Flexibilität und Vertrauen – Einkaufsanforderungen Mittelstand im Wandel

Max im Gespräch mit Franz Kößl, Gruppenleiter Corporate Purchasing  der Firma Hirschvogel in Denklingen


Heute besucht Max Meister einen langjährigen Kunden von Ludwig Meister. Franz Kößl, Gruppenleiter Einkauf bei Hirschvogel und Max haben vor Jahren schon gemeinsam Projekte voran getrieben, wie z. B. ein elektronisches Kanban System für die Digitalisierung der Zusammenarbeit der beiden Firmen.

Gemeinsam blicken sie zurück auf die Entwicklungen, die der Einkauf in Unternehmen seit dieser Zeit genommen hat. Aber auch welche Herausforderungen auf den Einkauf und seine Zulieferer warten.  Zum einen durch die Möglichkeiten der Digitalisierung, aber auch der Internationalisierung.

Hirschvogel ist weltweit mit Produktionsstandorten vertreten, u. a. in China, Mexiko und in den USA. Mit einem nahezu 90 %igen Lieferschwerpunkt in die Automobilindustrie  ist es zudem besonders interessant zu erfahren, wie sich die momentane Diskussion um den Diesel, aber auch andere Marktentwicklungen auf Hirschvogel und seine Produktpolitik auswirken.

Wir wünschen Euch viel Freude beim Hören.

 

Transskript

 

Transskript/Links 

MAX: (Musik) Willkommen zu Max und die SupplyChainHelden, deinem Unternehmer-Podcast zum Thema Einkauf und Logistik im digitalen Wandel. Gedanken, Erfahrungen und vor allem Erkenntnisse aus dem Bereich Supply Chain Management, ganz ohne Beratermission – einfach, verständlich, eben aus Unternehmersicht. Ich bin Max Meister und wünsche euch viel Spaß.

Ja, willkommen zu einer neuen Folge von Max und die SupplyChainHelden. Ich bin heute beim Franz Kößl, Gruppenleiter Einkauf von der Firma Hirschvogel. Wir haben zusammen vor, ja, mittlerweile neun Jahren ein elektronisches Kanban-System entwickelt. Und ich glaube, die Folge ist interessant, weil sie schon zeigt, wie komplex so ein großer Betrieb ist, wie die Firma Hirschvogel. Aber auf der anderen Seite auch trotzdem versucht, in der Region einzukaufen und dort die Partner zu stärken. Und wenn ihr wissen wollt, warum ich auch nicht nervös werde, wenn der Franz Kößl mit 180 durch Starkregen fährt und mich gleichzeitig beim Reden anschaut, könnt ihr auch die Folge anhören. Also, ich wünsche euch viel Spaß. Und wie immer, ich freue mich über Feedback. Ciao. (4 Sek. Musik)

Herzlich willkommen. Ich sitze heute im wunderschönen Denklingen bei der Firma Hirschvogel. Und neben mir sitzt der Franz Kößl. Bevor ich jetzt halt alles verrate, erkläre Du doch mal, wer Du bist und was Du machst.

Franz Kößl: Erst mal herzlichen Dank für die Einladung, den Podcast zu drehen. Freue ich mich sehr, dass ich dabei sein darf. Zu mir, ja. Du hast ja schon gesagt. Mein Name Franz Kößl, bin 50 Jahre alt und inzwischen schon seit 35 Jahren bei der Firma Hirschvogel beschäftigt. Habe damals angefangen 1983 als Stahlformenbauer ganz klassisch von der Technik kommend, bin dann irgendwann mal in die Arbeitsvorbereitung gewechselt im Werkzeugbau und dann damals angefangen, die komplette Laufkartengeschichte, sprich die Verfolgung der Werkzeuge manuell aufzubauen. Damals noch komplett ohne Computer. War damals eine lustige Sache mit vielen Kopien von Papier. Das ganze Büro ist unter Papierflut geschwommen. Und bin dann so nach und nach in den Einkauf geschlittert. Habe Fremdleistungen für den Werkzeugbau eingekauft. Sprich alles, was wir selber nicht fertigen konnten, haben wir extern zugekauft. Und bin dann so immer weiter in den Einkauf geschlittert. Und bin heute, ja, verantwortlich für den Betriebsmitteleinkauf. Das sind unterschiedliche Warengruppen in Betriebsmitteleinkauf, sprich Schmierstoffe, Öle, Fette, Gase. Dann zuständig für Arbeitsschutz, zuständig nach wie vor für die Fremdleistungen. Dann haben wir Entsorgungen im Portfolio und Energie. Energie ist ein großer Brocken. Das ist Strom und Gas. Wir sind ein ziemlich energieintensives Unternehmen und kaufen relativ viel Strom und Gas ein.

MAX: Okay. Vielleicht für die Hörer, die Hirschvogel noch nicht kennen. Was macht ihr denn genau? Und wofür braucht ihr die ganze Energie?

Franz Kößl: Hirschvogel ist ein Unternehmen. Wir stellen massiv umgeformte Stahlbauteile her. Das heißt, wenn wir den Stahl erhitzen auf 1200 Grad und formen ihn dann um. Kurbelwellen für das Auto, irgendwelche Kolben für das Auto. Also zu 90 Prozent Zulieferer der Automobilindustrie. Und unsere energieintensiven Anlagen sind die Erwärmungsanlagen. Das sind Induktivanlagen, die eben den Rohstahl auf 1200 Grad erhitzen. Und die saugen richtig viel Strom.

MAX: Okay. Kannst Du da eine Schätzung abgeben, wie viel Strom ihr braucht? Oder ist das ein Geheimnis?

Franz Kößl: Ja, kann man sagen. Wir brauchen circa 200 Gigawatt Strom im Jahr. Also ist schon eine ganz schöne Menge.

MAX: Okay. Ja, auf jeden Fall ein wichtiger Teil. Vielleicht noch um aus logistischer Sicht eure Gruppe ein bisschen zu beschreiben. Wo habt ihr denn überall Werke?

Franz Kößl: Das Stammwerk liegt hier in Denklingen, wie Du schon gesagt hast, im wunderschönen Bayern. Haben hier ungefähr zweieinhalbtausend Mitarbeiter und haben dann weltweit Unternehmen. In Deutschland insgesamt vier. Sprich zehn Kilometer weiter südlich, in Schongau unsere Zerspanung, die Hirschvogel Komponenten GmbH. Dann in Thüringen zwei Werke, die Hirschvogel Aluminium GmbH und die Hirschvogel Eisenach GmbH. Dann haben wir weitere Werke in Columbus, Ohio, in der USA. Dann haben wir Werke in Indien, ein Werk in China. Und jetzt ganz neu, ein Werk in Mexiko. Und nicht zu vergessen, ein Werk in Polen.

MAX: Okay. Und habt ihr dort in der Regel Kunden in der Nähe? Oder sind das einfach nur Fertigungsstandorte, wo ihr viele verschiedene Kunden bedient?

Franz Kößl: Das ist Strategie von Hirschvogel, dass wir versuchen, local for local zu liefern. Das heißt, wir gehen in die USA und versuchen dort im amerikanischen Markt direkt vor Ort zu beliefern und nicht von Europa aus, irgendwie Asien oder USA zu beliefern. Das ist unsere Strategie. Und die Werke im Ausland sind ähnlich aufgebaut wie hier in Denklingen, dass es Umformungen gibt, dass es teilweise Zerspanung gibt. Das heißt, wir machen dort die gleichen Bauteile wie in Europa.

MAX: Okay. Wenn wir-. Also, wir kommen nachher noch auf das Thema E-Kanban, was wir zusammen, ja, implementiert haben hier bei Hirschvogel. Ich würde davor aber gerne noch ein bisschen darauf eingehen, wie betrifft euch denn das Thema Digitalisierung und Veränderungen im Markt?

Franz Kößl: Das trifft uns speziell im Einkauf natürlich. Ja, wenn ich ein bisschen Revue passieren lassen darf. Ich erinnere mich noch, wie wir vor, keine Ahnung, sieben, acht Jahren Bedarfsmeldungen, glaube ich viermal geschrieben, getippt haben, bis es letztendlich eine Bestellung war und bis es beim Lieferanten war. Heute ist es tatsächlich so, dass man toll entwickelte Systeme gemeinsam mit der Firma Meister haben, die Bedarfe automatisch erkennt und Bestellungen automatisch übermittelt werden. Da schreibt heute niemand mehr. Das ist tolle Digitalisierung bei uns im Einkauf. Und es geht in die richtige Richtung.

MAX: Okay. Und also grundsätzlich freut mich das natürlich. Ich glaube auch, dass da sehr viele schöne Projekte gelaufen sind. Wenn man jetzt da noch mal auf das Thema Veränderungen im Markt zu sprechen kommen. Wie betrifft euch denn als Automobilzulieferer die Themen Dieselskandal, Brexit und Co.?

Franz Kößl: Da sind wir ziemlich stark betroffen. Ich habe ja vorher erzählt, dass wir zu 90 Prozent Zulieferer der Automobilindustrie sind. Und wenn heute die Automobilindustrie einen leichten Schnupfen hat, dann haben wir einen ganzen starken Husten, eine ganze starke Grippe. Trifft uns natürlich, Dieselskandal. Merken wir inzwischen auch mit Abrufzahlen, die nicht mehr ganz so stabil sind, wie sie waren. Wir versuchen uns natürlich, oder schon länger, so aufzustellen, dass wir nicht nur verbrennungsmotorabhängig sind, sondern dass wir versuchen, auch ein bisschen in die E-Mobilität zu kommen. Haben schon die ersten Bauteile für die E-Mobilität. Das heißt, wir haben ein Team, die sich drum kümmert, e-mobilitätresistente Bauteile zu organisieren, an Land zu ziehen, dass wir letztendlich in andere Branchen kommen. Agrartechnik, Bauindustrie, in die Freizeitindustrie. Ein ganz heißer Markt ist momentan E-Bikes. Der Markt explodiert. Auch da versuchen wir irgendwie Fuß zu fassen, dass wir Bauteile für E-Bikes bekommen. Ein toller Markt. Ja, stellen wir uns dementsprechend auf und dass wir nicht ganz so abhängig sind von der Automobilindustrie.

MAX: Okay. Ja, also da sehe ich halt grundsätzlich das Thema-. Ihr habt massivumgeformte Teile, relativ große. Und wenn ich an Elektromotoren denke und Ähnliches, sind es einfach, glaube ich, andere Komponenten, die da benötigt sind? Keine klassische Kurbelwelle oder Achsinnenleben.

Franz Kößl: Das ist richtig. Ein Elektromotor braucht eine Rotorwelle. Die stellen wir her. Wir sind auch einer der größten Hersteller von Rotorwellen für die Elektromobilität. Ja, aber in der Tat ist es so. Elektromotor braucht kaum mehr Getriebe, braucht keinen Motor. Also keinen Verbrennungsmotor. Dort sind sehr viele Schmiedebauteile drin. Das heißt, für uns fällt ja ein ziemlich großer Brocken weg, wenn wir auf die E-Mobilität umstellen würden von heute auf morgen.

MAX: Okay. Also, Du hast mir beim letzten Mal erzählt, dass ihr aber einen ganz guten Plan habt, und ihr auch schon einfach das Thema E-Mobilität im Fokus habt. Und dann hoffe ich, dass ihr da einen guten Switch hinbekommt, weil Unternehmen wie Hirschvogel meiner Meinung nach total wichtig sind für die Wirtschaft und allgemein für die Gesellschaft. Das sehe ich schon so.

Franz Kößl: Da bin ich sehr optimistisch. Wir haben es in der letzten Zeit geschafft, Krisen zu überstehen. Und ich bin auch überzeugt, dass wir den leichten Einbruch überstehen werden. Und da sind wir innovativ. Und es wird mit Sicherheit bei Hirschvogel weitergehen.

MAX: Ja. Also wie gesagt. Auf jeden Fall drücke ich die Daumen. Du hast vorher ein bisschen was gesprochen über Digitalisierung im Einkauf. Weiß ich gar nicht, warum wir das im Detail besprechen müssen. Aber was siehst Du denn allgemein für Trends, ich meine, in dem Thema Betriebsmittelversorgung für einen Betrieb wie Hirschvogel?

Franz Kößl: Ich glaube, der Trend ist wirklich, dass es nicht mehr zur klassischen Lieferanten-Kunden-Beziehung führt, sondern dass wir wirklich eine Partnerschaft aufbauen. Eine Partnerschaft, teilweise eine Dreiecksbeziehung vom Hersteller zum Händler, über Hirschvogel, über den Kunden. Und ich glaube, es funktioniert nur noch mit einem vernünftigen Netzwerk. Mit einer vernünftigen Versorgung, die prozessschlank ist und letztendlich digital erfolgen muss. Es kann nicht mehr sein, dass heute für C – Artikel Bestellungen abgetippt werden. Das muss heute alles automatisch laufen mit vernünftigen Systemen. Und dort muss die Richtung hingehen.

MAX: Wie viele Mitarbeiter seid ihr heute im Einkauf? Ich frage wegen dem Thema Digitalisierung natürlich konkret nach. Wie viele seid ihr heute und wart ihr vor fünf Jahren? Kannst Du das nur von der Richtung her sagen?

Franz Kößl: Ja, wir haben-. Ich glaube, die Frage geht in die falsche Richtung. Weil, wir haben im Einkauf ziemlich aufgebaut mit Personal. Es hat aber nichts mit dem zu tun, dass wir aufwendige Prozesse haben. Ganz im Gegenteil. Wir haben Prozesse verschlankt. Aber wir haben versucht, dass wir möglichst viele Prozesse, die damals außerhalb vom Einkauf gelaufen sind-. Einkaufen kann jeder. Und draußen in der Fertigung hat jeder versucht, irgendwie mit Lieferanten zu verhandeln. Diese ganzen Aufgaben haben wir in den Einkauf geholt. Und wir haben den Einkauf um das Doppelte aufgebaut. Wir sind heute über 30 Leute im Einkauf. Und wir waren vor sieben, acht Jahren vielleicht die Hälfte der Mannschaft. Aber hat nichts damit zu tun, dass wir Prozesse ausweiten oder verschlechtern, sondern dass wir eigentlich Prozesse optimieren und die tatsächlichen Einkaufsaufgaben, die damals von draußen getätigt wurden, heute im Einkauf haben.

MAX: Also ist das eine echte Zentralisierung und Steuerung?

Franz Kößl: Exakt so ist es.

MAX: Okay. Ja also, wir versuchen das bei uns auch. Wir sind im Moment, würde ich sagen-. Einkaufsvolumen von ungefähr 80, 85 Prozent handeln wir über den Einkauf. Und was dann daneben dran noch läuft, sind so Themen wie Kaffee und Büromittel und Ähnliches.

Franz Kößl: Selbst das kaufen wir im Einkauf ein. (Lachen)

MAX: Okay. Gut. Du hast mir mal erzählt, dass ihr aktuell auch einige Projekte habt mit bestehenden Lieferanten, wo ihr versucht, die Supply Chain zu optimieren. Also wo ihr gemeinsam versucht, Einkauf und Logistik zu vereinfachen. Kannst Du da ein Beispiel nennen? Das war das Thema mit dem Betriebsmittelausstatter aus der Region, wo ihr gemeinsam versucht, mit Vending-Maschinen oder mit so Kaugummiautomaten ein bisschen was zu machen.

Franz Kößl: Ja. Also wir versuchen vielleicht ein bisschen antizyklisch zu gehen. Wir versuchen, Office-Material sprich Kugelschreiber und so weiter über solche Ausgabeautomaten auszugeben. Wir sind schon auf einen ganz guten Weg. Haben dort einmal zentralisiert. Haben den ersten Weg gemacht, dass wir im Betrieb Schränke aufstellen. So Kanban-Schränke für wirklich Büromaterial, also Kugelschreiber, Radiergummi und so weiter. War schwierig, Lieferanten zu finden, die das machen. Beim Office-Bereich war das noch nicht. Ich sagte es, im Ersatzteilbereich gibt es das überall, überall gibt es Kanban für Schrauben, das ist ganz alltäglich. Aber Kugelschreiber, der 30 Cent kostet, der wird heute nur mit Bestellung bestellt. Das kann nicht sein. Und das gefällt mir nicht. Und deswegen haben wir jetzt versucht, Office-Material über, erst mal über Schränke und Endausbaustufe ist, über Ausgabeautomaten auszugeben. Weil ich sag, der Weg von der Bedarfsentstehung bis zur Ausgabe muss kurz sein. Es kann nicht sein, dass Mitarbeiter wegen einem Kugelschreiber eine Viertelstunde unterwegs sind. Der soll sich heute in der Halle innerhalb von ein paar Minuten seinen Kugelschreiber holen können.

MAX: Ja, also finde ich auf jeden Fall. Mich hat es gewundert, dass ihr da sozusagen ja irgendwie eigentlich eine Anfrage kreiert oder einen Bedarf habt, der nicht so unbedingt gedeckt wird, weil ich auch das Thema Kanban-. bei uns ist im Alltag ganz stark, und zwar auch kundenseitig gefordert. Wenn wir das nicht anbieten können, wüsste ich nicht, wie wir ein Teil von unserem Umsatzes halten sollten.

Franz Kößl: Ja, da sind die Büromaterialausstatter vielleicht noch ein bisschen anders gestrickt. Die kennen das Thema so noch nicht. Aber es ist ja toll, dass wir solche Projekte nicht nur auf dem Ersatzteilbereich anwenden können, sondern dass wir das übergreifend auf andere Artikel auch anwenden kann.

MAX: Gibt es sonst noch irgendwelche Anforderungen oder Trends, wo Du sagst, da muss heute ein Händler oder Handelspartner oder Partner, wie Du vorher gesagt hast, sich drauf einstellen? Das sind Sachen, die ihr heute fordert oder die vielleicht in Zukunft interessant sind?

Franz Kößl: Ich glaube, Vertrauen ist ganz wichtig. Dass das Vertrauen vom Handel zum Kunden gegeben ist. Dass man im Handel ein Stück weit Vertrauen schenkt, um Produkte zu bündeln, um Artikel zu bündeln. Der günstigste Artikel ist nicht immer der beste Artikel. Vernünftig sind kurze Prozesse. Und da muss man ein Stück weit Vertrauen zum Handel haben. Das ist, glaube ich, ganz wichtig.

MAX: Okay. Also sehe ich auch so. Und in dem Fall weiß ich, dass Du das was Du sagst, auch wirklich so meinst. Weil, als wir zusammen das elektronische Kanban entwickelt haben für Hirschvogel-. Ich weiß gar nicht genau – wann haben wir denn da angefangen? Wie lange ist denn das her? War das 2010?

Franz Kößl: So um den Dreh-? Kann es auf das Jahr nicht genau sagen. Ja so-.

MAX: Also wir haben heute 2018. Das heißt, es ist schon ein bisschen länger her. Und da war es ja auch so. Da seid ihr mit einer Anforderung auf uns zu gekommen und habt uns dann schon auch das Vertrauen geschenkt, dass wir einfach mal starten können. Und wir haben das dann ja auch explizit für euch an eurem Kundenwunsch entwickelt. Und deswegen das habe ich schon auch als wirklichen Vertrauensvorschuss empfunden.

Franz Kößl: Ja, wir haben ja damals vor circa 15 Jahren angefangen, ein erstes Mal bei uns ein Schrauben-Kanban einzuführen. Das waren, glaube ich, die ersten Gespräche mit Deiner Schwester, mit Elisabeth Meister. Und haben dann Schrauben-Kanban ganz klassisch über Zwei-Schüttensystem eingeführt. Dann sind wir beide ja mal nach Marksuhl gefahren. Gemeinsam mit dem Auto und haben, glaube ich, zwölf Stunden im Auto über Visionen gesprochen, wie sich die Prozess-, die Supply Chain Kette optimieren kann. Und dann sind wir auf die Idee Elektronisches Kanban gekommen. Und ja, mir hat die Idee sehr gut gefallen. Und deswegen haben wir das so weiter ausgebaut. Und das Vertrauen war da. Wir sind damals nach Marksuhl gefahren, um die Firma Meister in unserem Werk in Marksuhl zu integrieren. Das war schon ein Stück weit Vertrauen, weil wir wussten, mit Meister haben wir einen richtigen Partner an der Hand.

MAX: Ja also in dem Fall, das war wirklich so. Ich erinnere mich auch noch in dem Fall an die Fahrt dorthin. Weil, da war es so. Die Zuhörer sehen es nicht, aber der Franz ist gefahren und ich war nebendran. Und wir haben über Visionen gesprochen und was wir uns alles einfallen würde. Und er ist sehr schnell gefahren zeitweise bei Niederschlag und hat aber trotzdem bei der Unterhaltung immer zu mir geschaut. Das hat mich in dem Fall sehr beruhigt zu wissen, dass er auch sozusagen motorsportaffin ist und sich konzentrieren kann.

Franz Kößl: Jetzt ist mir bewusst, warum Du immer so mit einer Hand an dem Henkel an der Tür da gehangen bist.

MAX: Ja. Aber das ist auch tatsächlich schon einige Jahre her. Also, vielleicht noch mal ganz kurz zu dem E-Kanban. Elektronisches Kanban-System ist ja heutzutage eigentlich relativ gängig. Was war denn damals der Grund, dass ihr euch entschieden habt, dass ihr auf ein Elektronisches Kanban gehen wollt und nicht auf ein normales?

Franz Kößl: Ich glaube, die Zusammenarbeit mit Meister, die Ideen zu haben, dass Bestellungen eben nicht geschrieben werden, dass wir den Bedarf jederzeit im Überblick haben, war einfach klasse. Und wir wussten, wir haben viel Vorarbeiten zu leisten, mit Stammdaten zu pflegen, die damals noch gar nicht so richtig vorhanden waren. Da hat uns die Firma Max Meister-, Ludwig Meister sehr geholfen. Wir haben viele, viele Stammdaten gemeinsam damals gepflegt. Und das elektronische Kanban haben wir damals schon gesehen, dass das die Zukunft ist. Deswegen haben wir auch Wert drauf gelegt, das einzuführen.

MAX: Also ich sage mal, die größte Überzeugung war eigentlich tatsächlich von den Kollegen vor Ort. Also dass die, die das dann im Alltag nutzen sollen, dass die auch Spaß da dran haben. Und da erinnere ich mich schon noch, dass da-. da war ein gehöriges Maß an Skepsis da, aber heute ist es so. Es funktioniert gut, und die Kollegen benutzen es eigentlich auch gern. Also da ist das Feedback, das ich bekomme, schon recht positiv.

Franz Kößl: Mir geht es auch so, dass ich nichts Schlechtes höre. Und in Bayern sagt man: „Nicht geschimpft ist g´lobt.“ (I: Ja, genau.) Und ja, das funktioniert wunderbar. Das ist toll. Tolle Geschichte.

MAX: Ja, also das sehe ich immer noch als sehr, sehr positiv an. Wir haben in der Vergangenheit, wir haben viel gemacht zusammen. Was siehst Du denn für, wenn jetzt halt Ludwig Meister sich neu aufstellen will für die nächsten Jahre, was siehst Du da für Trends? Worauf sollten wir ein bisschen gucken?

Franz Kößl: Ja, auf jeden Fall Flexibilität. Wir wissen alle, dass sich der Automobilmarkt sehr, sehr ändert. Das heißt, wir fertigen vielleicht in der Zukunft nicht mehr die gleichen Bauteile wie heute. Das heißt, wir brauchen auch nicht mehr die gleichen Ersatzteile. Das heißt, da müssen wir ein sehr flexibler Markt sein. Kurze Versorgungswege, kurze Versorgungszeiten. Ich denke, das ist die Zukunft. Unsere Kunden rufen sehr kurzfristig ab, wir müssen sehr kurzfristig liefern. Das heißt, unsere Maschinen müssen sehr kurzfristig zur Verfügung stehen. Flexibilität, schnelle Belieferung, Lagerverfügbarkeit. Das ist die Zukunft, was wir brauchen.

MAX: Okay. Ich glaube, da versuchen wir uns gut aufzustellen. Klappt auch nicht immer, aber wir sind auf der, glaube ich, auf einem ganz guten Weg. Was – Ja, sagen wir mal, bezüglich der Firmenhistorie sieht man, ihr seid schon relativ früh nach Amerika gegangen. Wir haben vorhin schon kurz gesprochen, dass ihr da in Columbus, Ohio seid. Kannst Du vielleicht für die Hörerinnen und Hörer noch ein bisschen was berichten über die Unterschiede also in den einzelnen Produktionsstandorten? Sind die Regionen-, fordern die unterschiedliche Herangehensweise allgemein zum Thema Einkauf, Logistik? Oder wie ist da die Lage?

Franz Kößl: Also, erst mal die Mentalität in den Werken ist natürlich eine unterschiedliche. Man kann ein Amerikaner, glaube ich, nicht unbedingt mit uns Europäer vergleichen. Einen Asiaten kann man auch nicht mit uns vergleichen. Die Mentalität ist natürlich anders. Dort sind die Regeln ein bisschen anders. Aber auch die Zulieferer in Asien oder in USA ist nicht schlecht. Die wissen schon auch, wie beliefert werden muss. Das macht schon Sinn, Lieferanten auch global zu haben. Aber auch die lokalen Lieferanten sind nicht schlecht. Und wir haben ja mit Meister auch in allen Werken Beziehungen. Macht schon Sinn, das so zu haben. Aber man darf die lokalen Lieferanten nicht vergessen. Auch die sind gut.

MAX: Ja, vor allem ich sage jetzt mal, selbst wenn wir mal für euch eine Beschichtungsanlage in der Nähe von Schanghai aufbauen. Wenn ihr mal ein Problem habt, können wir ja da auch nicht innerhalb von einem Tag sein.

Franz Kößl: Das stimmt. Ja, da braucht man dann schon natürlich Servicepersonal vor Ort. Klar macht das Sinn.

MAX: Okay. Und zum Thema Betriebsmitteleinkauf noch mal. Wenn Du anschaust von der Bedeutung her. Gibt es Bereiche, wo ihr besonders viel Zeit investiert und die gar nicht so eine Bedeutung haben? Oder ist das schon ziemlich gleich? Oder, ich sage mal, sind die Prioritäten korrekt verteilt, Stand heute?

Franz Kößl: Ich glaube schon. Natürlich muss man es immer wieder mal querdenken, alles wieder mal in Frage stellen, was man macht. Aber wir haben schon so Commodities, nennen es wir. Bestimmte Produkte, die wir versuchen, weltweit einzukaufen. Wenn wir jetzt von Schmierstoffen sprechen. Der Umformschmierstoff ist maßgeblich an der Qualität des Umformteils beteiligt. Und wir versuchen, die Umformschmierstoffe weltweit gleich einzusetzen. Das heißt, hier in der Zentrale verhandeln wir die Schmierstoffe weltweit und wird an alle Werke der gleiche Schmierstoff geliefert.

MAX: Das heißt, ihr bezieht das aber auch konkret an einer zentralen Stelle und verschifft die dorthin? Oder ist es nach einer Spezifikation, lasst ihr die fertigen?

Franz Kößl: So wie als auch. Der Hersteller hat unterschiedliche Vorgehensweise. Es gibt Hersteller, die wirklich nur in Europa produzieren, und wir verschiffen dann von Deutschland in alle Werke. Oder die haben vor Ort irgendwelche Firmen, die dann die Rezeptur vorliegen haben und dann vor Ort nach dieser Rezeptur Schmierstoffe herstellen.

MAX: Und also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind die, ist die Beschichtung der Teile bevor massivumgeformt wird oder warmumgeformt oder kaltumgeformt, das ist der technologisch einer der wichtigsten Komponenten?

Franz Kößl: Für die Zukaufsteile auf jeden Fall, im Betriebsmitteleinkauf ja.

MAX: Okay. Und wenn ich jetzt als neuer Lieferant jetzt nicht unbedingt, wenn es geht, aus dem Bereich Antriebstechnik, weil da habt ihr ja einen guten Partner. Wenn ich jetzt, ja sage ich mal, einen Händler für Arbeitsschutz und ähnliche Komponenten wäre, wie müsste ich mich da bewerben, wenn ich gerne für euch tätig werden wollen würde?

Franz Kößl: Weltweit?

MAX: Ja.

Franz Kößl: Mit Arbeitsschutz?

MAX: Ja.

Franz Kößl: Ja, ich glaube, das ist schwierig, Arbeitsschutz weltweit zu beziehen. Ob das Sinn macht, in China Kleidung aus Deutschland nach China zu schicken, glaube ich, das macht keinen Sinn. Das macht lokal Sinn, aber wie wär die Bewerbung-. Die Bewerbung ist natürlich erst mal die Firma vorzustellen. Dann sind wir nach wie vor Zulieferer der Automobilindustrie. Das heißt, gewisse Richtlinien zu erfüllen, gewisse Zertifizierungen aufzuweisen. Und dann geht es über Vorstellungen vom Produkt. Qualitativ und preislich zu bewerten. Und dann muss man weiter schauen.

MAX: Okay. Ja, ich frage mich, beim Arbeitsschutz, weil das schafft man immer nicht. Und deswegen wollte ich zumindest einmal wissen, wie es theoretisch möglich wäre. Aber vielleicht probieren wir es noch mal irgendwann.

Franz Kößl: Ja, haben wir ja schon ein paarmal probiert. Aber da ist es tatsächlich so, dass es viel über den Preis geht.

MAX: Okay. Ja, ist auch nicht, glaube ich, das wichtigste Thema. Ja, grundsätzlich möchte ich mich erst mal bedanken für das kurze Interview. Und vielleicht machen wir da irgendwann noch mal ein zweites. Das können wir auch gerne noch mal in Dachau machen oder in Schongau.

Franz Kößl: Vielen Dank. Hat Spaß gemacht. Ja und vielleicht auf ein zweites Mal.

MAX: Ja, sehr gerne. Gut danke und bis bald. Ciao.

Franz Kößl: Ciao.

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