The sky is the limit – Innovation zwischen Tradition und Startup im Altmühltal.

Max im Gespräch mit Dominik Biersack, Mitglied Unternehmensleitung Biersack Gruppe, Beilngries

Die Biersack Gruppe mit Sitz in Beilngries im schönen Altmühltal bietet, als Familienunternehmen in dritter Generation geführt, seit 1948 mit derzeit über 150 Mitarbeitern und mehr als 6.500 m² Fertigungsfläche neueste Produktionstechnologie. Biersack ist erfolgreicher, zertifizierter Systemzulieferer für die Industrie, mit Schwerpunkten in Luftfahrt, Medizintechnik, Automobil- und Maschinenbau.

Maßgeblich verantwortlich für die dynamische Entwicklung von Biersack in den letzten Jahren ist Dominik Biersack, ein Unternehmerfreund und Mitglied der Unternehmensleitung seit 2005. Dieser Podcast bot mir die Gelegenheit mich mit Dominik über die Digitalisierungsprozesse der letzten Jahre bei Biersack auszutauschen – auch über die speziellen Anforderungen an einen „Systemlieferanten“.

Als weiteres Highlight stellt er uns im zweiten Teil des Gesprächs noch sein Projekt Bee Appliance vor, ein „vertical take-off and landing aircraft“, umgangssprachlich auch Lastendrohne genannt. Was dieses Engagement mit einem Besuch in Silicon Valley zu tun hat und welche Pläne Dominik damit verbindet hört Ihr in dieser Folge von Max und die SupplyChainHelden. Es lohnt sich.

Ich wünsche Euch viel Freude beim Hören.

 

Transskript

Transskript

MAX: Willkommen zu Max und die SupplyChainHelden, deinem Unternehmer-Podcast zum Thema Einkauf und Logistik im digitalen Wandel. Interviews und Erkenntnisse von und mit Profis aus dem Bereich Supply Chain Management, ganz ohne Berater-Mission. Ich bin Max Meister und Familienunternehmer in dritter Generation.

Heute habe ich den Dominik Biersack interviewt für den Podcast und zwar ist das der Geschäftsführer von der Biersack Gruppe aus Beilngries. Wie ich finde, eine sehr inspirierende Unterhaltung, weil ich super finde, wenn Unternehmer so mutig sind und nach Silicon Valley fliegen und dann dort nicht nur Chardonnay aus dem Napa Valley trinken, sondern auch zurück kommen und sich ein Start-Up suchen, wo sie sich beteiligen können. Das hört ihr im Detail im zweiten Teil des Podcasts. Und dieses Start-Up baut eine Drohne, die einen Durchmesser hat von vier Metern, was ich relativ groß finde, und die eine Nutzlast hat von circa 250 Kilo. Und das finde ich schon ziemlich spannend. Und ich würde mich freuen, wenn wir es doch irgendwie hinkriegen, dass im deutschen Lande hier regional gebaute Drohnen mal die Logistik revolutionieren. Also ich wünsche euch viel Spaß und ich freue mich wie immer über Feedback. Ciao, viel Spaß!

Okay, also wir sitzen heute bei Ludwig Meister in Dachau und ich habe heute einen guten Freund zu Gast und zwar den Dominik Biersack. Wir kennen uns von einer Schulung, ich glaube sieben, acht Jahre mittlerweile her. Und bevor ich jetzt aber zu viel erzähle, sag du doch mal wer du bist und was du machst.

Dominik Biersack: Ja, Servus Max, freut mich, dich nach so langer Zeit mal wieder zu sehen. Ich bin der Dominik Biersack, Geschäftsführer und Inhaber des Familienunternehmens Biersack. Wir kommen aus Beilngries im wunderschönen Altmühltal, direkt im Herzen von Bayern. Und zusammen mit meinem Cousin und meinem Vater und meinem Onkel haben wir eben ein Familienunternehmen mittlerweile in dritter Generation. Wir haben heuer 70-jähriges Jubiläum zu verzeichnen. Und wenn ich uns selbst beschreiben darf, traue ich mich zu behaupten, dass wir deutschlandweit einer der führenden Systemlieferanten für mechanische Komponenten sind für OEMs in unterschiedlichsten Industrien. Da zählt zum Beispiel die Luft- und Raumfahrt-Industrie dazu, die Medizintechnik, die Halbleiterindustrie und auch die Nutzfahrzeugindustrie. Wir haben am Standort Beilngries zwei Werke mit über 150 Mitarbeitern. Und unser Kerngeschäft sind hochindividuelle Lösungen im Bereich Mechanik, Drehen und Fräsen und Montage, Zeichnungsteile. Und es geht immer um sehr komplexe Herausforderungen. Wir arbeiten tagtäglich am Limit sozusagen.

MAX: Okay. Freut mich natürlich, wir brauchen immer junge Unternehmer, die am Limit arbeiten. Im besten Fall, wenn man es nicht überschreitet. Was vielleicht für uns besonders interessant ist, wenn du sagst, Systemlieferant. Kannst du noch kurz beschreiben, was für Produkte das hauptsächlich sind? Du hast bisschen über die Industrien gesprochen. Welche Produkte sind das zum Großteil?

Dominik Biersack: Ja, einer unserer größten Kunden ist ein wichtiger Systemlieferant von Airbus. Der baut Fracht-Ladesysteme im Cargo-Bereich ein und wir stellen sozusagen die ganzen Vorbaugruppen her. Das sind Bodenbaugruppen mit diversen Anbauteilen, mechanischen Anbauteilen, eben für den Airbus, beispielsweise. Oder ein anderer Kunde in der Medizintechnik vertreibt weltweit Röntgengeräte und wir stellen das komplette Röntgengerät bis auf die Elektronik bei uns im Hause her.

MAX: Und wenn du da zurück guckst, ihr übernehmt ja einen Großteil der Koordinationsaufgaben, wie war denn da die Entwicklung? Wie habt ihr eigentlich angefangen und wie ist es dazu gekommen, dass ihr heute als Systemlieferant so aufgestellt seid?

Dominik Biersack: Also, wie gesagt, neben der reinen Dreherei und Fräserei war das Unternehmen eigentlich schon immer im Bereich Maschinenbau unterwegs. Man hat in den Firmenanfängen schon immer für Kunden komplette Anlagen oder Maschinen gebaut. Waren viele Sondermaschinen beispielsweise dabei. Man hat jahrzehntelang für Kunden Drechselmaschinen gebaut oder auch für Drahtziehmaschinen oder Drahtziehanlagen. Und so ist man dann eben schon immer eigentlich in diesem Thema Systemlieferant gewesen, mit allen Schnittstellen, die eben so vorhanden sind. Also es war halt schon immer so, dass man sich auch eben mit dem Thema Einkauf und Logistikthemen auseinandersetzen musste als Maschinenbauer. Und das versuchen wir natürlich auch kontinuierlich auszubauen. Oft ist es eben nicht einfach über die reine verlängerte Werkbank hinaus zu kommen. Aber wir versuchen das eben kontinuierlich durch zusätzliche Leistungen, wie zum Beispiel auch in Entwicklung oder Engineering zu leisten.

MAX: Okay und das macht ihr hauptsächlich, das heißt das Engineering macht ihr intern bei euch und das ist ein wichtiger Teil für eure Kunden?

Dominik Biersack: Das ist ein wichtiger Teil. Oft geht es los mit einfacher Beratung, wo das die Kunden dann auch schätzen, geht das dann wirklich mehr in Gestaltungsfreiheit oder Entwicklung von kompletten Lösungen über.

MAX: Wie viele Kunden-. Kannst du ungefähr sagen, wie viele Kunden ihr insgesamt habt, damit man das ein bisschen einschätzen kann?

Dominik Biersack: Insgesamt kann man sagen, haben wir gut 50 Kunden im Durchschnitt über die ganzen unterschiedlichen Branchen.

MAX: Okay und wenn ihr viele sozusagen Lösungen komplett zusammen baut und zusammen konstruiert, wird das ähnlich angenommen von der gesamten Kundengruppe oder ist das eher so, dass ihr in Teilen euch weiterentwickelt?

Dominik Biersack: Das ist ganz unterschiedlich. Oft nutzen das einfach die Kunden, mit denen man schon sehr lange zu tun hat. Manchmal aber auch ganz neue Kunden, die explizit nach dem suchen.

MAX: Okay und was sind da für dich die größten Herausforderungen, um als Systemlieferant erfolgreich zu sein?

Dominik Biersack: Also die größten Herausforderungen sind sicherlich heutzutage der Termindruck und die Kurzfristigkeit. Was meiner Meinung nach immer mehr zunimmt. Am Ende ist einfach in vielen Projekten oft realistisch viel zu wenig Zeit für die Produktion und die Montage.

MAX: Okay, also in dem Fall muss ich jetzt Full Disclaimer sagen, weil die Firma, oder die Biersack Gruppe ist auch ein Kunde von Ludwig Meister in dem Fall. Also ich hoffe, dass wir da wenigstens bisschen unterstützen können. Das aber nur nebenbei. Ja, wie geht ihr denn insgesamt bei euch in der Fertigung mit dem Thema Daten um? Also erhebt ihr Daten, habt ihr Daten, was macht ihr damit?

Dominik Biersack: Also wir haben eine sehr hohe Datendichte. Aber ich muss sagen, wahrscheinlich nutzen wir heutzutage nur einen kleinen Bodensatz der Daten, die tatsächlich vorhanden sind. Und das ist sicherlich auch eine Zukunftsaufgabe von uns, diese Datenschätze zu heben und weiter zu verarbeiten. Wir haben uns das natürlich als Geschäftsführung auch ganz oben in die Digitalstrategie hineingeschrieben, solche Produkte eben zu entwickeln. Beziehungsweise auch die Daten verstärkt zu nutzen.

MAX: Ich hatte gestern einen Termin mit einem Anlagenhersteller, so Reckfolien-Maschinen stellt der her, und der liefert mittlerweile für seine Kunden tatsächlich die kompletten Mess-Protokolle und alles, was er an Daten erhebt, mit, als Dienstleistungspaket außenrum. Also das war, fand ich, relativ modern, weil er das wirklich als abgeschlossenes Datenpaket mit übergibt.

Dominik Biersack: Auch in diese Richtung haben wir schon oft nachgedacht. Viele Kunden erwarten das einfach oft als Service und sind im ersten Moment gar nicht bereit, dafür etwas zu zahlen. Aber ich denke, wenn man das geschickt angeht, kann man ganz interessante Geschäftsmodelle um das natürlich herum bauen und das auch in die Tiefe vielleicht staffeln.

MAX: Ja, kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, weil der Kundennutzen da vorhanden ist. Das ist ja nicht so, dass man da etwas erarbeitet und dann schickt man eine Dokumentation zu und der Kunde schmeißt es weg oder benutzt es nicht. Ihr habt auf eurer Homepage-. Bevor wir zum Thema BEE appliance kommen, ihr habt auf eurer Homepage den Begriff Biersack 4.0 geprägt. Industrie 4.0 wird den Meisten zumindest ein Begriff sein. Was versteht ihr darunter und was für Leistungsbausteine bietet ihr da an?

Dominik Biersack: Ja, gut, der Begriff Industrie 4.0 ist ja ein ziemlich abgegriffener Begriff und wird häufig auch etwas überschätzt, meiner Meinung nach. Wir sind als Unternehmen ja schon seit Jahrzehnten unterwegs mit umfassendem ERP, PPS und Betriebsdatenerfassungssystemen und haben das natürlich auch kontinuierlich eingeführt und ausgebaut und verbessert.

MAX: PPS ist Produktionsplanung oder -steuerung?

Dominik Biersack: Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme, ja. ERP-.

MAX: Enterprise Resource Planing heißt es, haben wir irgendwann mal gelernt, wahrscheinlich.

Dominik Biersack: Genau, und das Thema ist natürlich irgendwann gehypt und du kommst um das Thema nicht mehr drum rum. Und wir haben uns dann eben auch hinterfragt, was müssen wir in dem Bereich noch tun. Und haben eben gemerkt, dass wir auch da noch aufholen müssen. Und haben uns dann in einem Jahr dann eben schwerpunktmäßig mit der Digitalisierung erstmal im Bereich Geschäftsleitung auseinandergesetzt. Und seitdem sind wir dazu übergegangen, ein Digitalteam im Unternehmen zu gründen und haben auch dann für diverse Projekte umfassende Mittel bereitgestellt.

MAX: Okay, was macht so ein Digitalteam und wie groß ist das bei euch?

Dominik Biersack: Das Digitalteam ist bei uns unternehmensübergreifend. Wir haben versucht, da eben alle Abteilungen, die im Unternehmen sind, dass die vertreten sind. Ich glaube, insgesamt sind da neun oder zehn Personen damit beschäftigt. Und das Digitalteam hat eben eine Digitalstrategie ausgearbeitet und arbeitet in diversen Einzelprojekten an unterschiedlichen Themen, ist sozusagen auch eine Art Inkubator, bringt immer wieder neue Ideen.

MAX: Kannst du da irgendwie ein Beispiel nennen, was ihr da so zuletzt gemacht habt, für eure Kunden?

Dominik Biersack: Für unsere Kunden haben wir beispielsweise im Bereich Qualitätssicherung eben dieses Projekt mit der Messdatenerfassung, oder Messdatenübergabe-. Also anstatt Messprotokolle auf Papier eben als Daten weitergegeben. Aber wir arbeiten auch an vielen internen, hauptsächlich auch an internen Prozessen.

MAX: Okay und in dem, sage ich jetzt mal, allgemeinen Digitalisierungsthema, was waren da so bisher die größten Herausforderungen für dich als Unternehmer?

Dominik Biersack: Ja, man nimmt sich viel vor und so Projekte kommen dann schon häufig in Stillstand. Meiner Meinung nach ist eine der größten Hürden eben dass man oft natürlich auf externe Unternehmen, auf Softwareanbieter oder auf Hardwareanbieter angewiesen ist, wenn man so Digitalprozesse anstoßen will. Und meiner Meinung nach versprechen die oft mehr als sie tatsächlich halten.

MAX: Ja, also die Erfahrung haben wir durchaus auch gemacht. Wobei ich sagen muss, dass wir grundsätzlich versuchen, möglichst viel wirklich intern zu machen. Aber die Versprechungen und die Luftschlösser, die da aufgezeigt werden, sind teilweise schon relativ groß. Also das sehe ich genau so.

Dominik Biersack: Absolut. Die Software-Auswahl oder die Auswahl der Partner, da muss man sich wirklich hinterfragen, wie man den Prozess gestaltet, damit man am Ende des Tages eben nicht auf der Nase landet und immer wieder in die Software oder in die Software investiert und dann doch nicht weiter kommt.

MAX: Okay. Kannst du bisschen beschreiben, wie so Projekte bei euch insgesamt ausschauen, oder wie ihr da vorwärts geht?

Dominik Biersack: Ja, gut, wenn wir so ein Projekt identifiziert haben-. Wie gesagt, wir haben generell mal so einen Topf bereitgestellt für so Innovationsthemen oder für so Software-Themen. Im Digitalteam werden die zunächst einmal diskutiert und Konzepte ausgearbeitet und dann geht es eben auch in die Auswahl. Wie kann man die umsetzen, Auswahl von Herstellern, was benötigt man dazu. Manchmal machen wir eigene Programmierungen. Oft, wie gesagt, sind es eben Software-Themen, wo man auf einen Drittanbieter zurückgreifen muss. Und dann geht es eben mit dem in Verhandlung, Lastenheft, Pflichtenheft und Abstimmung und Einführung der Themen-Pilotphasen. Also der übliche Prozess.

MAX: Okay, wie ist denn die Belegschaft bei euch, hat die da grundsätzlich Lust darauf oder eher skeptisch bei Neuerungen?

Dominik Biersack: Nein, prinzipiell glaube ich, ist unser Team ganz offen für Innovationen und für Neues. Natürlich ist es, wenn es dann in die Digitalisierung geht, schon immer wieder mal sind dann die Hürden „Ja, das haben wir aber schon immer so gemacht“. Oder der Prozess, den muss man jetzt komplett umstellen. Und oft bewirkt halt eine Prozessumstellung oder die Umstellung eines Prozesses auch die Umstellung vieler weiterer Prozesse, weil die einfach miteinander zusammenhängen.

MAX: Ja, man zieht einmal links und rechts fliegt irgendwas um. Ist durchaus auch schonmal gesehen. Gucken wir bisschen nach vorne, was sind denn für dich die nächsten Milestones in dem Bereich Industrie und industrielles Umfeld, wenn es um das Thema Digitalisierung geht?

Dominik Biersack: Ich glaube, in Deutschland gibt es mittlerweile sehr viele gute Projekte. Aber insgesamt denke ich halt, dass wir in der Digitalisierung insbesondere den USA immer noch viel zu stark hinterherhinken. Aber das ist einfach mehr so systembedingt. Ich war erst vor eineinhalb Jahren im Silicon Valley im Rahmen einer IHK-Reise und habe da sozusagen den Spirit des Silicon Valley aufgenommen. Und auch mich sehr stark mit dem Thema auseinandergesetzt, zum Beispiel über Christoph Keeses Bücher. Und ich glaube, dieses Silicon Valley Mindset, das fehlt uns einfach in Deutschland. Und da geht es ganz einfach bei der Bildung los. Wenn ich halt ansehe, wie an den Elite-Unis der Wirtschaftsnachwuchs auch auf Digitalisierung getrimmt wird und nachgezogen wird, da können wir in Deutschland davon nur träumen.

MAX: Ja, da stimme ich dir grundsätzlich zu. Bei den Büchern von Christoph Keese, also das erste, ich glaube, das heißt „Silicon Valley und was da auf uns zukommt“, war ein super Buch. Ganz am Ende, wenn es dann um irgendwelche-, weiß ich nicht, wenn der Geist dann halt in der IT verschwindet, da tu ich mir dann ein bisschen schwer, das ist dann nicht ganz so meins. Aber man weiß tatsächlich nicht, was kommt. Also auf jeden Fall eine gute Lektüre. Was hast du da aus der Reise für dich und für die Biersack Gruppe eigentlich so mitgenommen? Kannst du da irgendwas sagen?

Dominik Biersack: Ja, auch wie gesagt, dieses Thema Start-Up ist da immer ein großes Thema im Silicon Valley. Man sieht so die Unicorns, die da eben geboren werden, da kann man sich nur an der Fensterscheibe sozusagen die Nase platt drücken. Aber vielleicht hat das auch so ein bisschen Auswirkung auf unser Thema BEE appliance gehabt.

MAX: Ja, das wollte ich auch gerade sagen, in dem Fall gute Überleitung. Ihr habt ein Projekt gestartet, respektive seid ihr dazu gekommen, das heißt BEE appliance. Und jetzt bin ich kein Drohnenfachmann, aber vielleicht kannst du mal beschreiben, was macht ihr da, was ist das und wie seid ihr dazu gekommen?

Dominik Biersack: Ja, BEE appliance, BEE steht ja für die Biene, aus dem Englischen. Und es ist tatsächlich, sage ich mal, nicht nur eine Drohne, sondern man spricht in der Fachsprache dort von einem VTOL, also Vertical Take Off and Landing Unit. Also auf Deutsch sozusagen ein Senkrechtstarter. Klar, man kann es sich vorstellen, jeder kennt ja heutzutage die Drohnen, mit denen man im Privaten oder als Spielzeug eben rumfliegen kann, oder Videoaufnahmen machen kann. Im Endeffekt ist es so eine Drohne, nur hochskaliert. Und wir sprechen da eben von industriellen Anwendungen, die wirklich viel Gewicht tragen können. Wie beispielsweise in eurer Branche, Logistik, oder eben dann wirklich von dem sogenannten Luft-Taxi, also die Luftmobilität, Auto der Zukunft in der Luft, sozusagen.

MAX: Und vielleicht nochmal kurz ein Satz: Das ist ein Start-Up, an dem ihr euch beteiligt habt? Also ein direktes Learning aus der Silicon Valley Reise indirekt?

Dominik Biersack: Sozusagen, ja, das Start-Up war eben auf der Suche nach Kapitalgebern, um ihren ersten Prototypen zu bauen. Und wir als produzierendes Unternehmen aus dem Bereich Luftfahrtindustrie haben uns da sofort angesprochen gefühlt und haben gedacht: „Mensch, das wäre doch was, da könnten wir uns doch beteiligen, indem wir quasi Hardware liefern oder auch eben unsere Manpower reinbringen.“ Und aus den ersten Gesprächen hat sich das dann eben auch so entwickelt, dass wir das Unternehmen sozusagen komplett mit einem Neustart bei uns auch am Unternehmensstandort angesiedelt haben und das jetzt mit Produktionsfläche, mit Büro, mit unserem ganzen unternehmerischen Know-How und Netzwerk eben ausgestattet haben und das wirklich auch zum Laufen gebracht haben. Das ist mittlerweile ein Team von fünf Leuten, das daran arbeitet und wir sind eben als Gesellschafter beteiligt.

MAX: Okay, also die Geschichte finde ich insgesamt super, weil es mich einfach freut, wenn Unternehmer sich an einem Start-Up beteiligt oder mit aufbaut und auch etwas Neues ausprobiert. Kannst du beschreiben, wie groß so was ausschaut, für die Hörer, die sich jetzt nicht täglich mit VTOLs beschäftigen?

Dominik Biersack: Ja, also wir reden von einem Flugobjekt, das in der ersten Version jetzt mindestens vier auf vier Meter ist. Und wird mindestens 60 Kilo Nutzlast tragen können. Und das Tolle an unserem Konzept wird sein, dass wir eben keinen rein elektrischen Antrieb, wie so viele, die da aktuell daran arbeiten, sondern einen Hybrid-Antrieb, mit dem wir wirklich auch Nutzzeiten, oder Flugzeiten erreichen können, wo man auch wirklich operativ dann am Markt heute was tun kann.

MAX: Wie lange kann so ein-?

Dominik Biersack: So drei Stunden.

MAX: Wir haben leider noch keine Drohnen hier. Wenn ich jetzt in Zukunft die Pakete mit Drohnen im Raum München zustellen will, wie sieht da die rechtliche Situation aus?

Dominik Biersack: Das ist tatsächlich sehr schwierig. Das ist ja ein europäisches Thema. Aber die Behörden fangen aktuell an, die EASA, also die Europäische Luft- und Raumfahrt-Behörde, als auch die Europäische Kommission beschäftigt sich ganz aktiv mit dem Thema Zulassung. Stand heute darfst du nicht die Drohne außerhalb von Sicht fliegen, über 25 Kilo, ist klar. Aber die ganzen Regulatorien wird sich anpassen müssen, weil die Unternehmen lassen sich nicht aufhalten und das Thema wird kommen. Wir sehen aber natürlich nicht nur den europäischen oder den deutschen Markt, sondern eigentlich den weltweiten Markt. Beispielsweise gibt es unbemannte Helikopter in Japan. Da sind über 5000 Stück in der Agrar, also in der Landwirtschaft unterwegs, schon heute. Oder in Südamerika gibt es Designated Flight Zones, also sogenannte Flugzonen, die sich eben dann ein Betreiber einrichten lässt und da wird man dann ganz klar auch fliegen dürfen und können.

MAX: Was sind denn da die Haupt-Einsatzzwecke oder Szenarien, die ihr euch bisher vorstellen könnt für den BEE appliance?

Dominik Biersack: Ja, wie gesagt, Agrarindustrie beispielsweise, Beflug von Feldern oder Spritzen, Überwachung von Grenzen, Logistik, also bring mir das Paket oder die Ware von A nach B, Bauindustrie ist so ein Thema. Aber natürlich auch später der Einsatz möglicherweise als Krankentransport, als Transportflugzeug von Personen, auch als Lufttaxi eben, zwei Personen. Der Step zwei ist ja quasi so ein wirkliches Lufttaxi zu bauen, wo zwei Personen drin sitzen können, das auch als Ultraleichtflieger zugelassen werden kann. Und eben ganz einfach als Ergänzungsprodukt auch wenn du irgendwo in unwegbarem Gelände weltweit bist, um schnell von A nach B zu kommen.

MAX: Okay, und wie ist der aktuelle Stand, technisch gesehen?

Dominik Biersack: Wir sind jetzt aktuell in der Phase, dass wir alle Komponenten im Unternehmen zusammenbauen und verheiraten. Also sozusagen in der Endmontage. Und wir hoffen, dass wir zeitnah, bis Ende Januar spätestens, unseren ersten Flug absolvieren können. Und dann geht es eben ganz konkret weiter, dass wir mehrere Einheiten bauen und vertreiben wollen.

MAX: Also, was mich noch interessiert: Wenn der Erstflug funktioniert, wie sieht die Navigation von so einem Gerät aus? Woher weiß das, wo es ist und wo es hinfliegt?

Dominik Biersack: Also es ist eine ganz hochwertige Luftfahrt-Avionik drin, die in jedem Airbus heutzutage auch eingebaut ist. Und du kannst das Ding erst einmal über Line of Sight sozusagen fliegen. (I: Das heißt?) Also entweder am Kabel oder mit einer Fernsteuerung, oder du kannst es natürlich dann auch programmieren, welche Flugstrecke sie abfliegen soll.

MAX: Okay, und Avionik, der Begriff, den du verwendet hast, das ist eine Flugsteuer- oder Regelungseinheit?

Dominik Biersack: Die Flugsteuerung und -regelung eben, die ganze Elektronik. Ist denke ich mal, auch das Herzstück des Ganzen. Da verbauen wir eben lauter hochwertige Komponenten aus der Luft- und Raumfahrt-Industrie. Kein Spielzeug.

MAX: Okay, das hört sich sehr spannend an. Kannst du einschätzen oder hast du eine Hoffnung, wann wir da die ersten in der Luft sehen? Also beim Kunden im Einsatz.

Dominik Biersack: Ja, ich denke bestimmt innerhalb der nächsten drei Jahre zumindest im industriellen Umfeld. Wenn du wirklich davon sprechen willst, dass die hier in Bayern oder in Deutschland entweder als Lufttaxi oder auch als Lieferdrohnen fliegen werden, dann glaube ich, dass das mindestens, rein von der regulatorischen Seite, noch zehn Jahre dauern wird.

MAX: Okay, das heißt, es dauert zehn Jahre, bis wir euch ein paar Kugellager rüber fliegen können. (B: Sozusagen.) Ja, schön, auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema und ich finde es immer gut, wenn man mit gutem Beispiel voran geht und einfach etwas ausprobiert. Also da drücke ich auf jeden Fall viel Erfolg.(B: Ja, vielen Dank, den werden wir brauchen.) Vielleicht gucke ich dann mal vorbei, wenn ihr da einen so einen Flug versucht. (B: Sehr gerne.) Okay, dann kommen wir zur letzten Frage: Hast du dir Gedanken gemacht, was war denn deine letzte Heldentat?

Dominik Biersack: Ja, klar, da habe ich mir ganz lange Gedanken gemacht und eigentlich fühle ich mich persönlich nicht so als Held. Ich habe auch meine Frau und meine Kinder befragt, was ihnen denn einfällt, wenn sie mich als Held beschreiben müssten. Darauf hat meine Frau nur ganz lapidar gesagt: „Komm doch mal vor 17 Uhr nach Hause und du bist der Held der Familie.“

MAX: Okay, das ist ein sehr gutes Ziel und jetzt, wenn ich auf die Uhr schaue, es ist Freitag, 16 Uhr, du fährst eine Stunde. Dann sollten wir uns jetzt schnell schicken, dass das noch gut klappt.

Dominik Biersack: Vielleicht werde ich heute noch Held.

MAX: Okay, ja, super. Also vielen Dank für das Interview, war sehr interessant.

Dominik Biersack: Max, es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Auch vielen Dank, dass es geklappt hat.

MAX: Und dann halte ich die Hörer mal auf dem Laufenden, wie das bei euch weiter geht.

Dominik Biersack: Sehr gerne. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

MAX: Ja, ebenso. Ciao!

 

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