die UnternehmerTUM als erstes Mal dabei. Das ist ja unser Inkubator hier, den wir als TU München haben, mit dem ich wirklich auch auf persönlicher Ebene sehr eng verbunden bin. Der Geschäftsführer dort ist inzwischen jemand, mit dem ich sehr regelmäßig zum Mittagessen gehe. Ja, weil es einfach hoch spannend ist, was da abläuft. Aber gibt ein Unternehmen namens Vemcon, die da dabei sind. Die sind tatsächlich auch ein wenig aus uns hervorgegangen. Auch in Zusammenarbeit mit uns: ParkHere. Begleiten wir seit langer Zeit. Die Firma blik, die auch unter den Projektpartnern ist, die inzwischen eine tolle Zusammenarbeit mit MAN hat. Also richtig auch merkt, dass ihr Produktgedanke anfing zu fliegen. Und zwar ein Produkt mit Prozess gemeinsam. Die haben bei uns gemeinsam das sogenannte Exist-Stipendium gemacht. Das ist ein Gründerstipendium, wo also der Staat auch sehr intensiv fördert. Also es ist ganz klar so, dass wir immer schon eine große Affinität zu diesen Start-ups haben. Und diese Start-ups hier auch in diesem Projekt tatsächlich auch die treibenden Größen waren, die hier uns auch immer wieder gefordert haben. Auch wir wollen sie unterstützen, aber sie müssen natürlich auch ihre Probleme sehr offenlegen. Das ist immer eine Herausforderung und die haben wir hier sehr gut hingekriegt.

Max: Ich würde es so machen, dass wir mal die Unternehmen, die Sie gerade erwähnt haben, auch unten mit aufnehmen. Und wenn hier grundsätzliches Interesse besteht, könnte ich mir vorstellen, dass man da das eine oder andere auch nochmal ein bisschen genauer beleuchtet. Weil in dem Fall, muss ich gestehen, sind mir die Namen nicht besonders geläufig. Das heißt, ich habe heute auf jeden Fall schon wieder was dazugelernt. Was mich noch interessieren würde, ist: Wenn ich jetzt auf den Bedarf eines Start-ups gucke-. Ich sage mal klassisch eher so mit Produktentwicklung, also nicht nur IT-getrieben. Was sind denn so die Hauptstolperschwellen, wenn man sich Partner sucht, die im Bereich Supply-Chain-Optimierung oder in der Realisierung von Supply-Chain-Themen arbeiten?

Professor Fottner: Ja, vielleicht erlauben Sie mir da einen einführenden Satz, weil wir gerade IT so ein bisschen eher als Randthema dann gesehen haben. Natürlich spielt die IT heute bei jedem Unternehmen, eigentlich auch bei jedem Produkt eine große Rolle. Digitalisierung ist überall angekommen. Aber der Titel von StartupLog, der beinhaltet tatsächlich ganz klar die technoloigieorientierten Start-ups. Also es soll hier schon um irgendwas gehen, was auch produziert wird, was auch physisch irgendeine Bedeutung hat. Denn damit ist es klar, dass man auch eine Supply Chain im eigentlichen Sinn braucht und nicht bloß ein gut funktionierendes Cloudsystem für die eigene Serverwelt. Was ist wichtig? Ja, eigentlich tatsächlich wichtig ist, dass viele dieser technologieorientierten Start-ups einfach komplett ihr Produkt im Hinterkopf haben. Meistens auch im Vorderkopf. Eigentlich überall im Kopf. Und hier meiner Meinung nach und für die Logistik extrem wichtig: sehr früh Produkt und Prozess zusammenzuführen. Also so, wie Sie sagen können, Industrie 4.0 als Modewort heute ist keine Technologie. Es geht nicht darum, dass man überall nur Daten einsammelt, sondern es geht darum, dass man Produkt, also Technologie und Prozess zusammenführt. Ja, das muss aber in erster Linie auch im Kopf passieren. Auch so ein Unternehmen muss nicht bloß für seine Produktidee auch einen Prozess dabei haben, sondern vor allen Dingen auch dieses Produkt im eigenen Unternehmen den Entstehungsprozess des Produkts sehr schnell mit dem Produkt verheiraten. Und das, glaube ich, ist etwas, was uns leider gar nicht so sehr im Herzen liegt. Denn das hat schon leicht bürokratische Anflüge. Ich muss mich also damit beschäftigen, wie aus einer fliegenden Idee, die ich als innovativ-. Die super ist, die sexy ist, die Spaß macht. Die hat leider auch Nachteile, denn ich muss Sachen organisieren. Da wird mir dann der Zulieferer sagen: „Ja, du, das geht überhaupt gar nicht, was du da vorhast.“ Das passiert einem mit Sicherheit am Anfang sehr häufig. Und das ist genau der Prozess, warum man eigentlich vermutlich relativ lange damit wartet, diese Stolpersteine überhaupt zu überschreiten, wenn man weiß, man wird stolpern an denen. Und das ist auch nicht böse, solange man nicht hinfällt, sondern man muss hier dazulernen. Man muss hier einfach relativ frühzeitig sich genau anschauen, wie das funktionieren kann. Und dem wollen wir eben helfen. Zu sagen: An welcher Stelle ist es denn sinnvoll, mal wirklich die ersten Hürden, das ist der höhere Stolperstein, mal ganz bewusst anzugehen und zu versuchen zu überspringen. Und auch zur Seite zu stehen und zu sagen: „Das wäre hier für dich die richtige Methode, über diesen Stolperstein zu hüpfen.“

Max: Und welchen Tipp würden Sie geben, wenn jetzt ein Start-up wirklich sagt: „Okay, nein, wir wollen uns jetzt frühzeitig mit dem Thema beschäftigen.“ Wie kommen die über so Hürden? Weil ich glaube, mit einer klassischen Google-Recherche wird es nicht immer funktionieren. Oder?

Professor Fottner: Nein. Also es ist ja tatsächlich so, dass es Gott sei Dank heute ganz viele Menschen gibt, die Start-ups helfen wollen mit viel Erfahrung. Wir zwei beiden kennen uns ja jetzt schon ein bisschen und wir wissen, der Erfahrungsaustausch ist eigentlich oftmals die Basis, um die meisten Dinge zu lernen. Also ich möchte jetzt um Gottes willen nicht die Zunft der Berater hier des Geschäfts berauben, aber man muss ehrlich sagen-. Ich glaube, der persönliche Austausch zu einem sehr frühen Zeitpunkt zwischen unterschiedlichsten Start-ups, zwischen unterschiedlichsten Firmenstrukturen, einfach auch zwischen Menschen, der ist sehr wichtig. Und jetzt muss ich natürlich Werbung für uns selber machen. Auch wir Hochschulprofessoren haben eine gewisse Affinität zur Praxis. Wir sind nicht nur am Mikroskop sitzend.

Max: Okay, also in dem Fall habe ich auch sehr breit gegrinst. Weil wie gesagt ich war hier auch ein paar Jahre unterwegs. Also ich stimme da grundsätzlich zu. Ich glaube, Austausch unter Menschen und man kann immer was lernen. Und wenn man mit Pragmatikern unterwegs ist, dann kommt da in der Regel was Gutes raus. In dem Fall möchte ich vielleicht ein kurzes Beispiel erzählen. Und zwar, wir haben ja auch bei uns einen Laden, wo jeder ein Kugellager kaufen kann oder eine Dichtung. Und da haben wir eigentlich den klassischen Lebenszyklus von einem Start-up mit erleben dürfen. Und zwar die haben drei Lager gebraucht und ein paar Seegerringe und eine paar Dichtungen. Und dann sind die einfach zu uns gefahren und haben das gekauft. Und damit waren wir eigentlich als Lieferant ausgeschieden, weil die haben gesehen, wie viel das bei uns im Laden kostet. Und für die erste große Ausschreibung, wo dann mehrere Prototypen gebaut wurden, waren wir gar nicht mit dabei. Und wir sind dann erst später wieder dazugekommen, als es wirklich um die Ausschreibung der Serienfertigung oder der Serienteile ging. Und in dem Fall haben wir Glück gehabt, aber der pragmatische Ansatz „Wir fahren zu einem Kugellagerhändler und holen da welche“ hat eigentlich eher zur Verstörung beigetragen. Aber ich glaube, das ist ein gutes Beispiel für diese Hürden.

Professor Fottner: Absolut und-. Wobei das Beispiel sogar für was Zweites sehr gut ist, weil offensichtlich dieses Unternehmen ein paar Dinge noch nicht ganz so durchdacht hat, wie man es durchdenken sollte. Denn das ist genau der Schritt vom Prototypenstadium zur Serienfertigung. Es muss uns allen bewusst sein, dass der Prototyp, eben wie wir vorher schon diskutiert hatten, nicht dadurch besticht, dass jedes einzelne Teil so kostengünstig wie möglich ist. Ich muss mir überlegen, was dieses Teil in Zukunft in der Serienfertigung kosten wird. Wenn ich reiner Anlagenbauer bin, dann muss ich immer damit leben, dass ich höhere Preise bezahl, weil ich Einzelteile habe. Das ist auch ein Teil der Standardisierung. Das gehört übrigens auch zur Logistik dazu, hier ganz klar zu sagen: „An welcher Stelle muss ich auch das Produkt logistikgerecht überarbeiten.“ Das klingt jetzt ein bisschen so, als würde man sagen: „Du musst alles für die Logistik tun.“ Das stimmt natürlich nicht. Aber nachdem wir erkannt haben, dass die Logistik durchaus wichtig für den erfolgreichen Produktlebenszyklus ist, muss ich natürlich auch schauen, dass einzelne Komponenten beispielsweise durch Standardisierung, durch Baukasten, durch Modularisierung auch so gestaltet sind, dass sie logistikorientiert günstig werden können. So. Jetzt zurück zu Ihrem Beispielunternehmen. Wenn die natürlich am Anfang schon so gute Erfahrungen mit Ihrem Laden gemacht haben, dann sollten sie doch durchaus im Hinterkopf behalten: „Logisch, irgendwann geht es um die Kosten verstärkt, aber es geht immer noch um eine gesunde Partnerschaft, wo ich mich darauf verlassen kann. Und das kann ich tatsächlich so einem Start-up nur extrem ans Herz legen. Es klingt leider negativ, aber es ist sehr positiv gemeint. Die richtige Unterdrückungsmarktmacht, die ist heute, glaube ich, nicht mehr sehr häufig gesehen. Und diejenigen, die sie ausspielen, man hat es an einigen Kämpfen in der Automotive-Industrie gesehen, die kosten alle nur Geld. Also man sollte immer versuchen, auf einer partnerschaftlichen Ebene dennoch zu einem günstigen Ergebnis zu kommen. Und es bedeutet eine Optimierung der Supply Chain insgesamt anzustreben und nicht zu sagen: „Gebt mir 20 Prozent Rabatt.“ Sondern gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, 15, 20 oder gar 25 Prozent einzusparen. Das kann man auch durch Prozesse machen. So, in Ihrem Fall wäre es dann meiner Meinung nach so gewesen, dass dieses Unternehmen sich frühzeitig gesagt hätte: „Mensch, da gibt es einen tollen Laden. Ich werde auch morgen noch Prototypen bauen. Nicht nur die Großserie. Ich muss die nächste Produktgeneration ja auch mal entwickeln.“ Und die sagen: „Mensch, hier habe ich einen Partner, der bietet mir möglicherweise beides.“

Max: Also im besten Fall funktioniert das natürlich. Ja, also, muss man auch ehrlich sagen, dass das natürlich nicht immer klappt. Aber ich stimme da auch zu. Man muss gucken, wie man die Gesamtprozesse optimiert und da ist schon in der Regel relativ viel Musik drin. (Fottner: Ja.) Jetzt gibt es-. Nochmal kurz, um auf das Thema StartupLog zurückzukommen. Gibt so die Hauptbereiche, wie ich verstanden habe, dass es sozusagen wenig Historie gibt und auch das Thema nicht so unbedingt sensibilisiert ist. Aber was sind denn noch so Themen, die Sie vielleicht für die Entwicklung von einem technologieorientierten Produkt irgendwie mitgeben würden oder was sind so kleine Schritte, um diese Hürden, die Sie erwähnt haben, zu meistern?

Professor Fottner: Na, die erste Hürde ist eigentlich eine sehr, sehr groteske Hürde. Nämlich die erste Hürde ist, für sich selber überhaupt herauszufinden, wo bin ich denn jetzt gerade eigentlich. Also viele Start-up-Unternehmen wissen selber noch nicht genau, in welcher Phase sie sich eigentlich gerade befinden. Und dann ist es natürlich schwierig, das passende Kochrezept aus dem Schrank zu holen, wenn ich noch gar nicht weiß, wo ich eigentlich gerade bin. Also es ist tatsächlich schon ein wichtiger Anteil unseres Projekts gewesen, auch den Start-ups zu helfen, mit einer Art von Kennzahlenbildung mal herauszufinden, wo bin ich und anhand dieser Kennzahlen dann das passende, ich sage es immer wieder so etwas flapsig, Kochrezept herauszufinden. Was für die jetzige Phase der richtige Weg ist. Da gehören viele Dinge dazu. Wir haben vorher mal darüber gesprochen. Also die Auswahl von Lieferanten-. Es geht auch relativ frühzeitig los, dass die meisten Start-ups heute über Inkubatorsysteme schon die Möglichkeit haben, einfache Prototypen auch mal selber zu bauen. Das ist auch ganz wichtig, um das Verständnis dafür zu bekommen, was steckt denn da jetzt eigentlich dahinter. Also ein Unternehmen, was nie irgendwie irgendetwas selber gemacht hat, sondern immer bloß Sachen zusammengebaut hat, die werden manchmal wenig Verständnis für ihre Zulieferer haben. Und die müssen dann zum Zulieferer gehen und mit dem gemeinsam vielleicht diesen Produktionsschritt machen. Das kann ich also ganz dringend nur ans Herz legen. Denn es schlägt natürlich mein Maschinenbauerherz auch. Diese Fertigungstechnologie auch wirklich mal zu begreifen: Warum mache ich hier einen Laserschnitt, warum fräse ich hier was, warum-. Was mache ich überhaupt? Und das, glaube ich, muss in der frühen Stufe passieren, dieses Verständnis zu kriegen. Das ist hier an der TU hier in Garching ja mit dem sogenannten MakerSpace auch ein wenig vorbereitet. Also die UnternehmerTUM, die ich jetzt schon mehrfach zitiert habe, die hat hier den MakerSpace. Das ist eine kleine Werkstatt für viele, wo man Prototypen fertigen kann, wo man auch ein bisschen Hallenfläche hat, um Sachen zu testen. Aber man darf nicht sehr lang drinbleiben, denn da wollen ja viele rein. Und das soll genau diesen Moment unterstützen. So ein wenig diesen Erfahrungsschatz schon mit ins eigene Unternehmen zu holen.

Max: In diesem MakerSpace, gibt es da auch Austausch unter den unterschiedlichen Lehrstühlen oder wie funktioniert hier die Aufteilung?

Professor Fottner: Naja, also das mit den Lehrstühlen ist immer so ein gewisses Thema. Wir tauschen uns schon gern aus. Also gerade wenn man jetzt über Produktionstechnik spricht, haben wir hier natürlich schon einen ganzen Satz Lehrstühle, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dann haben wir einen neuen Professor für Produktentwicklung hier. Das sollte da stattfinden. Ob das wirklich anhand von den Start-ups so perfekt funktioniert? Ich versuche es momentan immer wieder. Ich betreue einige Start-ups auch persönlich. Dass man da schon immer wieder bei einem bestimmten Thema einfach noch eine andere Fakultät, einen anderen Lehrstuhl mit herreinholt. Manchmal ist es auch eine andere Fakultät. Gerade beim Thema Robotik geht es nicht mit den Maschinenbauern allein, wie Sie sicherlich schnell verstehen werden. Aber es wäre tatsächlich jetzt übertrieben zu sagen, dass das im Rahmen des MakerSpace ganz strukturiert passiert, sondern das ist etwas, was man durchaus noch optimieren kann. Was aber oft auch von den Start-ups ausgehen muss. Die müssen uns auch ein bisschen fordern. Die müssen einfach auf uns auch zukommen und ganz aktiv diese Diskussion suchen. Ich versuche es auch proaktiv von meiner Seite zu machen, weil ich es so wahnsinnig spannend finde und wir auch lernen können. Aber es ist sicherlich noch optimierungsfähig.

Max: Also in dem Fall kann ja vielleicht diese kurze Podcastepisode einen kleinen Beitrag dazu leisten, (Fottner: Gern. Ja.) weil ich halte das Thema für besonders wichtig. Dass wir da auch in Zukunft vorwärtskommen. Und ich sehe in dieser Studie oder in diesem Forschungsprojekt ein paar Ansätze, wo man zumindest zum Denken anregt und wo auch der ein oder andere Start-up-Gründer oder -Gründerin vielleicht die eine Idee bekommt und sagt: „Mit dem Thema beschäftige ich mich.“ Und wenn man es ganz richtig macht-. Vielleicht ist es am Ende sogar eine gewisse Differenzierung, wenn man sich über die Supply-Chain-Optimierung auch nach vorne angelt und Wettbewerbsvorteile so generieren kann.

Professor Fottner: Also ich möchte jetzt nicht zu viel Werbung für mein eigenes Themengebiet machen, aber ich spreche natürlich gerade eben mit einem Experten, der weiß, wie wichtig die Logistik da ist. Denn es ist ja nun mal-. Früher war es eine reine Hilfsfunktion. Also als ich studiert hab, war für mich Fördertechnik, Materialfluss und Logistik alles gemeinsam unter dem Begriff der Schachtelschieberei einzuordnen. Das hat sich Gott sei Dank durch Zufall in meinem Leben gewandelt, dass ich diese Einsicht bekommen habe, wie wichtig es ist. Aber wenn man sich heute große Unternehmen anschaut: Wer glaubt, dass Amazon eine Softwarefirma ist, der täuscht sich ganz gewaltig. Das ist auch nicht ein reiner Händler. Das ist eine Logistikfirma. Sonst würden die Same Day Delivery überhaupt nie hinbekommen. Die müssen Technologie und Prozess völlig im Griff haben. Und jetzt sprechen wir von einem relativ großen Unternehmen. Das gleiche gilt übrigens auch für Apple. Die produzieren relativ wenig, aber die Logistik müssen sie voll im Griff haben. Die assemblieren durchaus. Das gilt für alle. Auch Uber und Airbnb sind im letzten Moment dann doch wieder Logistikunternehmen, aber ohne Supply Chain in dem Fall, weil die meistens immobil ist. Naja, bei Uber nicht. Aber ich glaube tatsächlich, dass man diese Bedeutung heute braucht, kennen muss und auch nutzen muss, um ein erfolgreiches Unternehmen zu haben. Am Ende des Tages geht es darum: Wie kann ich erfolgreich produzieren? Wenn Sie eine gewisse Variante haben, müssen Sie dazu erstmal die Teile vorhanden haben. Wenn Sie die Teile dann anschließend zusammengebaut haben, müssen Sie das Produkt so schnell wie möglich beim Kunden positionieren. Also er muss es in den Händen halten. Der Kundenwunsch ist heute dramatisch anders als früher. Also ich stamme aus einer Welt, der sagt: „Ja, wenn ich was morgen kriege, ist das schon verdammt schnell. Ich brauche es nicht heute.“

Max: Ja, also ich komme auch noch aus der. Meine Kinder können das nicht mehr ganz nachvollziehen. Aber ich stimme da zu. Also da liegt großes Potential. Und in dem Fall, glaube ich, können wir eigentlich auch schon zum Ende kommen. Ich denke, das ein oder andere Start-up hat vielleicht ein paar Ideen mitbekommen. Und würde mich freuen, wenn auch hier der Austausch weiterhin geschieht. Meine Hörerinnen und Hörer kennen die letzte Frage schon. Können Sie noch eine Einschätzung geben oder erinnern Sie sich noch an Ihre letzte Heldentat?

Professor Fottner: Also wenn ich jetzt meine Frau fragen würde, dann würde die der Meinung sein, in letzter Zeit gab es wenig Heldentaten. Denn Heldentat würde heißen, dass ich mich deutlich mehr zu Hause einbringe. Also ich habe kürzlich eine Lampe aufgehängt, aber ich gehe davon aus, dass Sie das nicht meinen. So richtig Heldentaten sind heutzutage schwierig. Ich glaube, die meisten Heldentaten, die wir vollbringen, sind Alltagsheldentaten. Dinge bereitzustellen, Dinge im Alltag, in dem immer schnelleren Alltag, zufriedenstellend zu machen. Was ich, glaube ich, immer wieder ganz gern mache, ist das Thema Logistik auch Logistikfremden nahezubringen. Wenn ich es nicht so übertreiben würde, würde ich sagen: Es ist auch eine missionarische Aufgabe und erfordert viel, viel Heldenmut an vielen Stellen. Aber ein konkretes Beispiel kann ich nicht nennen, aber ich glaube, da bin ich in letzter Zeit ganz gut unterwegs.

Max: Ja, okay. Also das ist auf jeden Fall ein gutes Schlusswort. Dann bedanke ich mich für die Zeit und ich denke, ich melde mich demnächst mal wieder mit einer kurzen Ausgabe.

Professor Fottner: Sehr, sehr gern. Macht viel Spaß. Und es freut mich ja, mit welchem großen Engagement auch durchaus unternehmerische Menschen dafür sorgen, dass Dinge auch an andere weitergetragen werden. Wissensvermittlung. Also Sie wären wahrscheinlich auch ein guter Professor. Wissensvermittlung ist, glaube ich, die Basis für unseren Erfolg in der Zukunft.

Max: Super. Dann versuchen wir das. Danke schön!

Die links aus diesem Podcast:

Die Studie:

http://www.fml.mw.tum.de/fml/images/Publikationen/Forschunsbericht_StartupLog.pdf

UnternehmerTUM, Gründungsberatung der TUM:

https://www.unternehmertum.de/about-us.html?lang=de

Maker-Space, die „Gründer-Werkstatt“ der TUM

https://www.maker-space.de/

3 Beispiele für von der TUM betreute Start ups:

https://blik.io/

https://www.vemcon.de/

https://park-here.eu/

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